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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 2. März 2026
Originaltitel: Hoppers
Laufzeit: 105 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren
Regie: Daniel Chong
Musik: Mark Mothersbaugh
Stimmen: Piper Curda, Bobby Moynihan, Jon Hamm, Kathy Najimy, Dave Franco, Eduardo Franco, Aparna Nancherla, Tom Law, Sam Richardson, Melissa Villaseñor, Isiah Whitlock Jr., Steve Purcell, Ego Nwodim, Nichole Sakura, Meryl Streep, Karen Huie, Vanessa Bayer (Heidi Klum)
Kurzinhalt:
Seit Kindertagen hat die Studentin Mabel (Piper Curda) Zeit mit ihrer Großmutter (Karen Huie) auf einer Lichtung unweit ihres Hauses verbracht. Dort, ein wenig außerhalb der Stadt, gab es eine eigene Welt an einem kleinen See, in der sich viele verschiedene Tiere zusammengefunden haben. Diese Lichtung zu beschützen, hat Mabel ihrer Großmutter versprochen, aber genau durch dieses Gebiet will Bürgermeister Jerry (Jon Hamm) eine Umgehungsstraße bauen und dafür die Lichtung planieren. Es gebe dort keine Tiere mehr, behauptet er, und tatsächlich haben die sich zurückgezogen. Mabels Professorin Dr. Sam (Kathy Najimy) glaubt, dass der Biber dafür verantwortlich ist. Ohne einen Biber bleiben auch die Tiere aus. An sich will Mabel nur versuchen, einen Biber auf die Lichtung zu locken, als sie auf ein geheimes Projekt ihrer Dozentin aufmerksam wird. Der ist es gelungen, den menschlichen Verstand in authentische Wildtierroboter zu transferieren. Für Mabel ist klar, wenn sie in den Körper des Roboter-Bibers schlüpft, kann sie die Tiere überzeugen, auf die Lichtung zurück zu kehren, so dass die Umgehungsstraße nicht gebaut wird. Aber nicht nur, dass es einen guten Grund gibt, weshalb die Tiere der Lichtung fernbleiben, die Tierwelt hält eine Überraschung bereit, die Mabel nie auch nur hätte erahnen können …
Kritik:
Pixars Animationsabenteuer Hoppers fühlt sich derart wie eine für ein junges Publikum gedachte Adaption von James Camerons Avatar-Filmen an, dass sich die Figuren darin selbst darüber lustig machen. Dabei lebt die Erzählung von einem zunehmend überzogenen, stellenweise aber überraschend düsteren Humor und einer durchweg putzigen Umsetzung, die gleichzeitig aktuelle Themen in den Mittelpunkt rückt. Das Ergebnis ist immens unterhaltsam, von der ersten bis zur Szene nach dem Abspann.
Die Geschichte beginnt damit, wie das junge Mädchen Mabel Tiere aus ihrer Schule retten will, die in den Klassen als Maskottchen gehalten werden. Es war nicht ihr erster Rettungsversuch. Da Mabels Mutter nicht auf sie aufpassen kann, während sie tagsüber arbeitet, verbringt Mabel viel Zeit mit ihrer Großmutter, die ihr beibringt, mit der Wut in Anbetracht ihrer Hilflosigkeit umzugehen, indem sie die Natur auf sich wirken lässt. In der Nähe des Hauses ihrer Großmutter gibt es eine Lichtung mit einem kleinen See und erst als sie ganz still wird, nimmt Mabel dort das bunte Treiben der vielen Tiere wahr. Wie kann man wütend sein, wenn man merkt, dass man Teil von etwas so Großem ist? Viele Jahre später, Mabel ist inzwischen 19 und studiert an der Universität, setzt sie sich dafür ein, dass die Lichtung erhalten bleibt, während Bürgermeister Jerry eine Umgehungsstraße für die Stadt hindurch bauen will. Dessen Begründung ist, dass keine Wildtiere mehr auf der Lichtung leben und er gibt Mabel 48 Stunden, ehe der ehemalige Biberdamm gesprengt wird. Mabel will die Hoffnung beinahe aufgeben, bis sie unversehens ein geheimes Projekt ihrer Professorin Dr. Sam entdeckt, der es gelungen ist, mit ihrem Verstand täuschend echte Roboter von Wildtieren zu steuern, um so über diese Arten zu lernen. Also schlüpft Mabel in den Körper eines Roboter-Bibers und will darin die Tiere überreden, sich wieder auf der Lichtung anzusiedeln. Aber nicht nur, dass sie einem dunklen Geheimnis auf die Spur kommt, sie entdeckt bei den Tieren eine Gesellschaft, die ihre kühnsten Vorstellungen übersteigt.
Was sich dahinter genau verbirgt, sei an dieser Stelle nicht verraten, um die Überraschung nicht zu verderben, denn in welche Richtung sich Hoppers vor allem in der zweiten Filmhälfte entwickelt, kann man tatsächlich nur schwer vorhersehen. Nicht nur, dass die Ideen zunehmend wilder werden, auch die Verweise, die Filmemacher Daniel Chong einstreut, gehen weit über das hinaus, was man in der ersten halben Stunde vermuten würde. Dass die Stars aus Pixars Kurzfilm Der Vogelschreck [2000] einen Gastauftritt feiern, ist für langjährige Fans ein echtes Highlight, aber auch Anspielungen an Die Vögel [1963] sind enthalten, von solchen an Horrorklassiker wie Die Dämonischen [1956] ganz zu schweigen. Man hat beinahe das Gefühl, dass sobald Mabel vor den Rat der Tiere tritt und mit ihrer Ansprache die unterschiedlichen Tierarten mobilisiert, die Erzählung regelrecht entfesselt wird. Das nicht nur in Hinblick auf das Tempo, das nochmals merklich anzieht, sondern auch in Bezug auf einen teils sehr bösen Humor, über den ein älteres Publikum vermutlich eher lachen wird, als ganz junge Zuseherinnen und Zuseher.
Im Zentrum von alledem steht die idealistische Mabel Tanaka, deren Temperament bis in ihre Haarspitzen reicht. Zu sehen, wie ihre Anspannung nachlässt, sie aufblüht und ihre Welt buchstäblich heller wird, wenn sie bei ihrer Großmutter angekommen ist und deren Sicht auf die Schönheit dieser Lichtung erkennt, ist geradezu herzerwärmend. Hoppers ist gerade in der Natur in derart warmen Farben gehalten, dass man die Wärme der Sonnenstrahlen beinahe spüren kann. Dennoch bewahrt Filmemacher Chong einen comicartigen Look, der merklich hilft, die überzogenen Figuren und die Idee selbst zum Leben zu erwecken, die auf beinahe alle Erklärungen verzichtet. Denn nicht nur, dass Mabel in den Körper eines täuschend echt aussehenden Roboter-Bibers schlüpft, ab dem Moment kann sie auch ihre Sprache sprechen und verstehen – die Sprache aller Tiere, nicht nur der Biber. Ein junges Publikum wird das nicht stören und ihm wird vermutlich auch kaum auffallen, dass die Tiere anders aussehen, je nachdem, ob Mabel oder die anderen Charaktere mit ihnen aus ihrer Perspektive oder aus Sicht der Menschen agieren. Dabei sind es Details wie diese, die die Welt hier so facettenreich gestalten.
Obwohl manche Momente überaus berührend umgesetzt sind, keiner geht so nahe wie beispielsweise bei Alles steht Kopf [2015], Toy Story 3 [2010], geschweige denn die Eröffnungssequenz von Oben [2009]. Aber das heißt nicht, dass Hoppers emotionales Gewicht fehlen würde, ganz im Gegenteil. Dies ist Mabels Geschichte, die in gewisser Hinsicht alles verlieren muss, um zu erkennen, dass sich das Ziel vielleicht auf anderem Wege als mit dem Kopf durch die Wand erreichen lässt. Insoweit ist die Geschichte auch ein Plädoyer für Verständigung, insbesondere über Generationen hinweg. Dafür, gemeinsame Lösungen zu finden, anstatt auf die jeweilige Position zu beharren. Jungen Zuschauerinnen und Zuschauern mag diese Botschaft entgehen und sie werden vermutlich eher von der putzigen Umsetzung und dem hohen Erzähltempo mitgerissen. Aber es ist eine Aussage, die man nur unterstreichen kann und wie sie aufbereitet wird, ist so eingängig, man kann sich ihr kaum verschließen.
Fazit:
Noch bevor sie als Roboter in Bibergestalt die Tierwelt erkundet, hat man Mabel bereits ins Herz geschlossen. Sie brennt für ihre Überzeugungen und versucht, die Welt besser zu machen. Genau deshalb steht sie stellvertretend für all diejenigen, insbesondere junge Menschen, die sich allein und hilflos fühlen angesichts der scheinbaren, persönlichen Machtlosigkeit der großen Krisen dieser Welt. Auch hierzu trifft Filmemacher Daniel Chong eine schöne Aussage. Bis seine Erzählung am Ende ankommt, entbrennt er stellenweise ein überraschend böses Feuerwerk an verbalem und situativem Humor. Der gerät zwar zunehmend absurd, wirkt dafür aber stets frisch und unvorhersehbar. Auch, da man vermutet, die Verantwortlichen würden das einem jungen Publikum nicht zumuten wollen. Die Geschichte um Tiere, die aus ihrem natürlichen Lebensraum vertrieben werden, damit die Menschen vier Minuten schneller von A nach B kommen können, ist zwar nicht neu, aber nichtsdestoweniger treffend. Vor allem ist sie mit viel Herz und temporeich erzählt, sodass Hoppers am Ende ein großer Spaß für die ganze Familie wird. Immens knuffig zum Leben erweckt ist er obendrein. Klasse!

