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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 15. März 2026
Originaltitel: Ready or Not 2: Here I Come
Laufzeit: 108 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2025
FSK-Freigabe: noch nicht bekannt
Regie: Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett
Musik: Sven Faulconer
Besetzung: Samara Weaving, Kathryn Newton, Sarah Michelle Gellar, Shawn Hatosy, Elijah Wood, David Cronenberg, Néstor Carbonell, Olivia Cheng, Varun Saranga, Kevin Durand, Nadeem Umar-Khitab, Juan Pablo Romero, Masa Lizdek, Maia Jae, Daniel Beirne, Antony Hall
Kurzinhalt:
Gerade erst hat Grace MacCaullay (Samara Weaving) den Horror ihrer Hochzeitsnacht überlebt, da sieht sie sich im Krankenhaus ihrer entfremdeten, jüngeren Schwester Faith (Kathryn Newton) gegenüber. Die kann kaum glauben, was ihr Grace erzählt, da werden sie beide betäubt und entführt. Als sie wieder zu sich kommen, befinden sie sich auf dem riesigen Anwesen der Familie Danforth und erfahren von einem neutralen Anwalt (Elijah Wood), dass Graces Überleben der Hochzeitsnacht etwas sehr Seltenes ausgelöst hat. Denn nicht nur, dass ihre Schwiegerfamilie Le Domas einen teuflischen Pakt eingegangen war, weitere Familien wie die Danforths, inzwischen repräsentiert von Ursula (Sarah Michelle Gellar) und Titus (Shawn Hatosy), sind ebenfalls Teil jenes Vertrages. Sie alle haben nun die Möglichkeit, um den Vorsitz und damit die absolute Macht zu spielen. Das Spiel bleibt dasselbe wie das, das Grace gerade erst knapp für sich entscheiden konnte. Nur dass jetzt nicht nur sie, sondern auch Faith im Fadenkreuz steht, und dass ihnen nicht nur eine Familie, sondern gleich mehrere nach dem Leben trachten. Um das Spiel zu gewinnen, müssen sie bis zum Morgengrauen überleben …
Kritik:
Die überraschend späte Fortsetzung zum Horror-Hit Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot [2019] bietet genau das, was Fans des ersten Teils erwarten. In dieser Feststellung schwingt bereits mit, dass es den Filmemachern Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett jedoch nicht gelingt, der Ausgangsidee mehr als ein paar neue Einfälle hinzuzufügen. Weiß man aber darum, bietet Ready or Not 2 durchaus brachiale Unterhaltung für ein erwachsenes Publikum, wobei die Gewalt, die sich gegen die Protagonistinnen richtet, an ein paar Stellen merklich zu weit geht.
Die Geschichte setzt unmittelbar nach den Ereignissen des ersten Teils an, im dem Grace MacCaullay den Einführungsritus ihrer Schwiegerfamilie gerade noch überlebt hat. Die Le Domas-Familie war dabei nur eine von sechs, die für die Weltherrschaft einen Pakt mit dem Teufel eingegangen sind. Die Ältesten dieser Familien bilden einen Rat. Wer den Vorsitz des Rates führt, dessen Stimme hat mehr Gewicht und da Grace das mörderische „Spiel“ ihrer Schwiegerfamilie überlebt hat, wird der Ratsvorsitz neu ausgelost. Dafür wird Grace zusammen mit ihrer Schwester Faith, mit der sie seit sieben Jahren kein Wort gewechselt hat, aus dem Krankenhaus entführt, in dem Grace behandelt wird. Sie werden auf das Anwesen der Familie Danforth gebracht, wo die verbliebenen Familien und Grace sowie Faith um den Vorsitz spielen sollen. Die Regeln sind wie gehabt: wenn Grace den Morgengrauen erlebt, hat sie gewonnen und erhält den Vorsitz. Die jeweils Ältesten der anderen Familien können sich den Vorsitz sichern, wenn sie Grace in der Zeit bis dahin töten. Es ist ein tödliches Versteckspiel, bei dem Grace und Faith ihren Gegnern nicht nur was die Waffen anbelangt unterlegen sind. Es steht auch etwas zwischen ihnen, was die Spannungen noch verstärkt.
