The Housemaid – Wenn sie wüsste [2025]

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5–8 Minuten
Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 3. Januar 2026
Genre: Thriller

Originaltitel: The Housemaid
Laufzeit: 131 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2025
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Paul Feig
Musik: Theodore Shapiro
Besetzung: Sydney Sweeney, Amanda Seyfried, Brandon Sklenar, Michele Morrone, Elizabeth Perkins, Indiana Elle, Mark Grossman, Hannah Cruz, Megan Ferguson, Ellen Tamaki


Kurzinhalt:

Geradezu verzweifelt ist Millie (Sydney Sweeney) auf der Suche nach einem Job und eigentlich fest davon überzeugt, dass die wohlhabende Nina Winchester (Amanda Seyfried), die eine Haushaltshilfe sucht, sie nicht zurückrufen wird. Das Vorsprechen war gut, aber ein Blick hinter Millies Fassade würde das Kartenhaus, das sie aufgebaut hat, in sich zusammenfallen lassen. Doch Nina gibt Millie den Job und als Hausmädchen soll sie die Familie, zu der Ninas Ehemann Andrew (Brandon Sklenar) und Tochter Cecilia (Indiana Elle) zählen, mit alltäglichen Besorgungen, beim Wäschewaschen Aufräumen oder dem Kochen unterstützen. Schon am nächsten Tag zeigen sich Risse in der scheinbar perfekten Familienfassade, als Nina einen Wutausbruch erleidet. In der nächsten Zeit erlebt Millie bei Nina ein Auf und Ab. Immer wieder führt sie Millie vor, gibt ihr Anweisungen, um kurz darauf das Gegenteil zu behaupten. Doch Millie braucht den Job unbedingt und der ausgeglichene Andrew lässt Millie nicht nur die Wertschätzung zukommen, die Nina vermissen lässt, es entwickelt sich auch eine Anziehung zwischen ihnen. Doch das verkompliziert die Situation nur weiter und die Andeutungen von Gärtner Enzo (Michele Morrone) legen nahe, dass Millie nicht weiß, mit wem sie sich eingelassen hat …


Kritik:
In seiner Verfilmung von Freida McFaddens Erfolgsroman Wenn sie wüsste [2022] erzählt Regisseur Paul Feig im Gewand eines stellenweise in sexy Hochglanzbildern eingefangenen Thrillers von nicht nur emotionalem Missbrauch. Dank der teils geforderten und starken Besetzung ist das überaus sehenswert, selbst wenn The Housemaid – Wenn sie wüsste mit zu vielen und sich wiederholenden Erklärungen im letzten Drittel an Tempo verliert und der Epilog länger ausfällt, als er müsste.

Eingangs scheint es beinahe, als würde die 27jährige Millie Calloway die Geschichte aus dem Off erzählen, tatsächlich sind ihre Äußerungen aber Einträge aus dem Tagebuch, das sie in ihrer jetzigen Situation führen muss. Sie ist verzweifelt auf der Suche nach einem Job und schläft derzeit in ihrem in die Jahre gekommenen Auto. Umso verlockender klingt das Angebot, das ihr die wohlhabende Nina Winchester unterbreitet. Nina sucht ein Hausmädchen, das sie, ihre siebenjährige Tochter Cecilia und ihren Mann Andrew im Alltag unterstützt. Putzen, Wäsche waschen und Erledigungen gehören wie Kochen zu ihren Aufgaben. Dafür erhält sie einen guten Lohn und wird überdies in dem riesigen Haus untergebracht. Andrews anfängliche Irritation darüber, dass seine Frau sich Unterstützung gesucht hat, ist schnell verflogen, doch schon am nächsten Tag erhält Millie einen Vorgeschmack auf das, was sie erwartet. Nina erlebt einen Wutanfall, der in einem regelrechten Zusammenbruch mündet. Diese Situationen, in denen Nina Millie etwas vorwirft, häufen sich, während sich Millie und der attraktive Andrew näher kommen. Aber so schwierig die Situation ist, Millie kann es sich nicht erlauben, die Arbeit zu verlieren.

Weshalb dem so ist, sei an dieser Stelle nicht verraten, selbst wenn der Grund keine große Überraschung ist, schreibt Millie doch gleich zu Beginn in ihr Tagebuch, dass der Lebenslauf, den sie bei ihrem Vorsprechen vorgelegt hat, eine große Lüge ist. Doch es ist eine passende Begründung, weshalb Millie die zunehmend provokanteren Attacken ihrer Arbeitgeberin hinnimmt und erduldet, auch wenn sie am liebsten ihre Sachen packen und verschwinden möchte. Dabei zeigt The Housemaid ausgerechnet Nina durchweg in weiß gekleidet, als sollte ihr die Farbe eine Unschuld verleihen, die sich in ihren Handlungen aber nicht widerspiegelt. Regisseur Feig beweist hier ein ebenso gutes Gespür wie bei seiner Inszenierung insgesamt. Früh wird deutlich, dass bei dem übertrieben lächelnden Auftreten von Nina etwas nicht stimmt. Seien es ihre Anfälle oder ihr geradezu durchdringender Blick, bei dem sie kaum zu blinzeln scheint. Sie verstrickt sich in Widersprüche, lässt Millie vor anderen auflaufen, und in ihrer Funktion als scheinbar unsichtbare Haushaltshilfe überhört Millie die Nachbarinnen, die wie Schlangen ihr Gift über Nina versprühen. Die Symbolik der Schlangen findet sich in der Erzählung immer wieder, die kaum überraschend auf den Punkt zusteuert, dass sich Millie und Andrew mehr als nur annähern.

