Good Luck, Have Fun, Don’t Die [2026]

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6–9 Minuten
Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 25. Februar 2026
Genre: Science Fiction / Komödie / Satire

Originaltitel: Good Luck, Have Fun, Don’t Die
Laufzeit: 134 min.
Produktionsland: Deutschland / USA
Produktionsjahr: 2025
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Gore Verbinski
Musik: Geoff Zanelli
Besetzung: Sam Rockwell, Haley Lu Richardson, Juno Temple, Michael Peña, Zazie Beetz, Asim Chaudhry, Tom Taylor, Riccardo Drayton, Dino Fetscher, Anna Acton, Daniel Barnett, Dominique Maher, Adam Burton, Georgia Goodman


Kurzinhalt:

Es ist genau 22:10 Uhr, als ein seltsam gekleideter Mann (Sam Rockwell) ein Diner in Los Angeles betritt. Er gibt an, dass dies kein Überfall sei, er aber Sprengstoff um den Bauch gebunden habe. Er komme etwa ein halbes Jahrhundert aus der Zukunft, in der die Welt am Ende sei. Schuld daran seien insbesondere die Menschen aus der jetzigen Zeit, die nicht erkannt haben oder sich nicht verantwortlich fühlten, auf welche Zukunft sie zusteuern. Doch es gibt ein kurzes Zeitfenster an eben diesem Abend, an dem sich die Zukunft verändern ließe, wenn es gelingt, die Entstehung einer Künstlichen Intelligenz zu verhindern, die ein neunjähriger gerade programmiert. Für diese Mission sucht der Mann aus der Zukunft Freiwillige. Die sind zunächst rar gesät, aber schließlich meldet sich Susan (Juno Temple). Lehrerin Janet (Zazie Beetz) und Vertretungslehrer Mark (Michael Peña) werden ebenfalls ausgesucht, wie unter anderem die mysteriöse Ingrid (Haley Lu Richardson). Es ist eine ungleiche Truppe, doch es verbindet sie mehr, als sie auf den ersten Blick ahnen. Vielleicht gelingt es diesmal, die Zukunft zu retten. Schließlich steht nicht weniger als das Schicksal der Welt auf dem Spiel …


Kritik:
Seit Jahrzehnten schon warnen verschiedene Erzählungen im Science Fiction-Genre vor Gefahren durch Künstliche Intelligenz, dem Thema, das wie kein anderes die Technologiebranche dominiert. Filmemacher Gore Verbinski macht keinen Hehl daraus, was er von der Technologie und insbesondere blinder Technologiehörigkeit hält. Sein durchweg amüsanter Good Luck, Have Fun, Don’t Die gerät stellenweise derart zynisch böse, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt, wenn man erkennt, wie sehr die Verantwortlichen den Nagel auf den Kopf treffen. Aber so unvorhersehbar die Geschichte teils sein mag, sie nimmt emotional überraschend selten mit.

Die Erzählung beginnt um kurz nach zehn Uhr abends in einem Diner in Los Angeles, den ein namenloser, abstrus gekleidet wirkender Mann betritt. Er behauptet, er käme ungefähr 50 Jahre aus der Zukunft, in der alles schiefgegangen sei. Grund dafür sei die Passivität der Menschen in dieser Zeit, die lieber auf ihre Mobiltelefone starren, anstatt Sicherungsmechanismen für die entscheidendste Entwicklung in ihrer Lebzeiten zu fordern. Der Mann sei in der Zeit zurückgereist, um zu verhindern, dass an diesem Abend eine Künstliche Intelligenz erschaffen werde, die für den Untergang der Welt und die Auslöschung der Hälfte der Weltbevölkerung verantwortlich sei. Dafür rekrutiert er Freiwillige, die ihn bei dem schier aussichtslosen Unterfangen helfen sollen. Es ist sein 117. Versuch. Am Ende besteht sein Team unter anderem aus einem Uber-Fahrer, einer jungen Frau, die bis vor kurzem bei Kindergeburtstagen als Prinzessin aufgetreten ist, und einer Lehrerin mit ihrem Partner, einem Vertretungslehrer. Nicht in ihren wildesten Träumen könnten sie erahnen, was für absurde Dinge sie an diesem Abend erleben oder durch welche sie zu Tode kommen werden.

Das allermeiste hiervon sollte man nicht verraten, um die Überraschungen nicht zu verderben, denn wenn nichts anderes, ist Good Luck, Have Fun, Don’t Die zumindest kaum vorherzusagen. Ab dem Moment, dass der Mann aus der Zukunft beinahe wider Erwarten eine Gruppe aus den Anwesenden im Diner für seine Revolution gegen die aufstrebende Künstliche Intelligenz versammelt hat, entwickelt sich die Geschichte in einer Art und Weise, dass man mitunter nur kopfschüttelnd zuschauen kann. Das heißt nicht, dass es nicht immens unterhaltsam wäre, dabei zuzusehen, aber die Ideen, die sich hier verbergen, sind teils derart überdreht und nehmen im Verlauf immer aberwitzigere Formen an, dass aus der Satire beinahe eine Parodie wird. Die Satire bezieht sich dabei weniger auf die Künstliche Intelligenz an sich, als vielmehr darauf, wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt.