Im Grunde nimmt Ready or Not 2 die althergebrachte Regel von Fortsetzungen und hält sich beinahe akribisch daran. Die Grundvoraussetzung bleibt dieselbe wie im ersten Film, wobei die Arena, in der Grace und Faith ums blanke Überleben kämpfen, deutlich größer ist, und sie es darüber hinaus mit mehr Gegnern zu tun bekommen, da den Familienältesten die nächsten nachrücken, wenn ihre erstgenannten das Zeitliche segnen. In bekannter Manier wird wieder geschossen, erstochen und auf andere Weise dahingemetzelt, dass sich Fans des ersten Films früh wohlfühlen werden, immerhin bleibt das aus dem Vorgänger bekannte, blutige Ableben derjenigen, die sich nicht an die Spielregeln halten, ebenfalls erhalten. Die größte Neuerung der Geschichte ist sicherlich, dass Grace nicht mehr allein um ihr Leben fürchten muss, sondern sie mit ihrer Schwester Faith nun eine Mitstreiterin an ihrer Seite hat. Das teils dichter, als ihr recht ist, gibt es doch einen ungelösten Konflikt, der die Schwestern seit Jahren trennt und beginnen sie ihren Kampf mit Handschellen aneinander gefesselt. Die Dynamik zwischen Samara Weaving und Kathryn Newton ist ein Highlight der Erzählung. Auch wenn der Zwist weder sonderlich einfallsreich, noch eine große Überraschung ist, die beiden Schauspielerinnen harmonieren gut miteinander und beginnen die Erzählung mit einem glaubwürdigen Maß an Panik in Anbetracht dessen, was sie erwartet. Das ändert sich zwar, wenn sie sich um ihre Vergangenheit streiten, während sie an sich um ihr Leben fürchten sollten, aber dank der Chemie der beiden verzeiht man das gern.
Samara Weaving zeigt dabei einmal mehr eine eindrucksvolle Darbietung und vollzieht den Wandel der Gejagten, die sich ohne es zu wollen wieder in derselben Situation wiederfindet, zur Jägerin derart tadellos, dass man ihr wünscht, dass sie das tödliche Spiel zu ihren Gunsten drehen kann. Newton ist über lange Strecken weniger gefordert, aber eine Bereicherung, wie auch zahlreiche Nebendarsteller. Angefangen von David Cronenberg in einem gelungenen Gastauftritt, bis hin zu Elijah Wood (wenigstens) als Anwalt der Familien, der hier im rechten Moment in Deckung geht. Dass die Nebenfiguren weniger stark gefordert sind, ist der Art der Geschichte geschuldet, wobei Shawn Hatosys Titus Danforth eine stellenweise durchaus beängstigende Brutalität entwickelt. Die richtet sich jedoch durchweg gegen Frauen und mündet in einem Abschnitt, in dem eine der Protagonistinnen derart misshandelt wird, dass es deutlich über das sich gegebenenfalls aus der Story heraus ergebende Maß hinausgeht. Das ist insofern schade, da zeitgleich ein anderer Kampf von zwei durch den Einsatz von Pfefferspray eingeschränkten Figuren stattfindet, der nicht nur bewusst amüsant, sondern auch durchaus einfallsreich ist.
Einen solchen Ideenreichtum bietet Ready or Not 2 aber nicht oft. Zugegeben, die Waffen, mit der die Familienmitglieder Grace und Faith nachstellen, sind teilweise andere als im ersten Film und wie die Schwestern sich der teuflischen Familien entledigen, ist ebenfalls abgewandelt. Aber der Ablauf ist kaum überraschend, zumindest solange nicht, bis ein Schlupfloch der Regeln, denen die Zeremonie unterliegt, das letzte Drittel in eine andere Richtung lenkt. Aber weder danach, noch bis dahin entwickelt die Erzählung eine packende Spannung, da man nicht nur weiß, worauf das Geschehen hinauslaufen, sondern auch, wer für das Finale übrig bleiben wird. Zumindest auf Seiten der Sympathiefiguren. Handwerklich beweisen die Regisseure Bettinelli-Olpin und Gillett ein gewohnt gutes Händchen, wobei das Geschehen merklich dunkel eingefangen ist. Die Befürchtung, dass die Filmvorschau die ganze Handlung verrät, bestätigt sich dabei glücklicherweise nicht. Aber nach über sechs Jahren seit dem ersten Film, hätte man doch mehr erhofft, als eine Fortsetzung, die nur die Erwartungen erfüllt.
Fazit:
Auch wenn Grace wieder in ihr Hochzeitskleid schlüpft, in dem aus dem ersten Film bekannten Überlebensmodus kommt sie erst später wieder an, obwohl die Geschichte unmittelbar am Ende von Teil eins ansetzt. Die Filmemacher Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett sind merklich bemüht, auch ein neues Publikum einzuladen und wiederholen nicht nur die Geschehnisse des Vorgängers zweimal, einmal nach dem Vorspann und ein weiteres mal durch Graces Erzählung, sondern stellen auch die bekannten Regeln der Jagd in einem sich spürbar bekannt anfühlenden ersten Drittel vor. Beginnt die Uhr schließlich zu laufen, entpuppen sich die jagenden Familien als alles andere als geschickt, was zumindest für ein wenig Auflockerung trotz der gezeigten Brutalität sorgt. Die schlägt aber gerade dann, wenn sie sich unmittelbar gegen die Protagonistinnen richtet, mitunter deutlich über die Stränge. Als Fortsetzung bietet Ready or Not 2 nicht nur Fans genau das, was sie erwarten. Inhaltlich ist das zwar mehr von demselben und insofern wenig überraschend, dafür aber vor allem dank der gelungenen Besetzung nie lang und tadellos umgesetzt. Als brachiale Unterhaltung für ein erwachsenes Publikum eignet sich das allemal und (zu) ernst nehmen kann man das Geschehen ohnehin nicht.

