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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 1. April 2026
Originaltitel: The Drama
Laufzeit: 106 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren
Regie: Kristoffer Borgli
Musik: Daniel Pemberton
Besetzung: Zendaya, Robert Pattinson, Mamoudou Athie, Alana Haim, Hailey Gates, Zoë Winters, Anna Baryshnikov
Kurzinhalt:
Vor zwei Jahren hat Charlie (Robert Pattinson) geschwindelt, um mit Emma (Zendaya) in einem Coffee Shop ins Gespräch zu kommen. Sie wurden ein Paar und stehen inzwischen wenige Tage vor ihrer Hochzeit. Auch ihre Freunde Mike (Mamoudou Athie) und Rachel (Alana Haim) sehen ihnen ihr Glück an. Bei einem Probeessen vor der großen Feier fließt ein wenig zu viel Alkohol und sie wollen einander in der geselligen Runde das Schlimmste verraten, das sie je getan haben. Als Emma erzählt, was sie vor 15 Jahren beinahe getan hätte, ist nicht nur ihre Trauzeugin Rachel geschockt. Charlie weiß nicht, was er davon halten soll und noch viel weniger, ob er Emma je wieder so sehen kann, wie bevor sie ihr Geheimnis verraten hat. Aber sollte man sich in einer Ehe nicht alles erzählen können? Und viel wichtiger noch, will er nun, da er es weiß, Emma überhaupt noch heiraten? In den darauffolgenden Tagen hat das Paar viele Termine zu bewältigen, aber was zwischen ihnen steht, lässt vor allem Charlie nicht mehr los …
Kritik:
Je weniger man darüber weiß, umso mehr nimmt einen der Inhalt von Das Drama mit in eine Richtung, die man in keinster Weise kommen sieht. Kristoffer Borglis Erzählung von einem traumhaftem Paar, dessen Beziehung sich wenige Tage vor der Hochzeit in einen Alptraum verwandelt, als ein Geheimnis ans Licht kommt, ist stellenweise derart satirisch böse, dass einem das Lachen beinahe im Halse stecken bleibt. Dank der tollen Chemie der Besetzung fiebert man dennoch mit, auch wenn man gerade im letzten Drittel zunehmend vor Fremdscham im Boden versinken möchte.
Stellt Borgli das Paar im Zentrum des Titel gebenden Dramas vor, sind Emma und Charlie gerade dabei, ihre Ansprachen für die Hochzeit in einigen Tagen vorzubereiten. Charlie probt, was er geschrieben hat, vor seinem Freund Mike und fasst nochmal zusammen, wie er und Emma sich kennengelernt haben. Wie er vorgab, ein Buch gelesen zu haben, um mit Emma in dem Coffee Shop ins Gespräch zu kommen. In Windeseile werden so die ersten großen Wegstationen vorgestellt: das erste Date, der erste Kuss. Zwei Jahre sind sie nun bereits ein Paar und die Zukunft könnte kaum vielversprechender aussehen. Bis Emma, Charlie, Mike und Mikes Ehefrau Rachel, gleichzeitig Emmas Trauzeugin, nach einem Probedinner mit etwas zu viel Alkohol ins Gespräch kommen und einander das Schlimmste verraten, was sie je getan haben. Als Emma gesteht, was sie als Jugendliche beinahe getan hatte, ist nicht nur Rachel geschockt. Auch Charlie weiß nicht, wie er mit der Situation umgehen soll. Auf sein Drängen hin erzählt ihm Emma zwar alles, was damit in Verbindung steht, aber es fällt Charlie schwer zu entscheiden, ob Emma wirklich die Person ist, die er glaubte zu kennen und mit der er den Rest seines Lebens verbringen will.
Egal, ob sie einen Tanzkurs machen oder ihre Reden zusammenschreiben, Emma und Charlie wirken eingangs so glücklich, wie sie nur sein könnten. Doch dann kommt Emmas Geheimnis ans Licht, nicht, weil es jemand anderes verrät, sondern weil sie es ihrem künftigen Ehemann und ihren Freunden anvertraut. In einer Ehe sollte man sich doch alles erzählen und keine Geheimnisse haben … oder doch? Das Drama stellt zwei Figuren vor, bei denen nicht das Unbekannte zwischen ihnen steht, etwas Unausgesprochenes, sondern etwas, das vor 15 Jahren geschehen ist und das Emma nie wieder aufgegriffen hat. Im Gegenteil. Aber kann Charlie weiterhin sagen, dass er diese Frau wirklich kennt, die beinahe zu etwas Unvorstellbarem fähig gewesen wäre?
Was Emmas Geheimnis ist, sei an dieser Stelle nicht verraten und ein interessiertes Publikum sollte nach Möglichkeit auch nicht darüber Bescheid wissen, so dass es sich in derselben Situation wiederfindet wie Charlie und Emmas Freunde, die vor der Frage stehen, ob das Wissen darum nicht nur alles revidiert, was sie über die Person zu wissen glaubten, sondern auch, wie es mit der Beziehung mit ihr weitergehen soll. Ohne zu viel zu verraten sei gesagt, dass Emmas Geheimnis bedauerlicherweise so aktuell ist, wie traumatisch. Wie aber soll Emmas Umfeld damit umgehen? In den langen Gesprächen stellt Charlie in den Raum, ob Emma sich selbst seither nicht nur etwas vorgemacht hat und allein dass sie einmal auf jene Idee gekommen war, ihren Charakter stärker prägt, als alles, was sie seither getan hat. Passenderweise belügt er sich gleichzeitig selbst, wenn er – nun selbst in einer Ausnahmesituation – beinahe etwas tut, was seine Zukunft mit Emma zerstören könnte, sich aber in fadenscheinige Erklärungen flüchtet. Das Drama spiegelt hier so gelungen wie subtil Emmas wie Charlies Dilemmas und versucht, dem Publikum eine Erklärung zu liefern, wie es jeweils soweit kommen kann, ohne ein Verständnis für die beinahe-Handlungen einzufordern.
