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Nurse [2013]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 16. Februar 2014
Genre: Thriller / Horror

Originaltitel: Nurse
Laufzeit: 84 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: nicht unter 18 Jahren

Regie: Douglas Aarniokoski
Musik: Anton Sanko
Darsteller: Paz de la Huerta, Katrina Bowden, Corbin Bleu, Boris Kodjoe, Melanie Scrofano, Martin Donovan, Niecy Nash, Judd Nelson, Kathleen Turner, Adam Herschman, Jeff Pangman, Vanessa Lai Fox, Katia Peel


Kurzinhalt:
Nach ihrem Abschluss kommt die frischgebackene Krankenschwester Danni (Katrina Bowden) ans All Saints Memorial Krankenhaus. Dort wird die erfahrene Abby Russell (Paz de la Huerta) ihre Mentorin, die in Danni jedoch mehr sieht, als nur eine Kollegin. Was niemand ahnt: Nachts geht Abby auf die Jagd nach untreuen Ehemännern, um deren Familien von ihnen zu erlösen. Um Danni für sich zu gewinnen, schreckt Abby nicht davor zurück, sich deren treulosen Stiefvater Larry (Martin Donovan) vorzunehmen.
Als auch das nicht Dannis Zuneigung zu ihr weckt, sondern sie sich immer noch an ihren Freund Steve (Corbin Bleu) hält, greift Abby zu anderen Mitteln. Zumal der Polizist Rogan (Boris Kodjoe) bereits die Ermittlungen aufgenommen hat. Doch für ihn ergibt sich das Bild, als wäre Danni von Abby besessen – und die Beweise gegen sie nehmen zu ...


Kritik:
Douglas Aarniokoskis Nurse ist kein guter Film. Aber es wäre falsch, ihn dafür zur kritisieren. Vielmehr bringt er mit reichlich blutigen Momenten und viel nackter Haut alle Zutaten mit, die erwachsene Zuschauer aus dem B-Film-Genre gewohnt sind. Aber auch Trash ist nicht gleich Trash. Sieht man sich jedoch an, dass auf Grund der freizügigen Szenen von Hauptdarstellerin Paz de la Huerta gerade das testosteronbefeuerte Publikum angesprochen wird, das Hauptfigur Abby als mordende Krankenschwester so verachtet, spricht das für die Ironie des kurzweilig unterhaltsamen Thrillers.

Bereits die Texttafel im Vorfeld, laut der im Gesundheitswesen mehr Menschen sterben als irgendwo anders, stimmt einen auf das Setting ein. Und sieht man sich das Finale an, versteht man auch warum. Bereits der erste Anblick, den man von Abby Russell bekommt, verrät einem alles, was man über sie wissen sollte. In einem Outfit, das weniger verbirgt, als nicht, steht sie in einem Nachtclub, auf der Suche nach einem Mann. Dabei hält sie Ausschau nach den Verheirateten, die ihre Frauen betrügen, um sie anschließend zu ermorden. Zugegeben, sie gibt ihnen jeweils eine Chance, sich noch anders zu entscheiden, doch dank ihrer lasziven Gesten haben ihre Opfer für gewöhnlich keine Chance – sonst hätten sie den Ehering im Vorfeld ja gar nicht vom Finger abgezogen.

Ihre medizinische Ausbildung verleiht Abby dabei nicht nur umfassende Kenntnisse der menschlichen/männlichen Anatomie, sondern versorgt sie außerdem mit allerlei spitzen Gegenständen und Medikamenten, die ihr bei ihren nächtlichen Aktivitäten durchaus nützlich sind. Die eigentliche Geschichte dreht sich um sie und ihren neuen Protegé am "All Saints Memorial" Krankenhaus, Danni. Nicht nur, dass Abby von ihr besessen ist, sie sieht in ihr sogar das Potential zu einer Mitstreiterin. Umso mehr, da Danni ihren verhassten Stiefvater beim Seitensprung erwischt. Doch Danni hält sich an ihren Freund Steve, den Abby nicht ausstehen kann und so schreckt Abby auch nicht davor zurück, Danni unter Drogen zu setzen, oder zu schärferen Mitteln zu greifen, um Danni für sich zu gewinnen. Als dies fehlschlägt, macht Abby sich auf, die Polizei davon zu überzeugen, dass Danni von ihr besessen und die eigentliche Böse sei.

Trotz oder gerade auf Grund der platten Dialoge, der absehbaren Handlung oder der Tatsache, dass man genau weiß, in wessen Kofferraum das Mobiltelefon einer verschwundenen Abteilungsleiterin klingeln wird, besitzt Nurse, der in den USA als Nurse 3-D in den Kinos zu sehen war, seinen Reiz. Zumindest, wenn man sich für den trashigen Charme dieses Genres begeistern kann. Wie wenig ernst die Macher dabei die Situationen selbst nehmen, sieht man bereits daran, dass sämtliche Krankenschwestern (die für die Ärzte im Krankenhaus quasi zum Inventar gehören) ihren Dienst in Schuhen mit absurd hohen Keilabsätzen verrichten, stets einen kurzen Rock mit aufreizenden Strapsen tragen und man bei dem tiefen Ausschnitt kaum mehr auf das adrett getragene Hütchen achtet. Auf der anderen Seite ist das Krankenhaus selbst meist dunkel ausgeleuchtet und selbstverständlich entwickelt sich immer alles genau so, dass es in Abbys großen Plan passt, den sie aus dem Off bisweilen erläutert.

Damit führt der sexy Thriller gekonnt alle Klischees vor und das männliche Publikum gleich dazu, das angesichts der aufreizenden Szenen dem Todesengel Abby ebenso erliegen würde. Gerade darum ist es bedauerlich, dass der Film im letzten Drittel, in denen sowohl der Verbrauch an Kunstblut, wie auch das Tempo in den erfreulich kurzen 85 Minuten deutlich zunimmt, nicht mehr aus sich macht. Der Zweikampf zwischen Abby und Danni versandt recht schnell und statt einen deutlichen Abschluss zu finden, der einen zumindest hoffnungsvoll nach vorn blicken lässt, behalten sich die Macher alle Optionen für eine Fortsetzung offen. Auch das spricht für das B-Film-Genre, doch überzeugt schließlich die erste Stunde mehr als der Rest.


Fazit:
Entsprechend der allgemeinen Entwicklung sind auch hier die Effekte meist digitaler und nicht mechanischer Natur. Ob auch beim Erscheinungsbild der Hauptdarstellerin nachgeholfen wurde, wage ich jedoch nicht zu beurteilen. Zu Paz de la Huertas schauspielerische Darbietung: Sie spielt gekonnt mit allen Reizen und gibt die naive junge Frau ebenso mühelos, wie den blutlüsternen Vamp. Beide Extreme sind stark überspitzt, was ins Gesamtkonzept passt. Ob das jedoch so beabsichtigt war, oder nicht, ist schwer zu sagen.
Fans von hochwertig gemachten Trash-Filmen für Erwachsene (oder auch so genannten "guilty pleasures"), die weder durch die vielen rotgefärbten Bilder, noch durch die überaus freizügigen Szenen und bewusst körperbetonten Kostüme der Hauptdarstellerinnen abgeschreckt werden, kommen bei Nurse auf ihre Kosten. Alle anderen sollten mindestens einen Punkt von der Wertung abziehen. Dass hier das Zielpublikum in gewisser Weise vorgeführt wird, fügt sich in das Gesamtbild, das so amüsant ist wie die überraschend leichte Umsetzung. Würde dem Skript im letzten Drittel nicht die Luft ausgehen, wäre es vielleicht nicht nur ein guter B-, sondern womöglich schon ein mittelmäßiger A-Film.


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