28 Years Later: The Bone Temple [2026]

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5–8 Minuten
Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 14. Januar 2026
Genre: Horror

Originaltitel: 28 Years Later: The Bone Temple
Laufzeit: 109 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 18 Jahren

Regie: Nia DaCosta
Musik: Hildur Guðnadóttir
Besetzung: Ralph Fiennes, Jack O’Connell, Alfie Williams, Erin Kellyman, Chi Lewis-Parry, Emma Laird, Maura Bird, Ghazi Al Ruffai, Sam Locke, Louis Ashbourne Serkis


Kurzinhalt:

Mehr als 28 Jahre wütet ein verheerendes Virus und hat einen Großteil der Bevölkerung dahingerafft. Teenager Spike (Alfie Williams) findet sich unversehens in einem neuen Alptraum wieder, als er von der Sekte um Sir Lord Jimmy Crystal (Jack O’Connell) aufgegriffen wird. Er besteht einen brutalen Aufnahmeritus und wird Teil von Jimmys Anhängern, die alle dieselbe Perücke tragen und ebenfalls Jimmy genannt werden. Wenig später soll Spike unter anderem mit Jimmy Ink (Erin Kellyman) und Jimmima (Emma Laird) Grausamkeiten an einer Gruppe Überlebender begehen, die sich eine Zuflucht in der Abgeschiedenheit aufgebaut haben. Währenddessen hat Dr. Ian Kelson (Ralph Fiennes) sein Lebenswerk an sich abgeschlossen, als er erneut auf den Infizierten Alpha (Chi Lewis-Parry) trifft. Doch anders, als zu erwarten ist, entsteht zwischen den beiden eine ganz eigene Form der Verständigung. Kelson geling eine Entdeckung, die die Welt für immer verändern könnte …


Kritik:
Filmemacherin Nia DaCosta setzt in 28 Years Later: The Bone Temple nicht nur unmittelbar nach dem Ende von 28 Years Later [2025] an, ihre Erzählung leitet auch direkt auf den dritten Teil der Trilogie innerhalb des Franchise über, während sie gleichzeitig die Brücke zum Beginn der Reihe schlägt. Ob darin die inhaltlichen Weiterentwicklungen, die die Infizierten des „Wut-Virus“ betreffen, noch eine Rolle spielen werden, wird man abwarten müssen. Sie sind in jedem Fall der interessanteste Aspekt der Geschichte, die sich mehr Zeit für Grausamkeiten nimmt, als sie müsste.

Die Story beginnt damit, wie der junge Spike, nachdem er der Sekte des selbsternannten Lord Jimmy Crystal in die Hände gefallen ist, erneut einen Initiationsritus absolvieren soll. Unerwarteterweise wird er auch aufgenommen, nicht ahnend, dass die Gruppe um den Lord und seine sieben Jünger, genannt „Finger“, die alle Jimmy heißen, durch das Land zieht und andere Menschen auf möglichst qualvolle Weise dahinmetzelt. Währenddessen begegnet Dr. Kelson erneut dem infizierten Alpha, den er Samson tauft. Und wie er feststellen muss, haben die Betäubungspfeile, mit denen Kelson die Infizierten bewegungsunfähig macht, eine ungeahnte Wirkung.

Weitere Figuren, darunter eine Gruppe Überlebender, die von Jimmys Kult heimgesucht wird, werden zwar vorgestellt, die meisten von ihnen erhalten aber nicht einmal einen Namen. Vor allem dienen sie der Geschichte für nicht mehr, als Opfer in einigen der brutalsten und menschenverachtendsten Szenen der gesamten Reihe zu sein. Dass die Infizierten ihre Opfer auf grausame Weise töten, macht nicht zuletzt der Alpha hier wieder deutlich. Aber sie sind in gewisser Hinsicht nicht mehr Herr ihrer menschlichen Sinne bzw. überhaupt kaum mehr menschlich. Was die Jimmys hingegen ihren Opfern antun, ist Gewalt, die bewusst von Menschen an Menschen ausgeübt wird und keinen anderen Sinn und Zweck hat, als größtmögliche Qualen zu verursachen. Dass die Menschen vermutlich die größeren Bestien in einer Welt ohne Ordnung und Regeln sind, wurde jedoch bereits in 28 Years Later deutlich und es besteht keine Notwendigkeit, die Aussage in The Bone Temple in dieser Breite zu wiederholen. Es ist ein Abschnitt, der selbst einem genreerfahrenen Publikum zusetzt, eben weil kein Aspekt daran den Fantasycharakter der Zombie-Apokalypse beinhaltet. Dass sich das über Minuten hinzieht, man das Ergebnis der Verstümmelung immer wieder, nicht nur im Hintergrund, zu sehen bekommt, macht all das nur unerträglicher.

