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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 25. Januar 2026
Originaltitel: The Running Man
Laufzeit: 101 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1987
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren
Regie: Paul Michael Glaser
Musik: Harold Faltermeyer
Besetzung: Arnold Schwarzenegger, María Conchita Alonso, Yaphet Kotto, Richard Dawson, Jim Brown, Jesse Ventura, Erland Van Lidth, Marvin J. McIntyre, Gus Rethwisch, Professor Toru Tanaka, Mick Fleetwood, Dweezil Zappa, Kurt Fuller
Kurzinhalt:
Im Jahr 2017 ist die Weltwirtschaft zusammengebrochen. In den Vereinigten Staaten herrscht ein Polizeistaat über das in paramilitärische Zonen unterteilte Land. Viele Menschen hungern und klammern sich an die Unterhaltungsmedien, die in brutalen Spieleshows schnellen Ruhm und Reichtum versprechen. Die erfolgreichste ist „The Running Man“, bei der Moderator Damon Killian (Richard Dawson) von der Bühne aus Kandidaten begleitet, die in verschiedenen Arealen gegen Jäger, sogenannte Gladiatoren wie Subzero (Professor Toru Tanaka), Dynamo (Erland Van Lidth), Buzzsaw (Gus Rethwisch) oder Fireball (Jim Brown) kämpfen. Am Ende winkt die Freiheit oder der sichere Tod. In eben dieser Show soll nun der ehemalige Polizist Ben Richards (Arnold Schwarzenegger) auftreten, der eines Massenmordes beschuldigt wird und zusammen mit Laughlin (Yaphet Kotto) und Weiss (Marvin J. McIntyre) aus dem Gefängnis ausgebrochen war. Dass er wieder gefangengenommen wurde, hat er Amber Mendez (María Conchita Alonso) zu verdanken, die aber feststellen muss, dass der Sender über die Festnahme Lügen verbreitet. Während sie sich aufmacht zu prüfen, ob Richards, wie er behauptet, unschuldig ist, sieht er sich mit seinen Mitstreitern den ersten Jägern gegenüber. Doch es ist ein abgekartetes Spiel, bei dem bereits feststeht, wer gewinnen soll – und die Kandidaten sind es nicht …
Kritik:
Die erste Leinwandadaption von Stephen Kings Roman Menschenjagd [1982], der damals unter dem Pseudonym Richard Bachman veröffentlicht wurde, wandelt viele Elemente der Vorlage so stark ab, dass deren Kern beinahe verloren geht. Dabei verstecken sich in Running Man viele immer noch aktuelle, gesellschaftskritische Kommentare und in mancherlei Hinsicht ist Paul Michael Glasers Film beinahe prophetisch. Wäre es nicht um die überzogenen Schurken, die weniger Furcht einflößen, als für unfreiwillige Komik sorgen.
Es ist das Jahr 2017. Die Weltwirtschaft ist kollabiert und in den Vereinigten Staaten herrscht ein unterdrückender Polizeistaat mit unerbittlicher Härte. Bestimmte Bücher, Musik und auch Kleidung sind verboten oder zensiert, wer nicht in Armut aufwächst, hat sich dem System zu fügen. Ben Richards ist Polizist, der einen Befehl verweigert, auf Protestierende zu schießen. Eineinhalb Jahre später gelingt ihm die Flucht aus dem Gefängnis zusammen mit den Insassen Laughlin und Weiss. Doch bei dem Versuch, das Land zu verlassen, wird Ben von der Zivilistin Amber Mendez verraten. Ben erhält von niemand geringerem als dem berühmtesten Spieleshow-Moderator des Fernsehens, Damon Killian, ein Angebot. Er kann in der Show „The Running Man“ auftreten, in der die Kandidaten in verschiedenen Zonen vor Gladiatoren um ihr Leben fliehen. Wenn Ben gewinnt, winkt ihm die Freiheit. Aber wie Ben feststellen muss, ist die Show manipuliert und das Spiel eine Farce, um die Bevölkerung durch Gewalt und Wetten bei Laune zu halten. Die Chancen, dass er, Laughlin und Weiss den Abend überleben, stehen quasi bei Null.
Aus der landesweiten Jagd der Romanvorlage, bei der die Zivilbevölkerung gehalten ist, die gesuchten Kandidaten zu finden und verraten, macht Running Man eine brutale Reality Show, bei der das Ergebnis an sich von Beginn an feststeht. Das Publikum im Studio wie auch die Menschen, die in den Slums Wetten eingehen, welcher der Kandidaten als erster getötet wird, soll sich nicht nur am Spektakel ergötzen, sondern insbesondere an der Gewalt, mit der die Gladiatoren zu Werke gehen, wenn sie die Spieler jagen. Das ist hinsichtlich der Aussagen über unsere Gesellschaft so erschreckend zutreffend wie düster. Es sind vielmehr die gezeigten Gladiatoren, die bestenfalls für Kopfschütteln sorgen. Angefangen von Subzero, der auf Schlittschuhen in einem speziellen Areal den Kandidaten mit seinem rasiermesserscharfen Hockeyschläger zusetzt, oder Buzzsaw, der mit einer Kettensäge Jagd auf sie macht. Über das billige Plastikkostüm von Captain Freedom kann man nur schmunzeln, aber wenn Dynamo auftritt, gekleidet in einen Anzug, der an eine Christbaumbeleuchtung erinnert, wirkt das schlicht lächerlich. Ganz abgesehen davon ergibt das Spielprinzip keinen großen Sinn, haben die Kandidaten ja keine Waffen, weshalb eine Gegenwehr beinahe nicht möglich ist. Auch verstecken können sie sich nicht, da sie über eine Injektion geortet werden können. Im Gegensatz zu anderen sadistischen Spielen, die hier angedeutet werden, besteht „The Running Man“ an sich daraus, dass die Kandidaten weglaufen, um von einem Jäger zur Strecke gebracht zu werden.
Auch das mag eine durchaus treffende Gesellschaftskritik sein und im Hinblick auf die Macht der geskripteten Reality TV-Shows ebenso vorausschauend wie hinsichtlich der Manipulation von Bildern, aber sie ist weder so beißend oder zynisch wie in RoboCop [1987], noch ist das Gezeigte so packend, dass man über die unfreiwillig komischen Figuren hier hinwegsehen könnte. Man hat vielmehr das Gefühl, als würde in der Idee eine deutlich bessere Geschichte schlummern, als sie erzählt wird. Über die Widerstandsbewegung, die sich gegen den Unterdrückerstaat auflehnt, erfährt man ebenso wenig, wie welche Kunst verboten wurde. Richards’ Bruder wurde, wie ihm Amber sagt, in ein Umerziehungslager gebracht, aber es wird weder gesagt, weshalb, noch mit welchen Methoden umerzogen wird. Dass man auch sonst kaum etwas über die Figuren erfährt, ist ebenso eine verpasste Chance, wie das Ende ungelöst bleibt, immerhin nimmt Richards nicht den Kampf mit dem System an sich oder gar dem einflussreichen TV-Sender auf, sondern lediglich dem Gastgeber der Spieleshow.
Wie viele der Ungereimtheiten dem nicht einfachen Entstehungsprozess von Running Man geschuldet sind, darüber lässt sich nur spekulieren. Drehbuchautor Steven E. de Souza wandelte die Vorlage speziell ab, um der körperlichen Präsenz von Hauptdarsteller Arnold Schwarzenegger Rechnung zu tragen, was aber dazu führt, dass man selten das Gefühl bekommt, Richards wäre wirklich in Gefahr. Auch musste Regisseur Glaser spontan übernehmen, nachdem der ursprüngliche Regisseur Andrew Davis laut den Produzenten nach der ersten Drehwoche nicht mehr tragbar war. Dabei war dieser bereits nicht die erste Wahl gewesen. Die unterschiedlichen Ausrichtungen würden zumindest erklären, weshalb Richards beispielsweise beim Kampf mit Subzero Verletzungen davon trägt, die aber ab der nächsten Szene von ihm und seinem Anzug verschwunden sind. Solche Abweichungen gibt es mehrere. Aber selbst wenn dies der Fall wäre, es ändert nichts daran, dass der actionreiche Science Fiction-Thriller zwar mit zahlreichen interessanten Ideen aufwartet und ein ebenso düsteres wie greifbares Zukunftsszenario entwickelt, keine dieser Stärken aber vollends auszuspielen vermag. Zu sehr driften die Schurken ins Lächerliche, zu zahm wirkt die Satire. Das Ergebnis ist unterhaltsam, mehr leider nicht.
Fazit:
Mit dem Konzept der vermeintlichen Reality Shows, deren Ablauf aber von den Verantwortlichen im Hintergrund soweit vorgegeben ist, dass sogar Szenen gestellt werden, die das Publikum sehen soll, nimmt Regisseur Paul Michael Glaser eine Entwicklung der Medienlandschaft vorweg, die wie hier gezeigt die Massen von wichtigen Themen abzulenken vermag. Das war, wie auch die Dystopie eines Polizeistaats, in dem die Freiheit der Menschen unterdrückt wird, vor beinahe 40 Jahren so aktuell wie heute. Auch wenn das Drehbuch die Vorlage stark abwandelt, manche Ideen wirken überaus vorausschauend. Doch das wiegt kaum auf, wie wenig sowohl das abgegrenzte Spieleareal genutzt wird, in dem sich zwar überall Kameras befinden, die Kandidaten aber keinen wirklichen Weg vorgegeben haben, oder die teils lächerlich wirkenden Jäger, deren Auftreten im Gegensatz zu den vielen lockeren Sprüchen nicht immer beabsichtigt witzig ist. Stark auf Hauptdarsteller Schwarzenegger zugeschnitten, bleiben die übrigen Figuren merklich außen vor und selbst die Action wirkt geradezu behäbig. Running Man überzeugt heute zwar noch durch einige gute Ideen, aber wie wenig die Story selbst ausgenutzt ist, kann die Erzählung nicht verbergen. Für Genrefans durchaus unterhaltsam, bleibt der Film weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Da hilft auch der Nostalgiefaktor nicht.


