Knowing [2009]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 07. April 2009
Genre: Science Fiction / Thriller / Drama

Originaltitel: Knowing
Laufzeit: 121 min.
Produktionsland: Australien
Produktionsjahr: 2009
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Alex Proyas
Musik: Marco Beltrami
Darsteller: Nicolas Cage, Chandler Canterbury, Rose Byrne, D.G. Maloney, Lara Robinson, Nadia Townsend, Alan Hopgood, Adrienne Pickering, Danielle Carter, Alethea McGrath


Kurzinhalt:
1959 sollten die Grundschüler Bilder davon malen, wie sie sich die Zukunft in 50 Jahren vorstellen. Diese wurden in einer Zeitkapsel eingeschlossen und 2009 wieder zu Tage gefördert. Die jetzigen Schüler, darunter auch Caleb Koestler (Chandler Canterbury), erhalten jeweils einen verschlossenen Brief aus der Zeitkapsel. Calebs enthält jedoch kein Bild, sondern ein Blatt voller Zahlen.
Sein Vater John (Nicolas Cage), ein MIT-Professor, der nach dem Unfalltod seiner Frau den Abend zu oft mit Alkohol beendet, nimmt sich die Zahlen vor, die zufällig zusammengeschrieben scheinen. Doch er entdeckt darin ein Muster, das präzise die Daten von Katastrophen und deren Opferanzahl enthält. Beginnend vom Tag, an dem der Brief geschrieben wurde, werden so Dutzende Ereignisse prophezeit.
So überprüft John das nächste Datum auf der Liste, und ist trotzdem nicht in der Lage, die Katastrophe zu verhindern. Aber während er Diana Wayland (Rose Byrne), die Tochter der Verfasserin jener Liste, aufsucht um Antworten zu erhalten, stellt sich die viel erschreckendere Frage, was geschieht, wenn das letzte Datum der Liste erreicht ist?


Kritik:
Was ist wohl frustrierender: Zu wissen, dass eine Katastrophe eintritt, oder nicht in der Lage sein, sie zu verhindern? Nicolas Cage Filmfigur John Koestler steht genau vor diesem Dilemma. Und das, zusätzlich zu der Tatsache, dass er ohnehin schon desillusioniert und bitter vor Trauer um seine verstorbene Ehefrau an der Welt verzweifelt ist und lediglich für seinen Sohn Caleb am Alltag festhält. Dem Alkohol zugewandt vergräbt sich der MIT-Professor vor der Welt und wendet sich gekonnt von all denjenigen ab, die ihm helfen wollen.
Soweit ist John auch eine nachvollziehbare Figur. Und er bemüht sich auch im Rest von Knowing, die Katastrophen, die noch kommen, zu verhindern. Nur ist es bei Regisseur Alex Proyas (Dark City [1998], I, Robot [2004]) Endzeitthriller, wie es immer ist in solchen Filmen. Niemand hört auf den Helden, bis es zu spät ist. Dabei gehen die drei Drehbuchautoren in der Tat einen Schritt weiter und belassen es nicht bei einzelnen Zwischenfällen, sondern stellen in Knowing das Ende der Welt in Aussicht. Nur wieso sollte man sich als Zuschauer für eine Geschichte und ihre Figuren interessieren, wenn sie ohnehin nichts gegen das Unausweichliche ausrichten können?
Wären die Dialoge geschliffen, die Szenen dramatisch und das Gezeigte so glaubhaft wie erschreckend, dann würde man vielleicht in manchen Charakteren in der Tat einen Bezugspunkt finden. Doch während die einzelnen Unfälle nie Personen betreffen, die man zuvor vorgestellt bekommen hat, und man somit lediglich als geschockter Betrachter, statt als Teil des Geschehens involviert ist, spielen sich die Dialoge zunehmend auf einem Niveau ab, dem man als Zuschauer nicht wirklich folgen kann. Die Figuren akzeptieren übersinnliche Elemente in einer Geschwindigkeit und mit einer Ernsthaftigkeit, mit der man selbst der Thematik nicht gegenübersteht. Abgesehen davon, dass der trauernde, alkoholisierte und doch brillante Vater, sowie der begabte und kluge, im Geist erwachsene, im Körper kindliche Sohn so sehr einer hollywoodschen Klischeeschublade entsprungen sind, dass man die meisten Dialoge zwischen den beiden schon vorhersagen kann.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Darsteller durch die Bank nicht halten können, was von ihnen erwartet wird. Sei es Nicolas Cage, der seit seinem Oscar für Leaving Las Vegas [1995] in den meisten Filmen mit einem einzigen Gesichtsausdruck vor der Kamera steht, oder Chandler Canterbury, der von den subtilen und gleichzeitig Furcht einflößenden Leistungen eines Haley Joel Osment (The Sixth Sense [1999]) meilenweit entfernt ist. Selbst Rose Byrne scheint in zunehmendem Maße Schwierigkeiten damit gehabt zu haben, die Dialoge und die Story glaubhaft vor der Kamera verkörpern zu können.
Wer mit routinierten Leistungen rechnet, wird seine Erwartungen erfüllt sehen, doch wird einem nie das Gefühl vermittelt, als würde man Figuren aus Fleisch und Blut vor sich sehen. Dafür ist ihr Verhalten zu vorhersehbar, ihre Mimik und Gestik zu einstudiert.
Wer allerdings der Meinung ist, er wisse, was ihn erwartet, dem sei an dieser Stelle versichert, dass man sich nach den ersten 60 Minuten nicht ausmalen kann, was die Autoren aus der wirklich beunruhigenden und auch solide dargebrachten Prämisse zu entwickeln gedenken. Der große Storykniff versucht religiöse und Science Fiction-lastige Elemente miteinander zu verbinden und dem Zuschauer die Interpretation am Schluss dennoch offen zu lassen. Doch wirkt das nicht nur konstruiert, sondern so weit weg von der realistischen Beschreibungen der Katastrophen und ihrer Ursachen im Vorfeld, dass man als Zuseher allein aus Schock heraus nicht wirklich lachen kann, obwohl einem vielleicht so zumute wäre. Die klischeehafte und rührselige Umsetzung des Ganzen ist dann lediglich als Sahnehäubchen zu verstehen.

