Primate [2025]

Kategorien: 

, ,

Lesedauer: ca. 

6–8 Minuten
Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 20. Januar 2026
Genre: Horror

Originaltitel: Primate
Laufzeit: 89 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA / Kanada / Australien
Produktionsjahr: 2025
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Johannes Roberts
Musik: Adrian Johnston
Besetzung: Johnny Sequoyah, Jessica Alexander, Victoria Wyant, Gia Hunter, Troy Kotsur, Benjamin Cheng, Charlie Mann, Tienne Simon, Miguel Torres Umba, Rob Delaney


Kurzinhalt:

Nach dem Schicksalsschlag, der die Familie ereilte, ist Lucy Pinborough (Johnny Sequoyah) lange nicht mehr zuhause gewesen. Doch mit Beginn der Ferien reist die Studentin zusammen mit ihrer besten Freundin Kate (Victoria Wyant) und deren Freundin Hannah (Jessica Alexander) zu Lucys Vater Adam (Troy Kotsur), der zusammen mit Lucys jüngerer Schwester Erin (Gia Hunter) in einem Haus auf Hawaii wohnt. Adam ist Schriftsteller und an sich derzeit damit beschäftigt, sein neuestes Werk zu bewerben. Teil der Familie Pinborough ist auch Schimpanse Ben (Miguel Torres Umba), der sich durch Zeichensprache und ein spezielles Tablet verständigen kann. Es soll ein ausgelassener Urlaub für Lucy und ihre Freunde werden. Dass Kates Bruder Nick (Benjamin Cheng) ebenfalls da ist, rundet dies noch ab, schwärmt Lucy doch für ihn. Aber nicht nur, dass der mehr Interesse an Hannah als an Lucy zeigt, Ben benimmt sich zunehmend aggressiv und als die bedrohliche Stimmung in grausame Gewalt umschlägt, bleibt ihnen allen nicht mehr, als sich in den Pool zu flüchten, da der Schimpanse nicht schwimmen kann. Es beginnt ein brutaler Kampf ums Überleben …


Kritik:
Handwerklich gibt es an Primate, Johannes Roberts’ Horrorfilm über einen von Tollwut befallenen Schimpansen, der sich auf eine Mordserie begibt, nicht wirklich etwas auszusetzen. Kompetent in Szene gesetzt, sind es vielmehr diejenigen Momente, die nicht den Furcht einflößenden Horror, sondern das Leiden der Figuren ins Zentrum rücken und die Erzählung prägen, die den Film für all diejenigen disqualifizieren, die sich an so etwas nicht ergötzen wollen. Sein Publikum wird er aber wohl finden.

Nach einem Prolog, der auch bereits ankündigt, auf welchem Niveau sich die dargestellte Gewalt bewegen wird, springt die Erzählung 36 Stunden zurück, als sich die Collegestudentin Lucy mit ihrer Freundin Kate und deren Freundin Hannah für die Ferien auf nach Hawaii macht, wo Lucys Vater Adam mit ihrer jüngeren Schwester Erin wohnt. Zusammen mit Kates Bruder Nick, für den Lucy schon lange schwärmt, wollen sie in dem luxuriösen Anwesen von Lucys Vater bleiben. Der ist ein berühmter Autor und macht sich am nächsten Tag auf, sein neuestes Werk in einer anderen Stadt zu signieren. Teil der Familie ist auch der Schimpanse Ben, der Teil eines Forschungsprojekts von Erins und Lucys Mutter war. Ben beherrscht über 300 Wörter, die er per Zeichensprache unter anderem mit dem taubstummen Adam kommunizieren kann. Ben hat zudem ein Tablet, das ihn ermöglicht, sich mit Piktogrammen auszudrücken. Aber was wie ein traumhafter Urlaub für Lucy und Freunde beginnt, wandelt sich zu einem Horrortrip, als Schimpanse Ben urplötzlich gewalttätig wird.

Warum dem so ist, nimmt Primate in Texttafeln noch vor dem Vorspann vorweg, in denen das Publikum ein paar Informationen über Tollwut erhält. Hawaii ist der einzige Bundesstaat der Vereinigten Staaten, der frei des gefährlichen Virus ist. Und doch steckt sich Ben an einem Mungo an. Dass er trotz erster Krankheitssymptome nicht in seinem Käfig gefangen bleibt, sondern die jungen Protagonistinnen der Story terrorisiert, die sich in den großen Pool retten, der direkt an der Klippe angebracht ist, ist immerhin nicht ihre Schuld. Doch anstatt direkt die Polizei zu rufen, als sie feststellen, dass etwas mit Ben nicht stimmt, versuchen sie, ihn einzufangen, was die Situation nur weiter eskaliert. Erschwerend kommt hinzu, dass sie zu spät erkennen, dass sie zusammenarbeiten sollten, um den tollwütigen Schimpansen auszutricksen, und so dauert es nicht lange, ehe Ben nicht nur das traumhafte Haus verwüstet, sondern beginnt, Leichen aufzustapeln.

