Für immer ein Teil von dir – Reminders of Him [2026]

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5–8 Minuten
Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 27. Februar 2026
Genre: Liebesfilm / Drama

Originaltitel: Reminders of Him
Laufzeit: 114 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Vanessa Caswill
Musik: Tom Howe
Besetzung: Maika Monroe, Tyriq Withers, Rudy Pankow, Lauren Graham, Bradley Whitford, Monika Myers, Zoe Kosovic, Jennifer Robertson, Lainey Wilson, Hilary Jardine, Nicholas Duvernay


Kurzinhalt:

Nach sieben Jahren, in denen Kenna Rowan (Maika Monroe) im Gefängnis saß, kehrt sie in ihre Heimatstadt zurück. Sie mag den wichtigsten Menschen in ihrem Leben zuvor verloren haben, Scotty (Rudy Pankow), aber an jenem Ort befindet sich immer noch das Einzige, was ihr etwas bedeutet. Nach dem Gefängnisaufenthalt wieder Fuß zu fassen, ist nicht einfach und vor allem bei Scottys Eltern Grace (Lauren Graham) und Patrick (Bradley Whitford) sind die Wunden des Verlusts ihres Sohnes nicht verheilt. Da trifft Kenna auf Scottys besten Freund Ledger Ward (Tyriq Withers). Der ehemalige Sportler führt inzwischen eine Bar im Ort und erkennt Kenna anfangs nicht, haben sie sich doch nie getroffen. Trotz aller Widrigkeiten kommen sie sich näher. Aber zwischen ihnen steht nicht nur, was mit Scotty geschehen ist, sondern auch, was beide drohen zu verlieren, wenn Grace und Patrick von ihnen erfahren würden …


Kritik:
Basierend auf dem gleichnamigen, im Jahr 2022 erschienenen Roman von Colleen Hoover erzählt Filmemacherin Vanessa Caswill in Für immer ein Teil von dir – Reminders of Him im Grunde eine Geschichte mit komplexen Themen und Figuren, die von tiefgehenden Konflikten zerrissen sind. Doch statt als Drama in diese Themen einzutauchen, machen es sich die Verantwortlichen merklich einfach. Mit sichtbar guten Absichten erzählt, ist das insgesamt immerhin besser gelungen, als gedacht.

Begleitet wird die Geschichte von Kenna Rowan selbst, die gerade erst aus dem Gefängnis entlassen wurde, mit Kommentaren aus dem Off. Sie kehrt in den kleinen Ort in Wyoming zurück, wo das Unglück seiner Zeit seinen Lauf nahm. Noch bevor sie sich ein Apartment in der Paradise-Siedlung mietet, nimmt sie ein Unfallkreuz mit, das am Straßenrand angebracht ist. Es war für Scotty Landry aufgestellt worden, ihren Freund, für dessen Tod Kenna verantwortlich ist. Sie ist zurückgekehrt, um der einen Person nahe sein zu können, die ihr auf der Welt noch geblieben ist. Scottys Eltern, die immer noch vor Ort leben, sind nach sieben Jahren, in denen Kenna weggesperrt war, endlich an dem Punkt angekommen, dass sie nach vorn schauen können. Sie haben ein Bild von Kenna im Kopf, das sich auf Ledger Ward, Scottys besten Freund, den Kenna nie kennengelernt hat, übertragen hat. Aber als der erfährt, wer Kenna wirklich ist, entdeckt er in ihr nach anfänglicher Ablehnung eine Frau, deren Leben durch das, was geschehen ist, gleichermaßen aus der Bahn geworfen wurde. Nicht nur, dass Kenna mit ihrer Rückkehr Wunden wieder aufreißt, die nie verheilt sind, sie und Ledger kommen sich näher, als beide es mit ihrem Gewissen eigentlich vereinbaren können.

Die Idee einer verbotenen Liebesgeschichte von zwei Menschen, die ein gemeinsamer Verlust gleichermaßen eint wie trennt, wurde schon unzählige Male erzählt. Alles an diesem Ort erinnert Kenna an Scotty, den sie aufrichtig geliebt hat. Man fragt sich also, warum sie unbedingt dorthin zurückkehren möchte. In Für immer ein Teil von dir wird dies durch einen Aspekt in der Geschichte komplexer gestaltet, der an dieser Stelle nicht verraten sein soll und wer sich die Überraschung erhalten möchte, sollte auch einen Bogen um die Filmvorschau machen. Die Ausgangslage erhält dadurch mehr Konfliktpotential als ohnehin schon, es verleiht Kenna als Figur aber auch eine gewisse Tiefe, die sie erdet. Für Ledger ist sie die traurigste Person, die er je gesehen hat. Dass sie beide, als das Geheimnis gelüftet wird, wer Kenna ist, aus Wut und Enttäuschung kaum miteinander sprechen können, geschweige denn sich in die Augen sehen, verleiht den Figuren eine ungewohnte Dynamik. Es überrascht zwar nicht, dass die recht rasch wieder aufgelöst wird, aber wie aus den beiden ein Paar werden soll, fragt man sich zumindest stellenweise doch. Es dauert lange, ehe sie überhaupt offen miteinander sprechen und ihr Wechselbad der Gefühle ist überraschend vielschichtig umgesetzt.

Wirkt das erste Drittel der Erzählung hier länger, als erforderlich, verleiht Filmemacherin Caswill dem Mittelteil eine durchaus gefühlvolle Stimmung, die insbesondere davon lebt, dass sie einen Eindruck dessen vermittelt, was Kenna in den sieben Jahren hat durchmachen müssen und was sie trotz des nie verwundenen Verlustes bewogen hat, dorthin zurück zu kehren. In zahlreichen Rückblenden, die immer dann eingestreut werden, wenn sich Figuren an entscheidende Details erinnern, erzeugt sie zumindest in groben Zügen ein Bild des Glücks, das Kenna bei Scotty gefunden hatte oder wie Ledger auf die Zeit mit seinem besten Freund zurückblickt. Ein Thema, das Für immer ein Teil von dir aber merklich ausklammert, ist die Trauer selbst. Die kommt zwar bei Kenna zum Ausdruck, wenn sie in ein Notizbuch Briefe an Scotty schreibt, wie es Scottys Eltern ergangen sein muss, wie sie der Verlust immer noch trifft, von Ledger ganz zu schweigen, kommt hingegen gar nicht zur Geltung. Nicht nur hier macht es sich das Liebesdrama merklich zu einfach, sondern auch in Bezug darauf, wie es Kenna gelingt, nach der Zeit im Gefängnis trotz ihrer Vorstrafe wieder Fuß im Leben zu fassen.

Es ist nicht, dass Für immer ein Teil von dir diese Aspekte nicht ansprechen will. Aber sieht man, wie die stets perfekt gestylten Figuren in einer ideal romantisierenden, im warmen Gegenlicht ausgeleuchteten Szenerie von ihren Gefühlen sprechen, wirkt all das so konstruiert künstlich wie geradezu seicht oberflächlich. Unterstrichen wird das auch dadurch, dass kein einziger Konflikt tatsächlich ausgetragen wird. Zwar geraten die Figuren mitunter aneinander, aber eine Szene weiter wird der anderen Partei nur etwas zum Lesen übergeben und darauf hin sind alle persönlichen Diskrepanzen aufgelöst. Eine solch verklärende Herangehensweise findet man nicht einmal in Seifenopern, in denen Konflikte meist über lange Zeit bestehen bleiben. Vanessa Caswills Erzählung dafür zu kritisieren, scheint aber schlicht zu weit zu gehen. Reminders of Him erhebt nie den Anspruch, ein realistisch packendes Drama schildern zu wollen. Mit zeitgenössischen, oftmals melancholischen Songs unterlegt und Bildern einer wunderschönen kanadischen Landschaft veredelt, will der Film Liebesgeschichte und Drama vereinen, leicht zugänglich und in manchen Momenten berührend umgesetzt. Wer sich darauf einstellt und wichtiger noch, darauf aus ist, wird genau das finden.


Fazit:
Nach der durchweg oberflächlichen und teils unfreiwillig komischen Verfilmung von Colleen Hoovers All das Ungesagte zwischen uns – Regretting You [2025] sowie dem uneinheitlichen Nur noch ein einziges Mal [2024] gelingt Filmemacherin Vanessa Caswill eine merklich ausgewogenere Erzählung, die sich stärker auf die Figuren als die Darbietungen verlässt. Die Geschichte um eine Frau, die nicht nur sieben Jahre ihres Lebens, sondern vor allem die wichtigsten Menschen darin verloren hat, fängt im zweiten Drittel überraschend greifbar ein, wie es Kenna ergangen sein muss und weshalb sie sich nun bewusst einer Situation stellt, die es für alle Beteiligten zumindest im ersten Schritt nur schlimmer machen kann. Zu sehen, wie sie und Ledger sich nach der anfänglichen Ablehnung annähern, ist ebenso tadellos umgesetzt, wie die Optik insgesamt, die auf makellose anstatt natürliche Bilder setzt. Dass die Geschichte Konflikte nur aufreißt, anstatt sie auch auszuhalten, ist ebenso eine verpasste Chance, wie dass das Thema der Trauer der Hinterbliebenen kaum ergründet wird. Und unbestritten, dass in manchen Momenten viele Informationen auf einmal platziert werden, lässt die Erzählung gerade dann, wenn sich Ledger und Kenna besser verstehen, merklich auf der Stelle treten. Aber obwohl die letzten 15 Minuten, in denen die Geschichte im Eiltempo aufgelöst wird, nur unterstreichen, wie einfach es sich die Verantwortlichen in vielerlei Hinsicht machen, Für immer ein Teil von dir – Reminders of Him hat sichtbar gute Absichten und für ein Publikum in der richtigen Stimmung ist die Achterbahnfahrt der Gefühle ergreifend umgesetzt. Das ist am Ende alles, was zählt.
 

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