How to Make a Killing – Todsicheres Erbe [2026]

Kategorien: 

, , , ,

Lesedauer: ca. 

6–9 Minuten
Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 1. April 2026
Genre: Thriller / Komödie

Originaltitel: How to Make a Killing
Laufzeit: 98 min.
Produktionsland: Großbritannien / Frankreich / USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: noch nicht bekannt

Regie: John Patton Ford
Musik: Emile Mosseri
Besetzung: Glen Powell, Margaret Qualley, Jessica Henwick, Bill Camp, Zach Woods, Topher Grace, Ed Harris, Bianca Amato, Raff Law, Sean Cameron Michael


Kurzinhalt:

Seit Kindertagen wurde Becket Redfellow (Glen Powell) von seiner Mutter erzählt, dass er nicht in einem kleinen Apartment hätte aufwachsen müssen. Die Familie Redfellow von Huntington, New York, ist immens reich. Aber da Beckets Mutter früh ungewollt schwanger wurde, das Kind aber behalten wollte, wurden sie beide von Beckets Großvater Whitelaw (Ed Harris) verstoßen. Als Becket im Erwachsenenalter nicht nur Julia (Margaret Qualley) wieder begegnet, die er bereits aus Kindertagen kennt, sondern sich auch beruflich neu orientieren muss, erinnert er sich an die Aussage seiner Mutter, was ihm eigentlich zusteht. Denn auch wenn er aus der Familie verbannt wurde, ist er doch noch Teil der Erbfolge, bei der aber sieben andere Redfellow-Familienmitglieder das Zeitliche segnen müssten, ehe Becket das milliardenschwere Erbe erhält. Darum fasst er den Plan, die Wartezeit zu verkürzen und seine Cousins beim Ableben zu unterstützen. Becket entwickelt dabei sogar ein regelrechtes Talent, bis er Ruth (Jessica Henwick) kennenlernt, die ihm zusammen mit einem neu gefundenen, gut bezahlten Job zu seinem Glück gefehlt hatte. Dennoch ist die Aussicht auf den unermesslichen Reichtum zu verlockend, dabei haben die vielen Todesfälle in der Familie nicht nur die Aufmerksamkeit vom FBI auf sich gezogen …


Kritik:
Obwohl Filmemacher John Patton Ford, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, den britischen Krimiklassiker Adel verpflichtet [1949] nicht als Vorlage auflistet, seine böse Krimikomödie How to Make a Killing – Todsicheres Erbe weist dieselbe Grundidee auf. Darin versucht ein geschasster Erbe, sich der übrigen zu entledigen, um das Familienvermögen zu erlangen. Am Ende ist das zwar weniger packend erzählt, als man sich wünschen würde, dank der toll aufgelegten Besetzung und der sehenswerten Umsetzung aber ungemein empfehlenswert.

Im Zentrum der Geschichte steht Becket Redfellow, der in wenigen Stunden hingerichtet werden wird und einem Priester erzählt, wie es dazu kam, dass er im Todestrakt sitzt. Im Grunde, so sagt er, ist es eine Tragödie, die damit begann, als seine Mutter im Alter von 18 Jahren ungewollt schwanger wurde. Sie war Teil der milliardenschweren Redfellow-Familie, wurde von ihrem Vater Whitelaw aber verstoßen, als sie sich gegen dessen Aufforderung entschloss, das Kind zu bekommen. Ihr einziger Wunsch für Becket war es, dass er nicht aufgeben würde, die „richtige Art Leben“ zu erhalten, die ihm zustehen würde. Denn, wie er feststellen muss, wurden seine Mutter und er zwar aus der Familie verbannt, waren aber immer noch Teil der Erbfolge. Der einzige Haken daran, sieben Redfellows wären vor ihm an der Reihe, wenn er nicht mit ein wenig Kreativität nachhelfen würde. Als er dann noch der wohlhabenden Julia wieder begegnet, in die er bereits in seiner Kindheit verliebt war, beginnt Becket zu überlegen, wie er es anstellen könnte, einen seiner Cousins aus dem Weg zu räumen. Der erste Mord ist beinahe Zufall, der zweite weitaus besser geplant. Aber während er auf der Karriere- und Erbfolgeleiter nach oben steigt, verliebt sich Becket nicht nur in Ruth, Freundin eines seiner Opfer. Vielmehr wecken die plötzlichen Todesfälle aus der Familie die Aufmerksamkeit des FBI und einer weiteren Partei.

Bis diese Situation für Becket aber wirklich gefährlich werden könnte, sind zwei Drittel des Films bereits vorüber. Das bedeutet nicht, dass How to Make a Killing nicht unterhaltsam erzählt wäre, ganz im Gegenteil. Beckets Aufstieg und späteren Fall zu beobachten, macht den wirklichen Reiz der Geschichte aus und so wie Glen Powell in der Hauptrolle, die ihm kaum besser auf den Leib geschrieben sein könnte, aus dem Off das Geschehen kommentiert, kann man ihm nicht wirklich böse sein. Deshalb ist, was er tut, immer noch falsch und kein Mitglied der Familie Redfellow ist auch nur ansatzweise so böse wie er. Ihr eigentliches „Verbrechen“ liegt lediglich darin, dass sie die Privilegien ihres Reichtums als solche nicht anerkennen und Becket schlicht im Weg sind. Aber der entledigt sich seiner Verwandter nie auf brutale oder boshafte Weise in dem Sinn, selbst wenn er hinterhältig und berechnend ist. Er ist gleichzeitig aber so charmant, dass man ihm beinahe wünschen würde, er käme damit durch. Dass dem nicht so ist, verraten bereits die ersten Minuten und so fragt man sich, was Becket am Ende wohl verrät.