Je stärker Zweifel und Unsicherheit an beiden nagen, umso größer wird die Kluft zwischen dem angehenden Ehepaar in den ersten beiden Dritteln. Filmemacher Borgli bringt das auch dadurch zum Ausdruck, dass er diese Zweifel, Situationen, die sich die Figuren ausmalen, nicht nur auf die Leinwand bringt, sondern sie mit dem wirklichen Geschehen auf eine Art und Weise verbindet, dass es auf den ersten Blick stellenweise schwerfällt zu sagen, was real und was lediglich eingebildet ist. Wie lange kann man sich etwas vorstellen, bevor man es als Realität ansieht? Das Drama findet hier so treffende wie nachdenklich stimmende Aussagen und gerät gleichzeitig stellenweise als Satire derart böse, dass es einen entsprechenden Sinn für Humor braucht, um das Geschehen nicht als pietätlos zu empfinden.
Auf ähnliche Weise wird Emmas Geheimnis das Publikum spalten, das darin eine (Vor-) Verurteilung, nicht nur von ihr, sondern von Frauen im Allgemeinen sehen kann. Dabei ist das vorliegend offenkundig nicht das Ziel, sondern dient lediglich dazu, einen größtmöglichen Kontrast zwischen der Erwartungshaltung in einer nach Makellosigkeit strebenden Welt und dem herzustellen, welche Bürde Emma mit sich trägt. Dass sie die trotz ihrer gezeigten Reue und der geleisteten Wiedergutmachung nicht abzuschütteln vermag, unterstreicht vielmehr die Unnachgiebigkeit unserer Gesellschaft, die oft ohne umfassende Informationen ein Urteil fällt und es später selbst dann nicht revidiert oder nuanciert entscheidet, wenn sie es könnte. In Anbetracht dessen, wie gut dieser Aspekt funktioniert, ohne sich aufzudrängen, akzeptiert man auch, dass man über die zentralen Personen darüber hinausgehend kaum mehr erfährt und sich die Geschichte im Grunde deutlich länger als notwendig im Mittelteil um die Zweifel der Figuren dreht. Dafür ist das Geschehen passenderweise in geradezu überspitzt chice Bilder nebst erstklassiger Ausstattung gekleidet.
Zendaya und Robert Pattinson entwickeln bei alledem nicht nur eine tolle Chemie miteinander, so dass das unbeschwerte Glück zu Beginn sich ebenso auf einen selbst überträgt wie die alles zersetzenden Zweifel im Verlauf, sie sind in den Rollen auch merklich gefordert, Pattinson in der zweiten Hälfte mehr, als in der ersten. Je länger sich ihr Drama hinzieht, umso unwohler fühlt man sich dabei. Nicht unbedingt wegen diesen Figuren, sondern für sie, da man sich wünschen würde, sie würden wieder einen Weg zueinander finden. In Anbetracht dessen, was hier ans Licht kommt, ist das aber einfacher gesagt, als getan.
Fazit:
Was ist schlimmer, etwas nicht zu wissen, oder zu wissen, aber daran zu zweifeln, ob man die Person, die einem gegenübersteht, jemals wieder mit denselben Augen wie zuvor wird ansehen können? Filmemacher Kristoffer Borgli stellt in der ersten Minuten zwei Figuren vor, die mit jedem Lächeln und wie sie allein voneinander erzählen, ausstrahlen, wie glücklich sie sind – eben auf Grund der anderen Person in ihrem Leben. Doch dann bekommt dieses Glück Risse. Nicht langsam, sondern plötzlich. Emmas Geheimnis bringt eine so düstere wie unerwartete Wendung zu einer Story, die erkundet, wie Unsicherheit und Zweifel eine Beziehung von innen heraus auffressen können. Diese Zweifel in kurzen Momenten visualisiert zum Leben erweckt zu sehen, wenn das angehende Ehepaar sich mögliche Situationen in der Vorstellung ausmalt, macht das nur greifbarer. Emmas und Charlies Verhalten im Vorfeld sorgt dafür, dass all dies an ihrem an sich schönsten Tag zusammenkommt und sieht man die Katastrophe sich abzeichnen, möchte man zuerst nur fliehen und dann im Boden versinken. So charmant wie stark gespielt, ist Das Drama ungemein sehenswert, wenn man die teils schneidend böse Satire verträgt, deren Gesellschaftskritik durchaus einen größeren Stellenwert hätte einnehmen können, und sich von den gelungenen Dialogen mitnehmen lässt. Es ist in jedem Fall ein interessant umgesetzter, wenn auch in der Art der Erzählung nicht ganz einfach zugänglicher Film, der mehr bereithält, je weniger man darüber weiß. Und einer, den man keinesfalls kurz vor der eigenen Hochzeit sehen sollte. Klasse!

