Shelter [2026]

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5–8 Minuten
Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. März 2026
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: Shelter
Laufzeit: 107 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA / Kanada
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Ric Roman Waugh
Musik: David Buckley
Besetzung: Jason Statham, Bodhi Rae Breathnach, Bill Nighy, Naomi Ackie, Bryan Vigier, Daniel Mays, Céline Buckens, Harriet Walter


Kurzinhalt:

Woche für Woche bringen die junge Jessie (Bodhi Rae Breathnach) und ihr Onkel mit ihrem Trawler Proviant auf eine abgelegene schottische Insel. Den Mann, der dort lebt, hat Jessie nie zu Gesicht bekommen. Bis ihr Boot eines Tages kentert und untergeht. Der schweigsame Inselbewohner Michael Mason (Jason Statham) kann Jessie zwar retten, aber sie ist verletzt. Jessie, die nun gar keine Familie mehr hat, gelingt es nicht, Mason zu entlocken, weshalb er abgeschieden auf der Insel lebt. Doch nachdem er, um Medikamente zu holen, nach Schottland übergesetzt war, wird sein Zufluchtsort von einer Spezialeinheit überrannt. Masons Vergangenheit hat ihn eingeholt und auch wenn es ihm gelingt, von der Insel zu fliehen, sein Gegner wird ihn unermüdlich jagen. Der ist niemand geringeres als der ehemalige Leiter des britischen Geheimdienstes MI6, Stephen Manafort (Bill Nighy), der sogar seine Nachfolgerin Roberta (Naomi Ackie) im Unklaren darüber lässt, weshalb er Mason ausschalten will. Manafort setzt den Attentäter Workman (Bryan Vigier) auf Mason und Jessie an. Aber Mason weiß, dass wenn er Jessie beschützen will, er Manafort selbst aufhalten muss …


Kritik:
Ric Roman Waughs Thriller Shelter wird Genrefans kaum vollends enttäuscht zurücklassen und tritt Jason Statham als schweigsamer Eliteagent schließlich in Aktion, löst der Film ein, was er verspricht. Doch bleibt der Eindruck, dass die Verantwortlichen ihren eigenen Ansprüchen nie wirklich gerecht werden. Das Ergebnis ist zu keinem Zeitpunkt wirklich packend, dafür aber auch nie langweilig und routiniert genug umgesetzt, dass man verzeiht, wie wenig ausgenutzt die altbekannte Idee tatsächlich ist.

Die Geschichte beginnt auf den Äußeren Hebriden, einer schottischen Inselkette, wo der ehemalige Agent Michael Mason zurückgezogen in einer zugigen Behausung wohnt. Der Leuchtturm der Insel ist lange bereits außer Betrieb und vor der rauen Küste liegt ein untergegangenes Boot. Jede Woche bringt die junge Jessie zusammen mit ihrem Onkel Proviant zur Insel und sie sieht den Mann, der dort lebt, nur aus der Ferne. Bis eines Tages das Boot ihres Onkels im Sturm untergeht und Mason sie aus dem Meer rettet. Er redet kaum mit ihr und trinkt viel. Da ihre Verletzung am Bein jedoch nicht abheilt, bleibt ihm keine Wahl, als in dem nahegelegenen schottischen Küstenort Medikamente zu holen. So vorsichtig er ist, Mason wird von Kameras erkannt und erscheint als gesuchter Terrorist auf dem Radar des britischen Geheimdienstes MI6. Kurz darauf wird die Insel von einer Spezialeinheit überrannt und Mason muss aus der Deckung kommen, wenn er Jessie beschützen will. Dabei legt er sich mit niemand geringerem als dem Leiter des Geheimdienstes an, Stephen Manafort, dessen designierte Nachfolgerin Roberta nicht ahnt, was ihr Mentor eigentlich im Schilde führt. Will Mason dem ein Ende bereiten, muss er wieder zu dem Mann werden, vor dem er sich selbst jahrelang versteckt hat. Dabei sind ihm Attentäter längst auf den Fersen.

