Fast & Furious 6 [2013]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 28. Juli 2019
Genre: Action / Thriller

Originaltitel: Furious 6
Laufzeit: 130 min.
Produktionsland: USA / Japan / Spanien / Großbritannien
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Justin Lin
Musik: Lucas Vidal
Darsteller: Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson, Jordana Brewster, Michelle Rodriguez, Tyrese Gibson, Sung Kang, Gal Gadot, Ludacris, Luke Evans, Elsa Pataky, Gina Carano, Clara Paget, Kim Kold


Kurzinhalt:

Nach ihrem „Job“ in Brasilien haben sich Dominic Toretto (Vin Diesel) und seine Crew, darunter Ex-Polizist Brian (Paul Walker), der mit Dominics Schwester Mia (Jordana Brewster) liiert ist, überall auf der Welt verstreut niedergelassen. Zumindest er und Brian haben geschworen, das Leben auf der falschen Seite des Gesetzes hinter sich zu lassen. Bis der Regierungs-Agent Hobbs (Dwayne Johnson) vor Torettos Tür steht und ihn um Hilfe bittet. Dominic soll mit seiner Crew den Kriminellen Shaw (Luke Evans) aufspüren, der einen großen Coup plant, bei dem unzählige Leben auf dem Spiel stehen. Im Gegenzug sorgt Hobbs dafür, dass Toretto und seine Crew eine weiße Weste erhalten – zusätzlich zu einem viel wichtigeren Punkt, den Hobbs in Aussicht stellt. Doch die Crew muss sich schnell eingestehen, dass sie Shaw weit unterlegen ist. Nicht nur, dass seine Leute hervorragend ausgestattet sind, er ist Toretto und den anderen stets einen Schritt voraus. Dabei stand für Dominic und Brian nie mehr auf dem Spiel …


Kritik:
Nachdem Dominic Toretto und der ehemalige FBI-Agent Brian O’Conner in Fast & Furious Five [2011] zwar nicht auf der Seite des Gesetzes standen, auf ihre eigene Art und Weise jedoch das Richtige getan haben, katapultiert Filmemacher Justin Lin sie in der Fortsetzung in die Liga von Geheim- und Spezialagenten. Fast & Furious 6 behält das Tempo des vorangegangenen Teils bei und ist beinahe ebenso unterhaltsam. Aber die Löcher in der Story sind kaum zu übersehen, trotz des Geschwindigkeitsrauschs.

In welche Richtung sich die Geschichte entwickeln würde, wurde im Abspann des vorangegangenen Teils bereits angedeutet, als – Achtung: Spoiler! – die verstorbene Freundin von Dominic, Letty, auf einem Überwachungsfoto aufgetaucht war. Sie hatte ihren letzten Auftritt in Fast & Furious - Neues Modell. Originalteile. [2009], komplettierte durch den kleinen Moment im fünften Film jedoch das „große Treffen“ der ursprünglichen Besetzung. Wie die Macher ihre Rückkehr erklären, sei hier nicht verraten. Es soll genügen zu sagen, dass es ähnlich hanebüchen ist, wie Bobby Ewings Wiedereinstieg bei der beliebten Soap-Serie Dallas [1978-1991].
Im Grunde bietet all das nur die Bühne für eine Wiedervereinigung von Dominic, Brian und dem schlagkräftigen Regierungsermittler Hobbs, gespielt von Dwayne Johnson. Er bekommt, kaum überraschend, erneut die markigsten Sprüche zugeschrieben, aus denen der Mime erneut das Beste zu machen vermag. Hobbs bittet Toretto um Hilfe, da es nur mit ihm und seiner Crew gelingen kann, den Kriminellen Shaw dingfest zu machen, für den Letty offensichtlich arbeitet. Shaw ist dabei, eine gefährliche Waffe zusammenzusetzen, für die ihm nur noch wenige Komponenten fehlen. So versammelt sich der größte Teil der inzwischen im Luxus lebenden Crew um Dominic in London, um Shaw dingfest zu machen.

