Transformers: Aufstieg der Bestien [2023]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 6. Juni 2023
Genre: Action / Science Fiction

Originaltitel: Transformers: Rise of the Beasts
Laufzeit: 117 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2023
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Steven Caple Jr.
Musik: Jongnic Bontemps
Besetzung: Anthony Ramos, Dominique Fishback, Luna Lauren Vélez, Dean Scott Vazquez, Michael Kelly, Tobe Nwigwe
Originalstimmen: Peter Cullen, Pete Davidson, Liza Koshy, Cristo Fernández, John DiMaggio, Ron Perlman, Michelle Yeoh, David Sobolov, Tongayi Chirisa, Peter Dinklage, David Sobolov, Michaela Jaé Rodriguez, John DiMaggio, Colman Domingo


Kurzinhalt:

Vor tausenden von Jahren floh eine Gruppe der Transformers-Rasse Maximals unter großen Opfern von ihrem Heimatplaneten, um einen Transwarp-Schlüssel in Sicherheit zu bringen, mit dessen Hilfe der ganze Planeten verschlingende Transformer Unicron (Colman Domingo) durch Raum und Zeit hätte reisen können, um noch mehr Welten zu vernichten. Im Jahr 1994 entdeckt die Museumsmitarbeiterin Elena Wallace (Dominique Fishback) bei der Untersuchung eines Artefakts diesen Schlüssel, dessen Signal von den auf der Erde befindlichen Autobots um Optimus Prime (Peter Cullen) und Bumblebee aufgefangen wird. Mit dem Schlüssel könnten sie, nach Jahren auf der Erde, endlich zu ihrem Heimatplaneten Cybertron zurückkehren. Doch Unicrons Schergen, die Terrorcons unter der Führung des unbesiegbaren Scourge (Peter Dinklage), sind ebenfalls auf den Transwarp-Schlüssel aufmerksam geworden. So geraten Elena und der ehemalige Soldat Noah Diaz (Anthony Ramos), der, um Geld für die Behandlung seines Bruders Kris (Dean Scott Vazquez) zu bekommen, ein Auto stehlen wollte, das sich als Transformer Mirage (Pete Davidson) entpuppt, in einen Konflikt zwischen den Transformers. Da Unicron, sollten die Terrorcons den Schlüssel erhalten, als nächstes zur Erde kommen würde, steht das Schicksal der ganzen Welt auf dem Spiel …


Kritik:
Transformers: Aufstieg der Bestien ist ein Film, der spürbar auf dem Konzept aufbaut, das Filmemacher Michael Bay mit dem ersten Film vor mehr als 15 Jahren etablierte und durch das die Reihe zu einem solchen Erfolg wurde. Doch jenes Konzept nutzte sich seither derart stark ab, dass die letzten Filme der Reihe hinter den Erwartungen blieben. Löst sich Regisseur Steven Caple Jr. davon und rückt die Menschen ins Zentrum, funktioniert das besser. Am Ende fällt er aber in bekannte Muster zurück. Leider.

1994, sieben Jahre, nachdem die Transformers um Autobots Bumblebee und Optimus Prime auf der Erde angekommen sind, leben sie großteils unerkannt, als Autos und dergleichen getarnt, unter den Menschen. Bis die Archäologin Elena Wallace bei der Untersuchung eines Artefakts einen Transwarp-Schlüssel aktiviert, dessen Signal die Autobots wahrnehmen können. Für sie wäre der Schlüssel die Möglichkeit, nach Cybertron zurück zu kehren, wobei sich Optimus Prime schwere Vorwürfe macht, dass seine Gefährten so weit von ihrer Heimat auf der Erde gestrandet sind. Aber nicht nur die sie sind auf den Schlüssel aus, sondern auch die Terrorcons, dessen Anführer Scourge im Auftrag des Planeten vernichtenden Unicron unterwegs ist. Unicron wurde vor tausenden Jahren durch einen aufopfernden Einsatz der Transformers-Rasse der Maximals festgesetzt, die sich nicht in Autos, sondern in riesige tierähnliche Wesen verwandeln. Einige Maximals befinden sich seither auf der Erde und bewachen den Transwarp-Schlüssel, von dem Scourge bei einem nächtlichen Angriff auf Elenas Museum Besitz erlangt.

Das klingt für sich bereits genug Story für einen actionreichen Sommerfilm, dabei wurde eine zentrale Figur noch gar nicht erwähnt: Der durch den grundsympathischen Anthony Ramos verkörperte Noah Diaz. Um die medizinische Behandlung seines kleinen Bruders zu finanzieren, und nachdem er schon wieder einen Job nicht bekommen hat, entschließt sich der ehemalige Soldat, ein Auto zu stehlen. Doch handelt es sich dabei nicht um einen Porsche, sondern um den Transformer Mirage, der von Optimus Prime zu sich gerufen wird. So stolpert Noah in einen schwelenden Konflikt der unterschiedlichen Transformers und soll kurz danach mit Elena den Transwarp-Schlüssel finden, dessen Suche sie nach Peru führt. So kompliziert sich die Story anhört, so einfach ist sie im Grunde und auch die Rätsel, die Elena und Noah in Peru lösen müssen, um in einer uralten Tempelanlage einen Schatz zu finden, sind derart seicht, dass Indiana Jones sie lösen könnte, ohne überhaupt seinen Fedora-Hut aufsetzen zu müssen.

Doch gerade in Peru überrascht Transformers: Aufstieg der Bestien mit durchweg tollen Naturaufnahmen, wobei die durchweg gelungenen Trickeffekte im Dunkeln besser aussehen, im ersten Drittel zudem überzeugender, als im Rest des Films. Von Realismus mag man hier freilich nicht sprechen, von haushohen Robotern angefangen, die sich in Fahrzeuge verwandeln, Raketen und Munition verschießen können, bis hin zu haushohen Robotern, die sich in riesige Tiere verwandeln und ebenfalls Energiemunition verschießen können. Woher die Maximals überhaupt kommen, weshalb sie wie Tiere auf der Erde aussehen (sich einer im speziellen bewegt wie „King Kong“ im letzten gleichnamigen Spielfilm), ihr Heimatplanet aber offenbar doch am anderen Ende der Galaxis liegt, verstehe, wer will. Dasselbe gilt für die Frage, wie die Terrorcons die Erde so schnell finden konnten, wo sie doch eben keinen Transwarp-Schlüssel zur Verfügung haben.

Logik war noch die Stärke eines Transformers-Films und Aufstieg der Bestien ist hier keine Ausnahme. Was Filmemacher Caple Jr. jedoch gut gelingt, ist die Menschen wieder Teil der Geschichte werden zu lassen. Nach dem Auftakt dauert es erstaunlich lange, bis die ersten Autobots überhaupt auftauchen, was dafür sorgt, dass Elena und Noah, so reißbrettartig die Figuren auch gezeichnet sind, durchaus interessieren. Bedauerlich ist jedoch, dass sie weder eine wirkliche Entwicklung erfahren, noch ihre gegenteilige Ablehnung zu Beginn der Geschichte so etwas wie eine Dynamik einer ungleichen Buddy-Comedy verleiht. Dies verliert sich relativ schnell, ebenso wie das eingangs gut getroffene Zeitkolorit, das irgendwann keine Rolle mehr spielt und den Verantwortlichen in Anbetracht eines angedeuteten Crossovers mit einem anderen Hasbro-Franchise eher Schwierigkeiten bereiten dürfte, wollte man mit den Figuren weitermachen.

Weder aus der Story selbst, noch aus den neuen menschlichen Charakteren weiß Transformers: Aufstieg der Bestien viel zu machen, zumal sie in der zweiten Filmhälfte spürbar in den Hintergrund treten, und ergibt sich am Ende der Genrekonvention, dass es einen Kampf um die Zukunft des Planeten geben muss, der ebenso gut aus einem Computerspiel stammen könnte. Stellt man sich dem mit der richtigen Erwartungshaltung, ist das durchweg ordentlich in Szene gesetzt und entsprechend unterhaltsam. Nicht alles daran ist gelungen und auch die Musikauswahl wirkt stellenweise unpassend, doch die vielen Anspielungen werden Fans des Franchise erfreuen und die Geschichte, die auch in der diversen Besetzung die Lebenswirklichkeit merklich besser widerspiegelt, ist eine so willkommene wie überfällige Neuerung.


Fazit:
Wieder einmal steht das Schicksal der Welt auf dem Spiel und wieder einmal sehen sich die Heldinnen und Helden einem riesigen Konstrukt gegenüber. Diesmal trägt es den Namen Unicron und vernichtet ganze Planeten. Das klingt mehr als nur bekannt und wäre es nicht darum, dass Steven Caple Jr.s Film in den 90er-Jahren angesiedelt ist, könnte er auch mühelose eine ewig gleiche Fortsetzung der bisherigen Filme der Reihe darstellen. Als Neuerung gibt es nun Transformers, die wie Tiere aussehen, und was sich inhaltlich absurd anhört, ist am Ende auch genau das. Immerhin, die Bilder sind dabei durchaus beeindruckend und über weite Strecken nehmen die menschlichen Figuren erfreulich viel Platz ein. Leider ist das Finale so infernalisch überlang wie künstlich geraten, als stamme es direkt aus einem Marvel-Film, und selbst wenn die Hintergrundgeschichte der Transformers hier wieder erweitert wird, wirklich etwas Neues hat der inzwischen siebte Teil nicht zu erzählen. Inhaltlich ist das großer Blödsinn, aber lehnt man sich zurück und lässt sich mitnehmen, ist Transformers: Aufstieg der Bestien nie langweilige und spürbar aufwändige, laute Unterhaltung, ohne dass man nach- oder mitdenken müsste. Pures Popcornkino – und das ist nicht negativ gemeint.