Was insofern an Knowing am meisten enttäuscht, ist allein schon die pure Idee, eine Ausgangslage auf diese Weise aufzulösen. Als wären die Autoren nicht bereit gewesen, einen unwiderruflichen Schlussstrich zu ziehen, sondern der Hoffnung auf eine bessere Zukunft ein Hintertürchen offen zu lassen. Lässt die Tatsache, dass das Ende von Knowing also überwiegend einhellig als missraten aufgefasst wird, darauf schließen, dass wir heute nicht mehr in der Lage sind, Hoffnung zu akzeptieren?
Dies zu bejahen wäre sicherlich falsch, denn die Hoffnung ist es, was viele Menschen jeden Morgen den Tag beginnen lässt. Doch wie bei Alex Proyas jüngstem Film, diese Hoffnung für eine bestimmte Gruppe Menschen zu reservieren und allen anderen vorzuenthalten, ist frustrierend und auch ungerecht.
Doch hat dieses Filmelement auch sein Gutes. Man übersieht darum bereitwillig, mit welcher Bedeutungslosigkeit Proyas seinen Studio-Film inszeniert. Stand der ehemalige Videoclipfilmer bislang für choreographierte Einstellungen, aussagekräftige und hintersinnige Perspektiven und eine Optik, die einem als Zuseher den Atem nahm, gibt sich Knowing wie eine mittelmäßig produzierte Standardkost, bei der allenfalls der gezeigte Flugzeugabsturz heraussteht. Dieser ist exzellent gefilmt und ebenso erschreckend realistisch gemacht. Doch davon abgesehen zeichnet den Thriller weder ein überragendes Handwerk, noch außergewöhnlich gute Spezialeffekte, noch gute Darsteller, oder eine durchweg gut umgesetzte Geschichte aus. Selbst die musikalische Untermalung scheint wie eine Wiederholung von Marco Beltramis letzten Scores. Vielmehr bewegt sich die lang erwartete Produktion auf der gesamten Linie auf Mittelmaß – und das ist vielleicht die größte Überraschung. Und Enttäuschung.


Fazit:
Bleibt die Frage, was für den Zuschauer deprimierender ist: Zuzusehen, wie eine bedrückende, beängstigende Atmosphäre in der ersten Filmhälfte aufgebaut wird, oder zusehen zu müssen, wie diese in der zweiten Hälfte durch eine völlig abstruse Storywendung wieder zerstört wird?
Alex Proyas Werk enttäuscht nach den hohen Erwartungen an die Beteiligten durch viele Elemente. Wer sich die interessante Prämisse in guter Erinnerung behalten will, sollte nach der Auflösung von "EE" lieber wegsehen. Denn aus der Ausgangslage in Knowing hätte man einen kompromisslosen Endzeitthriller gestalten können, der aus der Sicht einer Familie das Ende der Welt aufzeigt. Stattdessen vermischen die Autoren religiöse und SciFi-Elemente und kombinieren dies mit einem realistischen Auftakt. Doch berauben sie sich damit jeglicher Glaubwürdigkeit. Dass die Darsteller, allen voran Nicolas Cage, mit einer zur Ernsthaftigkeit verkrampften Mine durch die Kulissen stapfen, macht die Story nicht erträglicher. Und auch die solide, aber einfallslose Inszenierung sowie die offensichtlichen Spezialeffekte tragen ihren Teil dazu bei, dass Knowing nach der Hälfte für Kopfschütteln, statt für Staunen sorgt.