Was der tatsächlich plant, wird ungeachtet der zweifachen Erwähnung nie wirklich deutlich. Hobbs’ Beschreibung ist so ominös, bleibt jegliche Erklärung schuldig, dass sich dahinter nichts weiter als ein MacGuffin verbirgt, eine Storykomponente, die benötigt wird, damit die Story überhaupt funktioniert, auch wenn sie selbst keinen Sinn ergibt. Das größte Problem von Filmemacher Lin ist hierbei, dass obwohl die Figuren von Actionszene zu Actionszene rasen, genügend Zeit bleibt, über diese Lücken nachzudenken. Das heißt nicht, dass Fast & Furious 6 langweilig wäre, ganz im Gegenteil. Dies wäre angesichts von bspw. einer Verfolgungsjagd mit einem Panzer auch überaus schwierig.
Aber selbst bei diesem Abschnitt drängen sich die inhaltlichen Probleme und Fragen förmlich auf: Bei der Auflösung der packenden Materialschlacht mit dem Kriegsgerät scheint eine Einstellung irgendwie zu fehlen, so dass die Fahrzeuge am Ende anders „liegen“, als man erwarten würde. Und angesichts der Tatsache, wie viele Autos hier überrollt werden, muss man sich ganz offensichtlich fragen, wie hoch die Anzahl der Getöteten sein müsste. Dies nimmt dem Thriller ein wenig von der Leichtigkeit des Vorgängers.

Zwei weitere Beispiele sind einerseits der Faustkampf zwischen zwei wichtigen Frauenfiguren in der Londoner U‑Bahn, der im Rückblick keinen Sinn ergibt, und das Finale selbst ,das auf einer unendlich langen Landebahn spielt. Die tatsächlichen Charakterentwicklungen konzentrieren sich eher auf den Anfang des Films, in dem Brians Familienzuwachs vorgestellt wird, und Dominic mit Elena auf den Kanaren lebt. Das ist, wie der Rest ebenso, gewohnt fantastisch eingefangen und mit reichlich lockeren Sprüchen garniert. Insbesondere der von Tyrese Gibson verkörperte Roman sorgt für die notwendigen, amüsanten Momente. Doch es täuscht nur bedingt darüber hinweg, dass Bösewicht Shaw kein wirkliches Profil verliehen bekommt. Wen all das nicht stört, der kann sich bei Fast & Furious 6 wie gehabt kurzweilig unterhalten lassen. Die schiere Zerstörungswut der Filmemacher ist bereits beeindruckend, ebenso die absurden Situationen, in die Drehbuchautor Chris Morgan die Figuren hier wirft. Mit der Agentengeschichte erinnert das aber mitunter mehr an eine Fortsetzung zu xXx – Triple X [2002], als einen Fast & Furious-Film.


Fazit:
Zu einer Zeit, in der Marvels Comichelden als Erfolgsgaranten im Kino etabliert waren, beginnen auch die Figuren hier „zu fliegen“. Mehrmals sogar, wenn auch nur kurz. Die Momente sind so übertrieben, dass man im Grunde laut loslachen müsste, nur angesichts der ständigen Beschallung aus den Lautsprechern, würde man es vermutlich selbst nicht hören. Obwohl im Agenten-Genre angesiedelt, werden die Figuren bei Fast & Furious 6 regelrecht zu Superhelden, denen kein Schlag, kein Unfall und keine Explosion etwas anhaben kann. Egal, aus welcher Höhe sie herunterspringen, sie stehen danach auf und laufen weiter, als wäre nichts geschehen. Wenn man das akzeptiert, die dünne Story und die halbseidenen Figuren, die sich nicht weiterentwickeln, außer Acht lässt, dann kann man sich bei Justin Lins viertem Film der Reihe durchaus unterhalten lassen. Besser, als es einem vielleicht sogar recht ist. Würde man das Gezeigte ernst nehmen, ließe das die Action aber merklich brutaler und weit weniger „unterhaltsam“ werden. Nur dazu lassen einem die absurden Einfälle der Filmemacher an sich keine Gelegenheit.