Auch wenn manche Wendungen dabei keine große Überraschung sind, einige Momente kommen durchaus unerwartet und zu sehen, wie Becket unter Druck gerät, macht die böse Komödie nur noch amüsanter. Was How to Make a Killing dabei aber fehlt, ist eine Figur, mit der man wirklich mitfühlt, wenn sie unter Beckets Handlungen leidet. Ruth könnte eine solche Figur sein, aber sie nimmt in der Erzählung zu wenig Raum ein. Da Becket selbst erst spät in Bedrängnis gerät, kommt auch nur zögerlich Spannung auf, was beispielsweise dann möglich gewesen wäre, wenn er Gefahr läuft, auf frischer Tat ertappt zu werden. Aber auch die Überwachung des FBI bindet Regisseur Ford kaum ein. Da Becket überdies bis auf zwei Momente keine wirkliche Konfrontation mit seinen Opfern im Zeitpunkt des Mordes hat, es also bis auf einmal zu keinem Kampf oder Sonstigem kommt, geraten auch diese Augenblicke nie merklich packend. Man fragt sich vielmehr, wie leicht es für Becket offenbar sein soll, bestimmte Morde zu begehen, wenn er Chemikalien mit Alltagsgegenständen kombiniert oder seine Opfer an von ihm eingeflößten Substanzen einen Herzinfarkt erleiden. Eine wirkliche Recherche sieht man ihn nie durchführen.

Dafür trifft How to Make a Killing subtil durchaus treffende Aussagen zum Streben nach Reichtum um jeden Preis und wie es bewusst oder unbewusst das eigene Handeln bestimmt. Becket ist zu Beginn kein schlechter Mensch, der versucht hat, aus seinem Leben etwas zu machen. Auch dass seine Mutter ihm von Kindesbeinen eingetrichtert hat, er solle sich den Platz in der Familie zurückholen, hat sein Handeln nie bestimmt, bis er einmal mehr ungerecht behandelt wird und sich seine ursprüngliche Aufgabe wieder vornimmt. Und anstatt nach den ersten Morden mit einer herausgehobenen Situation zufrieden zu sein, hat er doch inzwischen einen gut bezahlten Job, eine luxuriöse Wohnung und eine Freundin an seine Seite, die ihn mit oder ohne Geld lieben würde, macht er immer weiter, angelockt von den Versuchungen unermesslichen Reichtums und einer vermeintlichen Berechtigung hierzu, die ihm seit Kindheitstagen eingeflößt wurde. Dass er sich damit aber unter Umständen nur einen Platz in einem Anwesen erkauft, das nicht mehr als ein luxuriöses Gefängnis ist, wie hier treffend herausgestellt, und er auf dem Weg dorthin alles verlieren könnte, erkennt er lange nicht. Genau diese Aussagen kommentiert Becket aber nicht, wer Glen Powell jedoch beobachtet, erkennt, wie sehr diese Themen die Geschichte prägen. Das verleiht ihr mehr Aussagekraft, als der Krimi an sich.


Fazit:
Die herrlich altmodische Inszenierung, die ohne verwackelte Einstellungen auskommt und dem Geschehen einen Look der 1970er- und 80er-Jahre verpasst, täuscht darüber hinweg, dass die Aussage der Geschichte so aktuell ist, wie eh und je. Als zynischer Krimi verkleidet, versteckt sich hinter John Patton Fords Film eine Gesellschaftskritik betreffend das Streben um Reichtum um jeden Preis und was diejenigen, die mit allen Mitteln danach suchen, auf dem Weg verlieren können. Und wenn es „nur“ ihre Seele ist. Das ist treffend und eine Botschaft, die im Gegensatz zu den Kommentaren aus dem Off nicht ausgesprochen wird, sondern der tragenden Figur nicht erst in den letzten Minuten anzusehen ist. Als Krimi selbst ist How to Make a Killing – Todsicheres Erbe smart, chic und an den richtigen Stellen böse, aber nie so bissig, wie er hätte sein können. Dass die Geschichte trotz des Unterhaltungswerts kaum wirklich mitzureißen vermag, liegt daran, wie sie aufgebaut ist. Das ist kein Kritikpunkt, wird aber diejenigen enttäuschen, die erwarten, einen kaltblütigen Killer bei seinem Werk zu beobachten und wie er Gefahr läuft, entdeckt zu werden. Für ein Publikum, das sich auf eine ruhigere Erzählung einlässt, ist dies dafür toll eingefangene und gespielte Unterhaltung mit Hintersinn, veredelt von einer starken Besetzung und einer beinahe tragischen Figur im Zentrum.
 

Tags:


Springen zu:

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner