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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 12. Februar 2026
Originaltitel: GOAT
Laufzeit: 100 min.
Produktionsland: USA / Brasilien / Japan / Singapur
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren
Regie: Tyree Dillihay, Adam Rosette
Musik: Kris Bowers
Stimmen: Caleb McLaughlin, Gabrielle Union, Stephen Curry, Nicola Coughlan, Nick Kroll, David Harbour, Jenifer Lewis, Aaron Pierre, Patton Oswalt, Eduardo Franco, Sherry Cola, Jennifer Hudson, Wayne Knight
Kurzinhalt:
Seit Kindertagen träumt der junge Ziegenbock Will (Caleb McLaughlin) davon, ein professioneller Roarballspieler zu werden. Wie sein Idol, die schwarze Pantherdame Jett Fillmore (Gabrielle Union), strebt Will nach dem Title des größten Spielers aller Zeiten [im Englischen abgekürzt G.O.A.T.]. Doch der Sport ist anspruchsvoll und wird meist von größeren und stärkeren Tieren gespielt. Noch nie war eine Ziege Teil eines Teams. Bis Will von Florence Everson (Jenifer Lewis), Besitzerin der Vineland Thorns, Jetts Mannschaft, ins Team aufgenommen wird. Die Thorns haben diese Saison noch kein Spiel gewonnen und Jetts Karriere hat ihren Zenit überschritten. Dass sie noch nie den Roarball-Pokal gewonnen hat, möchte sie in ihrer vielleicht letzten Saison endlich nachholen und da kommt ihr eine kleine Ziege gar nicht recht. Auch die übrige Mannschaft ist nicht angetan, dass Will sie unterstützen soll. Dabei verfolgt Florence ganz andere Pläne, bis das Team dank Will tatsächlich Spiele gewinnt …
Kritik:
Der Animationsfilm G.O.A.T.: Bock auf große Sprünge kombiniert die Grundidee von Zoomania [2016] mit klassischen Sportfilmen in der Art, dass hier anthropomorphe Tiere in einer großen Welt gemeinsam leben und moderne Technik nutzen, während die Geschichte des jungen Ziegenbocks Will erzählt wird, der in der Profisportart Roarball der größte Spieler aller Zeiten werden will. Das klingt von der Ausgangslage her nicht uninteressant, stellt aber in der Umsetzung nicht nur das Design über den Inhalt, sondern ein grobes Konzept über irgendeine ausgereifte Idee. Das Ergebnis ist bunt und temporeich, ohne Ziel oder Substanz.
Diese Unausgegorenheit zieht sich durch die gesamte Produktion und beginnt bereits bei der Story. In deren Zentrum steht Will, ein junger Ziegenbock, der schon als kleiner Junge von der erfolgreichsten Roarballspielerin, der schwarzen Pantherdame Jett Fillmore, fasziniert ist. Damals schwor er seiner Mutter, dass er irgendwann so werden würde, wie Jett. Aber Roarball ist ein gefährlicher, schneller und harter Sport, ähnlich wie Basketball. Nur große Tiere können darin bestehen und eine Ziege war noch nie Teil eines Teams. Zehn Jahre später spielt Jett immer noch für ihre und Wills Heimatmannschaft, die Vineland Thorns. Aber obwohl sie weiterhin die erfolgreichste Spielerin aller Zeiten ist, hat sie noch nie den Pokal gewonnen und die Thorns jedes Spiel der aktuellen Saison verloren. Ihnen fehlt eine sechste Person im Team und als dessen Besitzerin Florence Everson ein Video von Will sieht, das viral gegangen ist, nimmt sie ihn unter Vertrag. Aber nicht nur, dass er anfangs gar nicht zum Einsatz kommt, Jett fürchtet, ersetzt zu werden, bevor sie sich ein Denkmal setzen kann. Dabei ahnen sie nicht, dass Florence ganz eigene Pläne verfolgt.
Die Story klingt, als wäre sie im Genre der Sportdramen bereits unzählige Male erzählt worden. Allein schon deshalb, weil dem auch so ist. Ein Neuling, an den niemand glaubt, der sein Idol trifft, nur um zu erkennen, dass dieses Licht und Schatten vereint, während die Profispielerin spürt, dass sich ihre Zeit im Rampenlicht dem Ende neigt, während das Team auch ohne sie Erfolge feiert. Frisch wirkt das im Grunde nur deshalb, da es sich hier um eine animierte Geschichte handelt, in der das Team aus einem Panther, einer Ziege, einem Strauß, einem Komodowaran, einem Rhinozeros und einer Giraffe besteht, die von einem Nasenaffen trainiert werden. Auch der Look hilft dabei und erinnert mit den etwas hakeligen Bewegungen der comicartigen Figuren vor beinahe groben Hintergründen, die stellenweise an Aquarellzeichnungen erinnern, nicht von ungefähr an Filme wie Spider-Man: A New Universe [2018] (gleiches Animationsstudio), Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch [2022] oder Die Gangster Gang [2022]. Aber je länger man sich dies ansieht, umso stärker fällt auf, dass auch dem farbenfrohen Aussehen ein durchgehendes Konzept fehlt. Angefangen von der ruckeligen Animation der Figuren, die wirkt, als wären sie mit weniger als 24 Bildern pro Sekunde zum Leben erweckt. In manchen Augenblicken allerdings, nicht in den temporeichen wohlgemerkt, sind die Bewegungen ganz flüssig, ohne dass ein Muster erkennbar wäre, wann sich die Verantwortlichen dafür entschieden haben. Während in Zoomania das Design jener Welt unterstreicht, dass ein Zusammenleben unterschiedlichster Tiere möglich ist, ein Ausdruck dessen, was Inklusion eigentlich bedeutet, bekommt man hier keinen wirklichen Eindruck der verschiedenen Ansprüche der unterschiedlichen Tiere.
Vineland ist zwar überwachsen, erinnert aber an eine große Stadt, selbst wenn manche Straßen von ganz kleinen Tieren in ihren Autos befahren werden. Allenfalls die unterschiedlichen Stadien, in denen das Team spielt, könnten verkörpern, welche Klimazonen in der Welt von G.O.A.T. noch vorhanden sind. Einmal ist es bitterkalt, an einem anderen Ort fließt Magma aus dem Boden … aber weder wird klar, wann sich die Umgebung im Stadtion wie verändert, noch was das mit den Tieren zu tun haben soll, gegen die sie spielen. Ein andalusisches Pferd verbindet man zumindest nicht von Haus aus mit einem aktiven Vulkan. Mit den bunten Farben und den temporeich umgesetzten Spielen lenken die Regisseure Tyree Dillihay und Adam Rosette zumindest davon ab, dass sie die Regeln von Roarball nie erklären. Es sieht aus wie Basketball und gibt ähnlich viele Punkte pro Wurf, aber die riesigen, teils interaktiven Spielfelder und die körperbetonte Herangehensweise der spielenden Tiere ergeben nicht erst bei genauerem Hinsehen keinen wirklichen Sinn. Konzentrieren sich Sportfilme meist auf entscheidende Momente der vorgestellten Spiele, gibt es hier keinen wirklichen Spielzug zu sehen, bei dem man eine Übersicht hätte, wo sich welche Mannschaft befindet. Die teils frenetische Umsetzung macht jede Orientierung zunichte und dass mitunter mit Füßen, dann mit Händen oder dem Kopf gespielt wird, macht es nicht nachvollziehbarer.
Da fällt gar nicht auf, dass Will nicht vollkommen erschlagen ist, seine Heldin endlich persönlich zu treffen, sondern bei ihrer ersten Begegnung mit einer Selbstsicherheit und ein Überzeugung auftritt, dass eben die Enttäuschung, das eigene Idol in einem schwachen Moment zu sehen, vollkommen ausgespart wird. Dafür will G.O.A.T.: Bock auf große Sprünge zumindest in der deutschen Synchronfassung geradezu verkrampft mit aktueller Jugendsprache punkten, bei der zumindest ältere Zuseherinnen und Zuseher nur ungläubig dreinblicken werden. „Das crazy“ und „fett chillen“ sind hier noch die normalsten Wortwechsel und die sind überaus selten. Auch gibt es viele Begrifflichkeit, die sich auf die jeweiligen Tiere beziehen, was auch nur leidlich unterhält. Immerhin, trotz des Animationsstils verwenden die Regisseure viel Zeit darauf, Werbung zu platzieren. Von Sportmarken und bekannten Autos über Sony-eigene Elektronikprodukte ist alles vertreten. Insofern fängt der Film das Wesen des modernen Profisports durchaus gelungen ein. Man kann auch nicht behaupten, dass die Geschichte des Außenseiters, der sich gegen jede Chance behauptet, nicht ihre guten Momente hätte und dass am Ende das Team im Mittelpunkt steht, ist eine schöne Idee. Aber die verschiedenen Stärken der unterschiedlichen Tiere kommen kaum zur Geltung und nicht einmal das Design der Welt, geschweige denn der Animation wirkt durchdacht. Einem ganz jungen Publikum mag das nicht auffallen, ob das aber von der Story wirklich mitgerissen wird, steht auf einem anderen Blatt.
Fazit:
Ein paar Mal kommen die jeweiligen Charaktereigenschaften der unterschiedlichen Tiere im Team zur Geltung. Dass ihrer aller Eigenschaften für den Sieg notwendig wären, sieht man aber nicht. Überhaupt scheinen die Spiele kein entscheidender Bestandteil der Story zu sein, sonst würden die Verantwortlichen mehr zeigen, als ein paar temporeich animierte Hopsereien. Auch der Konflikt des Profis und des Neulings wird nur sporadisch aufgegriffen. Dass inhaltlich kein Thema wirklich im Fokus steht, spiegelt sich auch in den Konflikten wider, die nach jeweils ein paar Minuten wieder aufgelöst werden. Die teils schwindelerregend flotte Umsetzung mag dafür sorgen, dass ein aufmerksamkeitsschwaches Publikum eher gebannt zusieht, aber emotional nimmt die Story zu keinem Moment mit und bleibt nicht im Gedächtnis. Allenfalls der Humor mag junge Zuseherinnen und Zuseher unterhalten. Aber ohne, dass die vorgestellte Welt ein in sich stimmiges Bild ergibt, oder der uneinheitliche Look einladen würde, sich in dieser Welt zu verlieren, gibt es in G.O.A.T.: Bock auf große Sprünge kaum etwas, das die Erzählung von anderen Animationsfilmen abheben würde. Am wenigsten die austauschbaren Figuren. Die Botschaft, dass das Team stärker ist, als die einzelnen Spielerinnen und Spieler, ist ebenso gut wie dass auch die „kleinsten“ in der Gesellschaft Großes erreichen können, wenn sie mit Leidenschaft und Fleiß bei der Sache sind. Nur hat man das, wie auch die mahnenden Kommentare über die Sozialen Medien, schon unzählige Male gesehen. Meist allerdings besser als hier. So interessant das Konzept, über das Stadium wächst der Inhalt nie hinaus.


