Return to Silent Hill [2026]

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6–9 Minuten
Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 27. Januar 2026
Genre: Horror / Fantasy / Drama

Originaltitel: Return to Silent Hill
Laufzeit: 106 min.
Produktionsland: Frankreich / Vereinigtes Königreich / Deutschland / Serbien / Japan / USA / Australien / Spanien
Produktionsjahr: 2025
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Christophe Gans
Musik: Akira Yamaoka
Besetzung: Jeremy Irvine, Hannah Emily Anderson, Evie Templeton, Nicola Alexis, Robert Strange, Pearse Egan, Eve Macklin, Emily Carding, Martine Richards, Howard Saddler, Matteo Pasquini, Melissa Graham, Lara Duru, Karya Duru, Giulia Pelagatti


Kurzinhalt:

Als James (Jeremy Irvine) nach dem wiederholten Anrufversuch seiner Therapeutin (Nicola Alexis) endlich abnimmt, kann sie bereits hören, dass er wieder getrunken hat. Aber der Alkohol kann den Schmerz nicht lange genug überdecken, oder die hämmernden Kopfschmerzen. Da scheint der Brief, den James in seiner Wohnung findet, wie ein Leuchtturm in einem Meer unendlicher Dunkelheit. Der Brief stammt von Mary (Hannah Emily Anderson), die ihn anfleht, zu ihr zu kommen, ihrem gemeinsamen Ort. James macht sich umgehend auf den Weg nach Silent Hill, wo er mit Mary gewohnt hat. Doch als er an der Ortsgrenze ankommt, bemerkt er bereits, dass irgendetwas nicht stimmt. Die mysteriöse Angela (Eve Macklin) ist eine der wenigen Personen, die er überhaupt in der nebelverhangenen Kleinstadt antrifft. Eine andere ist das Mädchen Laura (Evie Templeton). Es regnet Asche und immer wieder hört James Musik aus Lautsprechern klingen. Dann, als eine Sirene ertönt, verwandelt sich dieser düstere, trostlose Ort. Blutige Wände, Feuer überall und Monster erscheinen, die Jagd auf ihn machen. Aber koste es, was es wolle, ohne Mary wird James Silent Hill nicht verlassen …


Kritik:
Beinahe 20 Jahre nach dem ersten Teil inszeniert Filmemacher Christophe Gans mit Return to Silent Hill kein Sequel seines 2006 erschienen Vorgängers oder dessen direkter Fortsetzung Silent Hill: Revelation [2012]. Stattdessen ist dies ein Neubeginn des filmischen Franchise, basierend auf Konamis Videospiel Silent Hill 2 [2001]. Dessen Geschichte folgt das Fantasy-Horror-Drama allerdings zu verbissen und vergisst dabei, ein filmisches Universum zu erzeugen, das auch für sich genommen so viel Sinn ergibt, so dass sich das Publikum darin zurechtfinden kann. Schaurig ist es dennoch, wenn man weiß, worauf man sich einlässt.

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht des Malers James Sunderland, der – wie in storygetriebenen Videospielen nicht unüblich – das Geschehen aus dem Off kommentiert und so Einblick in seine Gedanken bietet. Zu Beginn begegnet er bei einer Bushaltestelle Mary Crane, die an sich gerade den Titel gebenden, an einem See gelegenen, beschaulichen Ort verlassen wollte. Es ist eine Erinnerung an glücklichere Zeiten, aus der James plötzlich herausgerissen wird. Inzwischen ist er allein und ertränkt sein Unglück im Alkohol. Da scheint ein Brief, der auf ihn in seiner Wohnung wartet, wie eine Verheißung. Er stammt von Mary, in dem sie meint, er solle zu ihr kommen. Aber als James entgegen des Rats seiner Therapeutin in Silent Hill eintrifft, ist dies nicht mehr der Ort, wie er ihn in Erinnerung hatte. Kaum eine Menschenseele trifft er an, die Sonne ist durch einen Ascheregen gar nicht zu sehen. Dann entdeckt James seltsame Kreaturen, die direkt einem Alptraum entsprungen sein könnten. All das tritt in den Hintergrund, als eine Sirene ertönt und sich die Stadt in einen Vorhof der Hölle verwandelt. Nur ohne Mary wird James den Ort in keinem Fall verlassen.

Die Themen, die Return to Silent Hill, wie auch die Vorlage, verarbeitet, sind so schwer wie bedrückend. Aber während dies vor 25 Jahren in Form eines Videospiels ein Novum gewesen sein mag, beschäftigen sich insbesondere Horrorfilme seit geraumer Zeit mit schwierigen Themen wie Missbrauch, Trauer oder Verlust. Dass es hierauf hinauslaufen wird, ist für ein aufmerksames Publikum früh absehbar. Die eigentliche Frage, die vielmehr im Raum steht, lautet, was all das mit den unterschiedlichen Welten zu tun hat, die James sieht und erlebt. Der Ort Silent Hill scheint in mehreren Ebenen zu existieren. Als ganz normale Stadt, als Zwischenwelt voller gefährlicher Kreaturen, einem ewigen Nebel und Asche, die vom Himmel regnet, sowie als alptraumhafte Szenerie, in der die Wände mit Blut getränkt sind, Monster überall lauern und sich der Schlund der Hölle auftut. Weshalb dem allerdings so ist, erkundet Regisseur Gans nicht und verpasst damit eine Chance, die die Videospielreihe ihm bieten würde. Seine Vertiefung des Hintergrunds der Stadt Silent Hill selbst beschränkt sich darauf, dass das Publikum etwas über Mary Crane und ihren Vater Joshua erfährt, der den Ort gegründet hat. In Bezug auf das, was Mary auch als Kind widerfahren ist, bleibt der Regisseur dabei so vage, dass man über die Verbrechen, die an ihr verübt wurden, überwiegend nur mutmaßen kann. Die Begründung, die er dafür findet, dass James einer anderen Person in Silent Hill begegnet, die wie Mary aussieht, ist dabei durchaus gelungen. Weshalb es aber zu jeder in einem Dialog gefallenen Erklärung eine visuelle Unterstützung braucht, damit auch die letzte Person im Kinosaal den Zusammenhang verstanden hat, verstehe wer will.

Eben die unheimliche Stimmung zu Beginn gelingt Christophe Gans durchaus, auch wenn schnell zu sehen ist, wenn James keine wirkliche Umgebung erkundet, sondern in einer digital erschaffenen Welt vor einer wackeligen Kamera vermeintlich um sein Leben rennt. Die Optik selbst wartet mit zahlreichen interessanten Perspektiven auf, die tatsächlich an Videospielvorlagen erinnern, und auch das Design jener Welt ist tadellos. Aber nicht nur, dass Return to Silent Hill dem Quellmaterial insofern treu bleibt, dass James die Stadt mit einer Lampe ausgestattet erkundet und der allergrößte Teil des Bildes damit im Dunkeln liegt, in den Momenten, in denen das Erzähltempo angezogen wird, gerät das Bild derart verwackelt, dass einem zusammen mit dem stets aufblitzenden Licht der Lampe durchaus mulmig werden kann. Tatsächlich gibt es einen Abschnitt mit wiederkehrenden Lichtblitzen, empfindliche Zuseherinnen und Zuseher sollten also vorsichtig sein. Über all das könnte man hinwegsehen und auch die Kreaturen oder Hintergründe verzeihen, die ganz offensichtlich dem Computer entstammen, wenn die Geschichte entsprechend mitnehmen würde. Doch die Verantwortlichen scheinen nicht willens oder in der Lage, eine packende Story vorzustellen.

Das liegt nicht notwendigerweise an der Geschichte selbst, sondern daran, wie sie erzählt ist. Die vielen Rückblicke machen es schwer, die Geschehnisse zeitlich vernünftig einzuordnen und reißen einen überdies aus dem an sich beklemmenden Moment. Auch wird sich ein Gelegenheitspublikum fragen, was es mit den Ereignissen in dem Ort Silent Hill überhaupt auf sich hat. Darüber schweigen sich die Verantwortlichen aber aus, während sich viele Situationen, in denen James durch die verwüstete Stadt stolpert, merklich wiederholen. Am Ende wartet Return to Silent Hill mit viel Symbolik auf und die letzten Geräusche kann man auf eine Weise interpretieren oder auf eine andere, wobei der tatsächliche Abschluss für Mary und James eigentlich überaus düster ist. Dem Publikum hier etwas mitzugeben, über das man diskutieren kann, ist eine gute Idee, aber wie Regisseur Christophe Gans diese Thematik aufgreift, wirkt so unbeholfen, dass man beinahe übersehen könnte, dass der eigentliche Horroraspekt am Ende kaum zum Tragen kommt. So ist es schwierig, für das Gezeigte überhaupt ein Publikum zu finden.


Fazit:
Sieht man sich die Produktionsgeschichte an, möchte man meinen, Christophe Gans’ Film stand unter keinem guten Stern. Nicht nur, dass er ursprünglich eine Fortsetzung für seinen ersten Teil drehen sollte, dieser Neubeginn der Reihe war vor beinahe zwei Jahren abgedreht und laut dem Regisseur vor einem Jahr fertiggestellt. Ein Hin und Her hinter den Kulissen verzögerte aber die Veröffentlichung.  Vielleicht, weil die Verantwortlichen selbst nicht wussten, was sie vor sich haben. Die Geschichte setzt in den ersten zwei Dritteln auf eine unheimliche Stimmung und einen unterschwelligen Horror mit lauten Geräuschen und plötzlichen Bewegungen im Dunkel der Szenerie. Das ist mitunter durchaus effektiv, aber kaum überraschend. In der letzten halben Stunde verpackt die Geschichte schließlich alle emotionalen Traumata der Figuren und gerät, wenn man es inhaltlich destilliert, geradezu hoffnungslos düster. Doch die Umsetzung scheint auf den ersten Blick wirr und unfokussiert mit Bezug zu einem Sektenkult und Missbrauch, die kaum zu den Qualen der Hauptfigur passen wollen. Dabei verbirgt sich in Return to Silent Hill keine uninteressante Geschichte und das Design dieser Welt ist so gelungen, wie die Videospieladaption der Vorlage in vielerlei Hinsicht treu bleibt, auch was die Erzählstruktur anbelangt. Da könnte man auch die offensichtlichen Trickeffekte durchaus verzeihen. Man würde sich nur wünschen, die Story wäre stringenter erzählt und würde dem Publikum mehr zutrauen, als es hier überwiegend der Fall ist. Dann wären auch Figuren möglich, mit denen man tatsächlich mitfiebert.  

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