Verbinski verbindet dabei mehrere unterschiedliche Ansätze seiner Geschichte und stellt sie den Gefahren ungebremsten technologischen „Fortschritts“ sowie dem gegenüber, was die Menschen tatsächlich damit anstellen. Wird Künstliche Intelligenz beispielsweise tatsächlich als ein Werkzeug angepriesen, das Wohlstand und Durchbrüche in allen möglichen Forschungsgebieten verspricht, nutzen die meisten Menschen sie doch eher dafür, Bilder und Videos von Fabelwesen zu erzeugen, die sie in den Sozialen Medien teilen können. Dass die Nutzenden den von ihnen erschaffenen Kreaturen letztlich zum Opfer fallen, ist insofern nur folgerichtig, haben sie sich doch mit Taschenspielertricks davon ablenken lassen, worum es bei Künstlicher Intelligenz eigentlich geht: Macht und Kontrolle, ohne den Menschen als einschränkenden Faktor. Diese Aspekte lassen sich in Good Luck, Have Fun, Don’t Die durchaus erkennen und interpretieren, werden jedoch am treffendsten in zwei Rückblicken zusammengefasst, die den Hintergrund einzelner Figuren beleuchten. Da wären beispielsweise Mark und Janet, die sich an der Schule einer buchstäblichen Horde an zombieartigen Schülerinnen und Schülern gegenübersehen, die nichts anderes tun, als auf ihr Smartphone zu starren, von Algorithmen zur nie enden wollenden Interaktion im digitalen Medium verführt und gleichzeitig von der Realität ausgeschlossen. Die zurückgezogene Ingrid, die bei Kindergeburtstagen auftritt, erlebt an ihrem Freund darüber hinaus, wie dieser derart in eine digitale Welt gezogen wird, dass er die Einfachheit derselben der wirklichen Welt vorzieht.

Es sind Themen, die teils überzogen klingen, aber in Anbetracht der Unsummen, die in der Technologiebranche für „Visionen“ einer virtuellen Realität, eines Metaverse, ausgegeben werden, so abwegig nicht sind. Was Good Luck, Have Fun, Don’t Die über Janet verrät, klingt dagegen geradezu erschreckend real. Sie trifft auf Frauen, die Kinder bei Amokläufen an Schulen verloren haben. Aber statt Wut und Verzweiflung zu empfinden, haben sie sich mit einer anderen Lösung arrangiert, die so zynisch klingt, man möchte darüber lachen, wäre es nicht so bitterernst. Auch hier steht die Frage im Hintergrund, ob es nicht einfacher ist, sich mit der Illusion von Normalität und Realität zufrieden zu geben, anstatt an der bestehenden Situation tatsächlich etwas zu ändern, auch wenn es unbequem und schmerzhaft ist.

All das ist tadellos gelungen und durchweg interessant in Szene gesetzt, selbst wenn einige Trickeffekte durchaus auffallen. Vor allem aber ist es vor allem von Sam Rockwell packend zum Leben erweckt in einer Darbietung, die einerseits vollkommen überdreht erscheint, in der er dem Mann aus der Zukunft aber gleichzeitig eine Ernsthaftigkeit verleiht, wenn es um seine Mission geht, die nie in Frage zu stellen ist. Aber trotz allem, womöglich auf Grund der eingestreuten Rückblicke, die der Aufgabe der Gruppe die Dringlichkeit nehmen, oder weil sie doch nicht alle für die Erreichung des Ziels notwendig sind, packt das Geschehen nicht in der Art, wie man erwarten würde. So wirkt Good Luck, Have Fun, Don’t Die länger als er sein müsste. Ein interessiertes Publikum sollte sich davon aber nicht abhalten lassen.


Fazit:
Dass an beinahe jedem Tisch im Diner die Menschen auf ihre Smartphones schauen, ist eine ebenso treffende Beobachtung, wie dass die einzig gezeigte, menschliche Verbindung widerspiegelt, wie sich die Betroffenen zurückziehen. An der Schule von Janet und Mark nehmen sich immer mehr Lehrkräfte ein Sabbatical, eine Auszeit vom Alltag, während die Schülerinnen und Schüler kaum mehr am wirklichen Leben teilhaben. Regisseur Gore Verbinski erzählt einerseits von der Entfremdung der Menschen von der Realität und sich selbst durch Technologie sowie den Gefahren durch Künstliche Intelligenz, die sich für die breite Masse der Nutzenden als Wolf ins Schafspelz oder putzige KI-Videos tarnt. Die Themen sind so aktuell, wie die Umsetzung teils skurril, so dass man sich beinahe fühlt wie in der dystopischen Zukunft von Terry Gilliams 12 Monkeys [1995]. Stellenweise unvermittelt brutal, ist Good Luck, Have Fun, Don’t Die oftmals bitterböse und unglaublich entblätternd, was entscheidende Themen unserer Zeit anbelangt. Dass die Darstellung zunehmend überdreht gerät, ist kein Vorwurf, immerhin ist sie durchweg gut umgesetzt. Doch die inhaltlich treffenden Aussagen werden über das jetzt bereits ikonische Eröffnungsplädoyer hinaus kaum vertieft und so gerät die Satire nicht nur lang, sondern reißt wenig mit. Ein genreaffines Publikum mit einem düsteren Humor wird hier aber nicht nur bestens unterhalten, sondern bekommt durchaus interessantes Gedankenfutter dazu und einen Spiegel vorgehalten. Schon deshalb ist die originelle Idee eine Empfehlung.
 

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