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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 11. März 2026
Originaltitel: Project Hail Mary
Laufzeit: 156 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren
Regie: Phil Lord, Christopher Miller
Musik: Daniel Pemberton
Besetzung: Ryan Gosling, Sandra Hüller, Lionel Boyce, Ken Leung, Milana Vayntrub, Liz Kingsman, James Ortiz (Stimme), Priya Kansara (Stimme)
Kurzinhalt:
Als Dr. Ryland Grace (Ryan Gosling) aus dem künstlichen Koma erwacht, in dem er über vier Jahre lang gelegen hat, ist er desorientiert und kann sich nur bruchstückhaft erinnern, wie er dorthin gekommen ist. Er befindet sich auf der Hail Mary, einem Raumschiff, das von der „Petrova Task Force“ unter Leitung von Eva Stratt (Sandra Hüller) entwickelt und gebaut wurde. Die Mission der Hail Mary lautet, zu erkunden, was den Stern Tau Ceti besonders macht, dass er als einziger in einem weiten Umkreis nicht von einem Phänomen betroffen ist, das auch die Sonne befallen hat. Diese wird, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler festgestellt haben, merklich immer dunkler, was dafür sorgen wird, dass sich die Erde in den kommenden 30 Jahren um 10 bis 15 C° abkühlen wird. Die Folgen werden verheerend sein, wenn es nicht gelingt, den Effekt aufzuhalten oder umzukehren. Dr. Grace ist als Molekularbiologe einer der führenden Experten auf der Erde. Als er in der Nähe von Tau Ceti aus dem Koma erwacht, muss er aber feststellen, dass die übrigen Crewmitglieder die Reise nicht überlebt haben. Somit ruht die gesamte Hoffnung der Menschheit auf seinen Schultern. Als wäre das nicht genug, ist er nicht der einzige, der Tau Ceti untersucht. Dort, 11,9 Lichtjahre von der Erde entfernt, trifft er auf ein Wesen (James Ortiz), das anders ist, als alles, was er sich je hätte vorstellen können …
Kritik:
Frische Ideen im Science Fiction-Genre sind überaus selten. Umso willkommener ist die Fülle an Einfällen, die das Publikum in Der Astronaut – Project Hail Mary erwartet. Die Geschichte erzählt von einer Mission zur Rettung der Erde, bei der sich ein Wissenschaftler unversehens (alleine) wiederfindet. Das eigentliche Highlight ist jedoch das Wesen, auf das er dabei trifft. Mit immens viel Humor und Charme dargebracht, ist das nicht nur durchweg unterhaltsam, sondern mit einer Botschaft versehen, die zu hören heute so wichtig ist, wie eh und je.
Im Zentrum der Erzählung steht Dr. Ryland Grace. Der in der wissenschaftlichen Welt in Ungnade gefallene Molekularbiologe war Lehrer, ehe er von Eva Stratt für das Hail Mary-Projekt rekrutiert wurde. Das Projekt soll eine Antwort darauf finden, wie sich ein Effekt umkehren lässt, der in den nächsten 30 Jahren zu katastrophalen Folgen auf der Erde führen wird, denn aus unbekannten Gründen wird die Sonne dunkler. Grace entdeckt, dass hierfür eine Lebensform verantwortlich ist, sogenannte Astrophagen. Und nicht nur die Sonne ist betroffen, auch Sterne anderer Systeme werden dunkler – mit einer Ausnahme: Tau Ceti. Um den Grund hierfür zu untersuchen, wird das Hail Mary-Projekt ins Leben gerufen. Doch von der dreiköpfigen Forschungsmission hat einzig Grace die über vier Jahre dauernde Reise überlebt und durch das lange künstliche Koma währenddessen kann er sich an Vieles nicht erinnern. Als sich die Hail Mary Tau Ceti nähert, muss Grace zudem erkennen, dass er nicht allein ist. Ein anderes Raumschiff untersucht den Stern ebenfalls. So beängstigend die Vorstellung, darin liegt für ihn auch eine Chance, die Mission doch noch erfolgreich abzuschließen. Immerhin steht nicht weniger als die Zukunft der Menschheit auf dem Spiel.
Die Filmemacher Phil Lord und Christopher Miller, die bislang für Komödien verantwortlich zeichneten, erzählen ihre Adaption des 2021 erschienenen Romans von Andy Weir (Der Marsianer – Rettet Mark Watney [2015]) beginnend ab dem Moment, da Grace desorientiert auf der Hail Mary erwacht, abwechselnd während der Mission und in Rückblicken, wie es soweit kam, dass ein Lehrer überhaupt als Astronaut bei einem solchen Himmelfahrtskommando an Bord kam. Dass Hauptdarsteller Ryan Gosling in der Rolle des auf sich gestellten Astronauten dabei überwiegend alleine agiert, liegt in der Natur der Sache, wobei Sandra Hüller als Projektleiterin Stratt zumindest in den Rückblenden eingebunden ist, in denen sie allerdings kaum gefordert wird. Der eigentliche Star der Geschichte ist das Wesen, auf das Grace bei Tau Ceti stößt. Ohne zu viel zu verraten, soll gesagt sein, dass sich darin so viele interessante Ideen verbergen, dass Der Astronaut regelrecht eine Aufbruchstimmung vermittelt. Dabei könnte die Ausgangslage düsterer kaum sein. Nicht nur, dass die Hälfte der Weltbevölkerung einem verheerenden Schicksal entgegenblickt, Grace findet sich nach der langen Reise ganz allein in der unendlichen Weite des Weltraums wieder. So muss er nicht nur Aufgaben der übrigen Crewmitglieder übernehmen, er hat auch keine Möglichkeit, irgendjemanden um Hilfe zu fragen. Die Übertragungszeit eines Funksignals zur Erde beträgt ca. 12 Jahre. Bis dahin wären ihm längst die Vorräte ausgegangen.
Diesen Aspekt klammert die Science Fiction-Story merklich aus und selbst wie Grace seine Experimente an Bord umsetzt, wird kaum erklärt. Dafür findet die Geschichte einen Weg, gewissermaßen aus dem Nichts alles zu erschaffen, was die Mission für einen erfolgreichen Abschluss benötigt. Konzentrierte sich Der Marsianer eher auf den wissenschaftlichen Teil der Ausgangslage, neigt Der Astronaut merklich in die andere Richtung. Das ist kein Vorwurf, doch macht es das der Erzählung einerseits leichter, unmögliche Situationen aufzulösen, andererseits fällt es schwer, nachzuvollziehen, was die Figuren vor allem bei der spannendsten Sequenz des Films beabsichtigen, wenn man kaum versteht, welche Knöpfe sie drücken. Erklärte der auf dem roten Erdnachbarn gestrandete Mark Watney der Nachwelt seine Pläne in einem Videotagebuch, rollt hier Grace im Austausch mit dem Wesen aus einer anderen Welt regelmäßig nochmals auf, was zuvor geschehen ist, oder als Nächstes passieren soll. Das wirkt, wie auch einige durchaus witzige Situationen im Mittelteil, wie eine unnötige Wiederholung.
Dem Unterhaltungswert schadet das aber kaum, sodass die zweieinhalb Stunden Laufzeit buchstäblich wie im Flug vergehen. Das liegt vor allem an der charmanten Darbietung von Ryan Gosling, die durch die allerletzte Rückblende ganz am Ende der gesamten Erzählung eine andere Bedeutung verleiht. Das wirkliche Highlight ist aber das Wesen, dem Grace begegnet und welche Dynamik ihre gemeinsamen Szenen entwickeln. Der Astronaut trifft hier mit einer so unerwartet und uneingeschränkt positiven Aussage den Nerv der Zeit, dass man sogar das etwas aufgesetzte Ende gern verzeiht, das wirkt, als würde ein gern gesehener Gast länger bleiben, als er sollte. Sei’s drum, der Geschichte gelingt es dennoch, im Science Fiction-Bereich beim Publikum ein Gefühl zu wecken, das man lange nicht mehr gespürt hat, und das bleibt länger bei einem, als dieser Eindruck: Hoffnung.
Fazit:
Trotz des drohenden Endes der Welt, wie wir sie kennen, bewahren sich die Szenen zwischen Dr. Grace und Projektleiterin Stratt auf der Erde eine Leichtigkeit, die man kaum erwarten würde. Die bleibt auch bei der Mission selbst erhalten, was in gewisser Hinsicht die Spannung nimmt, da nur einmal der Moment eintritt, als könnte sich diese zu einem Fehlschlag entwickeln. Die Filmemacher Phil Lord und Christopher Miller konzentrieren sich weniger auf die Mission selbst oder wie Grace zu einem Helden wider Willen werden muss, sondern auf die Dynamik zwischen ihm und dem Wesen, auf das er so weit weg von der Erde trifft. Im Mittelteil fühlt sich das an, als würde die Erzählung nur schwer vom Fleck kommen und sich zudem wiederholen, aber nichtsdestotrotz offenbaren sich hier so viele gelungene Ideen und gerät das derart überraschend warmherzig, dass man auch diejenigen Aspekte der Story verzeiht, die keinen großen Sinn ergeben. Immens unterhaltsam und stark gespielt, gelingt es Der Astronaut – Project Hail Mary, nicht nur die Neugier zu wecken, sondern auch die Lust auf die Zukunft und was es darin alles zu entdecken gibt. Es ist ein Film über Hoffnung und die unbändige Macht, was erreichbar ist, wenn Differenzen überwunden werden und man gemeinsam an einem Ziel arbeitet. Optisch ausgelegt für die größtmögliche Leinwand, ist das keine verkopfte Science Fiction im Stile von Interstellar [2014], dafür aber eine Geschichte für ein breites Publikum genau zur richtigen Zeit. Das ist so schön, es entlässt einen mit einem Lächeln aus dem Kinosaal.