Es soll wohl ein anderes Publikum ansprechen als dasjenige, das daran interessiert wäre, einen weiteren Einblick in die Entwicklung der Infizierten zu erlangen. Dieser Teil der Story wird aus der Sicht von Dr. Kelson erzählt, einmal mehr verkörpert von Ralph Fiennes. Sein Auftritt bleibt nicht erst dann in Erinnerung, wenn er in voller Montur zu Iron Maidens „The Number of the Beast“ abrockt. Auch zuvor verleiht er dem zurückgezogenen Dr. Kelson eine geradezu melancholische Verletzlichkeit in Anbetracht des Lebens, das sie alle durch die Viren-Epidemie verloren haben, die einzig durch seine Neugier aufgewogen wird, was er bei den Infizierten beobachten kann. Doch wird der Hintergrund seiner Figur bedauerlicherweise nur angerissen, während Lord Jimmy Crystals Figur hauptsächlich durch dessen Erlebnisse definiert wird, die Teil des letzten Films waren. Die einzig interessante Beobachtung ist hier, dass er als Anführer des infernalischen Kultes über weniger stark ausgeprägte Überzeugungen verfügt, als manche Mitglieder der Sekte. Zumindest, wenn es nicht darum geht, dass er seine eigene Machtposition dadurch sichern könnte. Doch gerade über die Sektenmitglieder erfährt man so gut wie gar nichts, außer dass sie teilweise selbst von den Gräueltaten abgestoßen werden, die sie verüben.

Da auch Spike keine wirkliche Entwicklung widerfährt, selbst wenn er erneut Schlimmes überstehen muss, gibt es so aber keine einzige Figur, die tatsächlich mitzureißen vermag. Drehbuchautor Alex Garland gewährt überdies keinen weiteren Einblick in die Weiterentwicklung der Infizierten, was sich im letzten Film mit möglichen sozialen Strukturen noch angedeutet hat. So bleibt 28 Years Later: The Bone Temple insgesamt inhaltlich hinter den Erwartungen zurück, und man hätte aus der sich deutlich länger anfühlenden Laufzeit mühelos 15-20 Minuten herausnehmen können und die Figuren wären letztlich am selben Punkt angelangt. Dass das Ende die Brücke zu 28 Days Later [2002] schlägt, wird insbesondere Fans der Reihe freuen. Schade ist dabei allerdings, dass eine hier neu eingeführte, schwangere Figur, aus der Geschichte verschwindet, ohne dass ihr Verbleib nochmals aufgegriffen würde. Welchen Platz Nia DaCostas Beitrag zum Franchise darum am Ende einnehmen wird, lässt sich erst dann sagen, wenn die Trilogie abgeschlossen ist.

Beginnt der Abspann hier zu rollen, kann man zwar festhalten, dass dies ein weniger verwackelter und hinsichtlich der Bildqualität einheitlicherer Film ist, als es 28 Years Later war, aber während man Danny Boyles Trilogieauftakt zumindest eine künstlerische Vision unterstellen konnte (ob diese gelungen war, oder nicht, sei jedem selbst überlassen), fällt es bei The Bone Temple schwer, eine eindeutige Handschrift zu erkennen. Immerhin, hartgesottene Genrefans werden viel von der Art Horror finden, die der Titel verspricht. Einfacher macht das manche Abschnitte trotzdem nicht.


Fazit:
Man kann sich verschiedene thematische Schwerpunkte vorstellen, die sich in einer Zombie-Geschichte verarbeiten lassen. Beispielsweise, wie sich der Zerfall der gesellschaftlichen Ordnung auf Menschen auswirkt, die um ihr Leben fürchten. Oder wie der eigentliche Horror von den Menschen selbst ausgeht, um nur ein paar zu nennen. Die 28 Years Later-Reihe reißt die Gesellschaftskritik in gewisser Hinsicht an, aber selbst wenn Dr. Kelson in einem Augenblick sagt, dass es den Teufel auf Erden nicht gibt, sondern nur die Menschen, fehlt der ausgesprochene Denkschluss, dass es die Menschen sind, die für den lebenden Alptraum verantwortlich sind. Wollte sich Filmemacherin Nia DaCosta alleinig auf den physischen Horror konzentrieren, wirken solche Andeutungen unnötigerweise eingestreut. Um sie ernst nehmen zu können, sind sie aber zu sehr im Hintergrund. 28 Years Later: The Bone Temple entwickelt die Reihe inhaltlich mit ein paar Ideen in eine neue Richtung. Nur was bringt Kelsons Erkenntnis in einer Welt, in der sie ungehört verhallt? Die durchaus amüsanten, wenn auch zu langen Momente der Annäherung zwischen ihm und Alpha Samson lockern die teils kaum erträgliche, von Kindern und Jugendlichen begangene Grausamkeit auf, die hier nur deshalb gezeigt wird, um das Publikum zu schockieren. Handwerklich ist das gut gemacht und auch optisch wartet die Regisseurin mit interessanten Einstellungen auf. Ob das innerhalb der Trilogie sein muss oder Sinn ergibt, muss man abwarten.
 

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