Cold Storage [2026]

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5–8 Minuten
Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 7. Februar 2026
Genre: Horror / Science Fiction / Komödie

Originaltitel: Cold Storage
Laufzeit: 99 min.
Produktionsland: Frankreich / USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Jonny Campbell
Musik: Mathieu Lamboley
Besetzung: Joe Keery, Georgina Campbell, Liam Neeson, Lesley Manville, Ellora Torchia, Gavin Spokes, Vanessa Redgrave, Aaron Heffernan, Sosie Bacon, Andrew Brooke, Rob Collins, Darrell D’Silva, Clare Holman, Nahna James, Valentina Popkova, Lujza Richter, Justin Salinger, Nahel Tzegai


Kurzinhalt:

Für Travis „Teacake“ Meacham (Joe Keery) und seine neue Kollegin Naomi Williams (Georgina Campbell) ist es ein ganz normaler Abend in der Self Storage-Lagereinrichtung, in der sie für ihren schmierigen Vorgesetzten arbeiten. Wäre da nicht ein seltsames Piepen, das regelmäßig auftritt. Als sie dem nachgehen, entdecken sie hinter einer Wand eine Schaltzentrale, die offenbar zu der Militäreinrichtung gehört, die früher in dem stillgelegten Bergwerk, in dem die Lagereinrichtung aufgebaut wurde, betrieben worden war. Der Alarm kommt aus einem vierten Untergeschoss, von dem sie nicht einmal wussten, dass es existiert. Sie forschen weiter und entdecken ein militärisches Lager, in dem sich etwas rasend und zielgerichtet vermehrt hat. Unterdessen wird der ehemalige DTRA-Agent Robert Quinn (Liam Neeson) auf eine Situation aufmerksam gemacht, von der er nie hoffte, dass sie eintreten würde, selbst wenn er schon vor Jahrzehnten davor gewarnt hatte. Es ist eine Bedrohung, bei der nicht weniger als alles Leben auf dem Planeten auf dem Spiel steht …


Kritik:
Die Leinwandadaption von David Koepps 2019 erschienenem, gleichnamigem Roman basiert auf dessen eigener Drehbuchvorlage. Bedenkt man, wofür der preisgekrönte Autor bislang verantwortlich zeichnete (zuletzt Black Bag – Doppeltes Spiel [2025]), könnten die Erwartungen kaum höher sein. Dass Filmemacher Jonny Campbell die nicht bzw. nur sehr eingeschränkt erfüllen kann, ist dementsprechend eine umso größere Enttäuschung. Dabei ist Cold Storage kein schlechter Unterhaltungsfilm, wenn sich die Verantwortlichen denn entscheiden könnten, was für eine Art Film sie erzählen wollen. Diese Unentschlossenheit ist dem Film gewissermaßen in die Wiege gelegt.

„Der Sch… ist echt“, heißt es in einer Einblendung zu Beginn. Das trifft zumindest auf den Teil der Prämisse zu, die sich auf das „Skylab“ der NASA bezieht. Die wissenschaftliche Weltraumstation verglühte im Juli 1979 über Australien. Aber offenbar sind nicht alle Teile ins Meer gestürzt oder in der Atmosphäre zerstört worden. Ein Sauerstofftank landete in einem kleinen, abgelegenen Ort in Australien, von wo aus 18 Jahre später ein Anruf an die Mikrobiologin Dr. Martins abgesetzt wird. Als die den Ort zusammen mit Agenten der Defense Threat Reduction Agency, kurz DTRA, aufsucht, deren Aufgabe es ist, aufkommende Gefahren für Leib und Leben zu erkennen und einzudämmen, finden sie die Bewohnerinnen und Bewohner grausam entstellt und allesamt tot vor. Es wird ein Organismus sichergestellt, der in einer militärischen Anlage verwahrt wird, die Jahrzehnte später zu einer privaten Lagerhalle umfunktioniert wurde. Dort hört Wächter Travis zusammen mit seiner neuen Kollegin Naomi eines Abends ein seltsames Geräusch, dem sie auf den Grund gehen.

Mehr sollte man über den Inhalt an sich nicht verraten, um die Überraschungen nicht zu verderben, die teils auch bereits in der Filmvorschau enthalten sind. Dabei ist die Grundidee von Cold Storage gar nicht uninteressant und basiert – man möchte es kaum glauben – sogar auf Tatsachen (Stichwort: Ophiocordyceps unilateralis, eine parasitäre Pilz-Art, die Ameisen manipuliert). Entsprechend erschreckend und auch ernst ist der Prolog der Geschichte im Jahr 1997. Springt die Erzählung weitere 18 Jahre nach vorn, stellt das Drehbuch die eigentlichen Hauptfiguren vor: Naomi und Travis. Georgina Campbell und Joe Keery erzeugen in den Rollen eine greifbare Chemie, so dass man ihnen auf der Suche nach dem Ursprung des mysteriösen Geräuschs gern folgt, während sie sich miteinander unterhalten und das Publikum so mehr über die Figuren erfährt. Die Dynamik der Dialoge und die erfrischend reflektierten Charaktere machen es leicht, sich vorzustellen, man wäre mit ihnen in dieser Lagereinrichtung, in der sich die ältere Mrs. Rooney in ihrem Abteil eingeschlossen hat, um an ihrem Hochzeitstag ihrem Leben ein Ende zu bereiten. Die dunklen Gänge, das wiederkehrende Geräusch und eben weil man ja nach dem Prolog weiß, was die beiden erwarten kann, sorgen für eine unheimliche Stimmung. Doch dann trifft Naomis Ex-Mann Mike ein und von einem Moment auf den anderen kippt die Stimmung ins Überzeichnete, beinahe Klamaukige. Naomis Sorgen um ihre Tochter, Travis’ Zurückhaltung und Vorsicht sind dahin. Vielmehr entscheiden sie sich wortwörtlich, zu Helden zu werden, auch wenn sie kaum wissen, womit sie es zu tun haben.

Treffen später noch weitere Personen bei der Einrichtung ein, darunter Travis’ und Naomis Vorgesetzter Griffin, verabschieden sich die Figuren von jeglicher natürlicher Verhaltensweise oder gar so etwas wie einem Fluchtreflex. Sie alle akzeptieren die Situation beinahe mit einem Achselzucken, von Panik ist nichts zu sehen, stattdessen gibt es selbst dann noch lockere Sprüche zu hören, wenn ihnen eigentlich die Zeit ausgeht. Nur wenn die Figuren die Bedrohung nicht ernst nehmen, weshalb sollte das dann das Publikum? Erschießen DTRA-Agenten Zivilisten, nur weil diese keine netten Menschen waren, soll das wohl lustig sein, wirklich lachen kann man darüber aber nicht. Das einfach deshalb, da die zweite Hälfte von Cold Storage wie eine bemühte Komödie wirkt, während das letzte Drittel beinahe wie eine Parodie überspitzt erzählt ist.

Sieht man den ernsten Kern der Story und den begrenzten Raum der Bedrohung, erinnert das von der Ausgangslage an Werke von Autor Michael Crichton, nur dass David Koepp dies mit Humor im Stile von From Dusk Till Dawn [1996] kombinieren will. Aber während der Genreklassiker trotz der überzogenen Sprüche und der überzeichneten Gewalt die Gefahr stets ernst genommen hat, ist genau das hier nicht der Fall. Man möchte beinahe meinen, die Drehbuchvorlage von Cold Storage ist mindestens zwei oder drei Überarbeitungen davon entfernt, das Potential auszuschöpfen, das in der Story liegt. Ganz abgesehen davon, eine einheitliche Stimmung zu finden. Das muss nicht notwendigerweise an Regisseur Jonny Campbell liegen. Koepp selbst mag genau diese Mischung beabsichtigt haben, als er die Romanvorlage schrieb. Aber wie er die Vorlagen abgewandelt hat, als er beispielsweise Jurassic Park [1993] für die große Leinwand adaptierte, hätte eine entsprechende Anpassung auch der Story hier gutgetan. Schade ist das um die überaus vielversprechende Ausgangsidee und auch die beiden zentralen Figuren, die gelungen zum Leben erweckt sind. Nur wirkt Vieles am Ende so fehlplatziert wie die allerletzte Einstellung, die so absehbar wie unnötig albern ist.


Fazit:
Die ersten 10 Minuten der Geschichte wollen von der Stimmung her kaum mit den ersten Einblendungen oder gar den abgebrühten Sprüchen der beiden DTRA-Agenten zusammenpassen. Wird die Stimmung unvermittelt ernst, kann man das Potential der Geschichte erkennen, das Filmemacher Jonny Campbell auch dann noch zu nutzen vermag, wenn Travis und Naomi in der Lagereinrichtung vorgestellt werden. Doch anstatt dieses beängstigende Szenario anzunehmen, wandelt sich die Erzählung beinahe zu einer Parodie, in der einzig ein Augenzwinkern der computergenerierten Tiere fehlt, um dem Publikum zu sagen, „das ist nicht ernst gemeint“. Das ist schade, denn ab dem Moment verhalten sich auch die Figuren vollkommen unnormal und müssen nicht über sich hinauswachsen, um der Bedrohung Herr zu werden. Vielmehr entschließen sie sich einfach dazu und geraten auch nie mehr wirklich in Gefahr. Handwerklich ist das nicht schlecht dargebracht und vor allem die Kernbesetzung macht das meiste aus dem, was ihnen gegeben ist. Aber Cold Storage kann sich nicht wirklich entscheiden, was es sein will – Horror-Science Fiction-Thriller oder eine Komödie des Genres, die sich an Erwachsene richtet. Am Ende ist es von beidem ein bisschen, letzteres mit Einblendungen und wilden Kamerafahrten etwas zu gewollt, aber dank der kurzen Laufzeit nie langatmig. Dafür aber auch nie packend und am Ende vor allem eines: verschenkt.
 

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