Erzählt Manafort Roberta von einer streng geheimen, inoffiziellen Einheit an Spezialagenten, die außerhalb der gesetzlichen Regelungen operiert, hier genannt „Black Kite“, erinnert das in gewisser Hinsicht an die Jason Bourne-Filme. Aber während in diesen ein verzweigtes Agentennetzwerk vorgestellt wird, wirkt dies in Shelter so simpel wie klischeehaft. Vor allem erfährt man hier alles, was es über Mason zu wissen gilt, innerhalb von fünf Minuten, inklusive der Aufdeckung der Halbwahrheiten, die Roberta aufgetischt werden. Gleichzeitig beschränkt sich die eigentliche Story lange Zeit darauf, dass Jessie und Mason, die während es ersten Drittels gefühlt lediglich auf der Insel festsitzen, vor Manaforts Schergen davonlaufen. Die werden angeführt von Workman, über den man zumindest so viel erfährt, dass er böse genug ist, am helllichten Tag Polizisten und Zivilisten zu töten, um seine Mission abzuschließen. Dass gerade das ein Maß an Aufmerksamkeit auf sich zieht, das jeder Geheimdienst eigentlich vermeiden möchte, spielt ebenso keine Rolle, wie dass Masons ehemaliger Kollege Arthur am Ende nicht wirklich etwas zu tun bekommt. Ebenso wenig wie die stellvertretende MI6-Leiterin Roberta, die zwar das Komplott hinter dem Geschehen aufdeckt und sogar entdeckt wird – doch eine Auswirkung hat das auf die Story in keinster Weise.

Sieht man sich diese Aspekte der Story an oder Details wie wenn Mason Jessie beibringt, ein Kampfmesser richtig zu halten, was in der Geschichte aber nie wieder wichtig wird, dann weiß man nicht, ob das Drehbuch einige Überarbeitungen davon entfernt ist, all diese Ideen zu nutzen, anstatt sie nur in den Raum zu werfen, oder ob das gar nie beabsichtigt war. Die Idee der inoffiziellen Eliteeinheit ist dabei so abgedroschen wie die Dialoge, während selbst die Enttarnung des Spionageprogramms, mit dem der Geheimdienst alle Bürgerinnen und Bürger überwacht, später nicht einmal mehr aufgegriffen wird. Shelter wirkt inhaltlich sie ein Sammelsurium altbekannter Einfälle, die in der Summe doch kein stimmiges Bild ergeben. Dafür wartet Regisseur Waugh mit einer Inszenierung auf, die kaum wirkliche Schwächen bietet, sieht man von den offensichtlichen Trickeffekten zu Beginn einmal ab, dem Genre aber auch in keiner Weise irgendeinen frischen Aspekt hinzuzufügen vermag.

Dass einen der Gesamteindruck nicht enttäuschter zurücklässt, ist zum großen Teil der Besetzung zu verdanken. Jason Statham schlüpft zwar in dieselbe Rolle, die er bereits unzählige Male ausgefüllt hat, zusammen mit seiner jungen Ko-Darstellerin Bodhi Rae Breathnach wirken ihre gemeinsamen Szenen aber zumindest erfrischend genug, auch wenn man ihre Dialoge bereits so oft gehört hat, dass man sie beinahe mitsprechen kann. Bill Nighy braucht sein Talent nicht mehr unter Beweis zu stellen, aber auch er hat bedauerlicherweise kaum etwas zu tun. Erinnert man sich an die ähnlich angelegte, von Brian Cox gespielte Figur in in den Bourne-Filmen, wirkt Nighy hier schlicht verschenkt. Wie auch Naomi Ackie, deren Charakter am Ende nirgendwo angekommen scheint und auf dem Weg dorthin kein wirkliches Ziel verfolgt. Dafür entschädigt Regisseur Ric Roman Waugh mit einigen soliden Actionszenen, von denen aber keine wirklich in Erinnerung bleibt. Sie sind symptomatisch für eine Erzählung, die zwar nie merklich zum Stillstand kommt, aber spürbar vor sich hinplätschert, ohne Stromschnellen, die ihr Tempo verleihen würden. In Anbetracht der Beteiligten sollte man deutlich mehr erwarten.


Fazit:
Selbst wenn man die Geschichte des verschwiegenen Antihelden, der sich um die Sicherheit eines aufgeweckten Mädchens kümmert, schon oft gesehen hat, dank der Besetzung wirkt dies hier erfrischender, als es im Grunde sollte. Die Story nimmt sich viel Zeit, um überhaupt in Fahrt zu kommen und gibt sich augenscheinlich als ein komplexer Spionage-Thriller, dessen gesamter Hintergrund aber in ein paar Minuten vollständig erklärt wird. Dabei bleiben viele Ideen im weiteren Verlauf auf der Strecke und blickt man am Ende zurück, ist der Film an sich eine gute halbe Stunde zu lang für das, was er erzählen will. Filmemacher Ric Roman Waugh verpackt das, die immer wieder offensichtlichen Green Screen-Aufnahmen außer Acht gelassen, in teils dunkle Bilder, so dass man beispielsweise beim Finale kaum erkennen kann, was passiert. Der solide eingefangenen Action fehlt es zudem merklich an Gewicht, so dass man kaum das Gefühl bekommt, Schläge und Schüsse würden wirklich treffen. Fans von actionreichen Thrillern finden in Shelter Standardkost ohne Highlights, über die man sich aber auch nie wirklich ärgern muss. Manchmal reicht das schon aus.
 

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