Der reiche Andrew, der zwar einen langweiligen Bürojob haben mag, aber in seiner Detailversessenheit das beeindruckende Haus bis unter den Dachwinkel entworfen hat, wirkt angesichts von Ninas stets feindseliger werdendem Verhalten gegenüber ihrer Haushaltshilfe wie ein Engel. Dass er überhaupt zu Nina hält, sie stützt und schützt, wirkt nicht nur auf die Nachbarinnen geradezu heldenhaft. Umso mehr in Anbetracht dessen, was die Familie durchgemacht hat. Brandon Sklenar strahlt in der Rolle eine Ruhe und Bescheidenheit aus, dass es nicht schwerfällt nachzuvollziehen, weshalb Millie sogar von ihm zu träumen beginnt. Es ist ein unbändiger Kontrast gegenüber der erratischen Nina, die eingangs bekräftigt, wie froh sie ist, Millie als Unterstützung bei sich zu haben, nur um ihr wenig später mit einer Kündigung zu drohen, auch wenn sie selbst Millie eine falsche Information gegeben hat. The Housemaid spielt mit den Gegensätzen dieser Figuren und kann dabei auf eine Amanda Seyfried setzen, die die widerstrebenden Pole ihrer Figur sehenswert zur Geltung bringt. Ihre Wechsel zwischen geradezu übertrieben freundlich, berechnend hinterhältig und regelrecht boshaft sorgen auch dafür, dass sich das Publikum schnell auf der Seite von Millie wiederfindet, die darum bemüht ist, wieder Fuß zu fassen, dabei aber greifbar emotional erpresst wird.

Dass auch sie Geheimnisse verbirgt, ist keine wirkliche Überraschung, doch findet The Housemaid trotz einiger früher Andeutungen einen passenden Weg, das Publikum im Unklaren zu lassen, selbst wenn genreerfahrene Fans bestimmte Hintergründe zumindest werden erahnen können. Doch anstatt Manches hiervon nach und nach zu veröffentlichen und das große Puzzle zum Ende zusammen zu setzen, werden die großen Wendungen beinahe zeitgleich und zu Beginn des dritten Akts aufgelöst. Das sorgt dafür, dass man gewissermaßen dieselbe Geschichte zweimal hintereinander hört bzw. sich erschließt, und das letzte Drittel beinahe eine eigene Dramaturgie entwickeln muss. Immerhin steht dann nicht mehr die Frage im Raum, wie alles zusammenhängt, sondern lediglich, wie die Figuren dies auflösen werden. Das nimmt allerdings merklich Tempo aus der Erzählung, was zum großen Teil durch die Besetzung und die Tatsache aufgefangen wird, dass man die richtigen Personen all das überstehen sehen möchte. Auch wenn der Thriller dadurch am Ende ein wenig aus dem Tritt gerät, tadellos umgesetzt und gut gespielt ist er dennoch. Das ist mehr wert, als man vermuten würde.


Fazit:
So sympathisch Ninas Fassade eingangs erscheint, blickt Millie hinter die Kulissen, sieht sie eine unberechenbare, eifersüchtige Person, die sie bewusst oder unbewusst regelmäßig erniedrigt. Erst spät in der Erzählung wandelt sich diese spürbare aber diffuse Bedrohung in eine körperliche, gerade dann, als Millie endlich ihr Glück gefunden zu haben scheint. Regisseur Paul Feig versieht seinen Film nicht nur mit eingängigen Songs zur rechten Zeit, sondern auch mit einer tollen Ausstattung und chicen Bildern. Es ist ein Bilderbuch an Bürgerlichkeit, in dem sich Abgründe auftun. Die Symbolik, die er dabei einwebt, ist ebenso gelungen wie der Cast, aus dem vor allem Amanda Seyfried hervorsticht. Die wiederholenden Erklärungen sind allerdings unnötig und ziehen die Geschichte, die etwas zu lang geraten ist, zusätzlich in die Länge. Aber selbst wenn manche Wendungen und Situationen absehbar sein mögen und die Erzählung nur selten packt, die stimmungsvoll dargebrachte Geschichte besitzt mit ihrem Kern über (emotionalen) Missbrauch nicht nur eine wichtige Botschaft. The Housemaid – Wenn sie wüsste ist ein stellenweise unerwartet fieser Thriller mit einer Besetzung in bester Spiellaune, der sich nicht nur für die kalten Tage eignet. Die interessante Story wartet mit einigen Überraschungen und einem aktuellen Thema auf. Insbesondere Genrefans sind hier gut aufgehoben.
 

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