Das überrascht angesichts der Prämisse nicht, wohl aber, wie die Verantwortlichen diesen Aspekt des Horrors umsetzen. Denn die bedrohliche Situation ist nur ein Teil der Story. Ohne die Möglichkeit, Hilfe zu holen, sind Lucy und die anderem im Pool gewissermaßen gefangen, der zu tief ist, als dass sie darin stehen könnten. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis ihnen die Kräfte ausgehen werden – oder Ben einen Weg findet, doch an sie heranzukommen. Der entscheidendere Aspekt der Geschichte ist die grafische Gewalt, mit der Ben zu Werke geht. Denn er ist nicht nur aggressiv, sondern zunehmend darauf aus, seine Opfer zu quälen, ehe er sie grausam tötet. Das geht soweit, dass Primate in Sachen Brutalität anderen Filmen mit einer höheren FSK-Freigabe in nichts nachsteht. Was es noch schlimmer macht, ist der Umstand, dass Ben (und damit die Verantwortlichen hinter der Kamera) die Opfer nicht nur langsam dahinmetzeln, sondern dabei auch noch verhöhnen, als wollten sie der dargestellten Gewalt dadurch noch einen humorvollen Touch verleihen. Auch wenn der Moment eine Hommage an King Kong [2005] sein mag. Dabei sind die jeweiligen Momente vor allem eines: vollkommen absehbar.

Angefangen von dem zeitlichen Sprung zurück nach dem Prolog, ein Stilmittel, das man vor allem aus Fernsehserien kennt und hier wohl das Interesse des Publikums wecken soll, da der erste vollständige Mord sonst zu lange auf sich warten ließe und nicht grausam genug wäre. Auch innerhalb dieser Eröffnung überrascht allenfalls die Art und Weise des Mordes, der Moment selbst verläuft aber genau so, wie man es erwarten würde, bis hin zu allen anderen Situationen, in denen die Verantwortlichen auf genau die Elemente zurückgreifen, die sie zuvor vorgestellt haben. Nichts hiervon wirkt originell oder unerwartet, abgesehen davon, wie brutal die jeweiligen Szenen sind. Zusammen mit dem betont elektronischen Soundtrack beschwört Filmemacher Johannes Roberts das Flair reißerischer Horrorschocker aus den 1980er-Jahren herauf, mit dem Unterschied, dass dies hier alles merklich realer aussieht. Die praktischen Effekte sind dabei durchweg gelungen, selbst wenn Primate überwiegend so dunkel eingefangen ist, dass man Ben kaum einmal vollständig zu Gesicht bekommt. Aber während auch das Set, Adams Haus, insgesamt durchaus eindrucksvoll ist, nutzt die Story die Gegebenheiten kaum. Wie wäre es, hätten die Neuankömmlinge zu Beginn alle Stockwerke und Zimmer einmal gesehen und auch das Publikum so die Szenerie kennengelernt, nur um die Figuren später durch diesen Parcours zu schicken? Man wüsste so stets, wo sich wer befindet und könnte dies für die Story nutzen. Stattdessen werden zwei Sets im Haus jeweils zwei Mal gezeigt, der Rest spielt sich aber auf der Terrasse und im Pool ab.

An einem Aufbau oder einer Entwicklung der Figuren ist die Geschichte ohnehin nicht interessiert, was den eingangs vorgestellten Familienhintergrund und die emotionalen Verletzungen der Schwestern Lucy und Erin untereinander umso unnötiger erscheinen lässt. Wer am Ende von Primate übrig bleibt, ist daher ebenfalls keine Überraschung. All das wäre auch nicht weiter tragisch, wenn der Weg dorthin nicht gepflastert wäre mit Momenten, in denen das Publikum das Leid der Figuren als unterhaltsamen Horror feiern soll. Das ist nicht fies, sondern einfach widerlich.


Fazit:
Obwohl sich die jungen Hauptfiguren nicht gänzlich dämlich anstellen, wirklich schlau sind sie insbesondere dann nicht, wenn sie auf Grund ihrer Überzahl auch die Oberhand hätten, sie aber nicht nutzen. Am Ende leisten die wenigsten aber irgendeine Gegenwehr, sondern sind nicht mehr als Opfer für den zunehmend brutaler agierenden Ben, der die Menschen leiden sehen will, ehe er sie massakriert. Dabei beweist Filmemacher Johannes Roberts zwar durchaus Abwechslung, seine Verweise an Filme wie Shining [1980] oder Jurassic Park [1993] unterstreichen aber nur, dass es für wahren Horror keine ausufernde Gewalt braucht, wie hier dargestellt. Dass die stellenweise comicartig überzeichnet ist, soll das Gezeigte offenbar amüsant erscheinen lassen. Geschmacklos wäre zutreffender. Die Figuren sind so platt wie die Story einfallslos und so sehr die Idee womöglich einen Kurzfilm tragen mag, in Spielfilmlänge bleibt das trotz der routinierten Inszenierung doch ohne einen einzigen, wirklich packenden Moment – von den Gewaltspitzen abgesehen. Trotz oder gerade auf Grund der gezeigten Boshaftigkeit in der Gewalt gibt es für Primate sicher ein Publikum. Alle anderen, die nach den ersten fünf Minuten nicht sicher sind, ob sie sich das antun wollen, sollten wissen, besser wird es nicht, nur länger.
 

Tags:


Springen zu:

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner