|
Kritik von Lars Adrian |
Hinzugefügt am 6. Januar 2026
Laufzeit: 100 min.
Produktionsland: Österreich
Produktionsjahr: 2023
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren
Regie: Oliver Jungwirth
Musik: Christian Grill
Besetzung: Alexander Knaipp, Michael Kuttnig, Stefanie Altenhofer, Irene Kammerer, Oliver Jungwirth, Carola Gietl, Daniela Kaltseis, Lisa Eferdinger, Ferry Öllinger, Daniela Rebhan, Raphael Kaltenecker, Harald Kliemstein
Kurzinhalt:
Edwin Ecker (Michael Kuttnig) könnte als Immobilienmakler zufrieden sein, wären da nicht seine Frau Sabrina (Stefanie Altenhofer), die mit der Ehe unglücklich ist und ihren Kummer regelmäßig in Alkohol ertränkt, und sein Bruder Konstantin (Oliver Jungwirth), dem nach Jahren des sorglosen Müßiggangs, in denen er Edwin immer wieder um Geld angepumpt hat, nichts Besseres einfällt, als sein erfolgreiches, aber nicht immer gesetzeskonformes „Bruderherz“ um eine große Summe Startkapital zu erpressen, um ein völlig neues Leben zu beginnen. Damit nicht genug, fordert er Edwin auch noch auf, sich scheiden zu lassen, damit Konstantin seine alte Liebe Sabrina für sich zurückgewinnen kann.
In einem ausgeklügelten Plan entledigt sich Edwin seines Bruders und wähnt sich dank eines vermeintlich perfekten Alibis in Sicherheit, zumal der mit der Aufklärung des Mordes befasste Inspektor Falkner (Alexander Knaipp) arg zerstreut wirkt.
Doch Falkners Marotten haben Methode und seine nervtötende Hartnäckigkeit zermürben Zug um Zug Eckers aufgesetzt gelassene Fassade.
Kritik:
Während sich ein klassisch konstruierter Krimi mit der Frage beschäftigt, wer ein Verbrechen begangen hat, und das Publikum an der Suche beteiligt und zum Miträtseln einlädt, zäumt Falkner und die Liebe eines Lebens das sprichwörtliche Pferd von hinten auf. Der Täter ist von Anfang an bekannt und der Zuschauer darf ihn bei der Planung und Durchführung des Mordes beobachten.
Der ermittelnde Polizist betritt das Geschehen erst nach über einer halben Stunde – also nach knapp einem Drittel des Films. Der Reiz der Geschichte besteht darin, wie der Inspektor die Puzzleteile zusammensetzt, um den Mörder zu überführen, und ob das Publikum möglicherweise entscheidende Fehler des Täters schon vorab erkannt hat. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich Spannung noch am ehesten aus den Dialogen zwischen Mörder und Ermittler ergibt, welche auch Raum für humorvolle Momente lassen.
Der bekannteste Vertreter des Genres des umgekehrten Krimis ist zweifellos der von Peter Falk unvergleichlich verkörperte Lieutenant Columbo, der von 1968 bis 2003 in insgesamt 69 Fernsehfilmen ermittelte und sich auch im deutschsprachigen Raum seit Jahrzehnten großer Beliebtheit erfreut.
Filmemacher Oliver Jungwirth, der für Drehbuch, Kamera, Schnitt, Regie und Produktion verantwortlich zeichnet und zusätzlich die Rolle des erpresserischen Konstantin übernommen hat, macht kein Geheimnis daraus, dass Falkner und die Liebe eines Lebens als Hommage an den schrulligen Inspektor Columbo entwickelt wurde.
Schon der Name der titelgebenden Hauptfigur zollt dem berühmten Darsteller Peter Falk liebevoll Respekt. Dazu gesellen sich das für einen Polizisten ungewöhnliche Fahrzeug (Fiat 500), der ganz unzeitgemäß einen grauen Trenchcoat trägt, Zigarren rauchen darf und in seiner Gestik die Manierismen des großen Vorbilds widerspiegelt. Die vertrauten „Eine Frage hätte ich noch“-Situationen sorgen ein ums andere Mal für komödiantische Momente und Schmunzeln. Es verwundert einen fast, dass Inspektor Falkner nicht auch einen Basset mit sich herumkutschiert, den er „Hund“ nennt.
Man sieht dem Film natürlich an, dass er mit einem minimalen Budget (laut IMDb lediglich geschätzte 3.000 EUR) und in erster Linie als Herzensprojekt verwirklicht wurde.
So gibt es verhältnismäßig wenige Kameraeinstellungen und Schnitte. Es wird augenscheinlich stets auf natürliche Beleuchtung zurückgegriffen, und die zugebenermaßen seltenen Kameraschwenks sind vermutlich aufgrund nicht vorhandener Profiausrüstung etwas unruhig. An ein paar wenigen Stellen ist auch die Tonabmischung nicht immer ausgewogen und die Hintergrundgeräusche drängen sich zu sehr nach vorne.
Dies mindert den eigentlichen Spaß an der Geschichte allerdings nicht.
Wenngleich es manchen Dialogen an Natürlichkeit fehlt und sie von den Darstellern eher rezitiert als gefühlt wirken, setzen sowohl Michael Kuttnig, als auch Alexander Knaipp klare Statements. Ihrer Spielfreude ist es zu verdanken, dass man sich ein ums andere Mal die persönliche Frage stellt, ob Edwin Ecker nun davon kommen, oder Falkner den Fall aufklären sollte.
Es ist beeindruckend, wie selbstbewusst Jungwirth die eigentliche Tat und die Fabrikation des Alibis konstruiert, ohne dass dies für den Zuschauer bis ins letzte Detail hinein erklärt wird. Er vertraut auf die Kombinationsgabe des Publikums, welches heutzutage allzu häufig unterschätzt wird.
Die durchweg stimmige Musik von Christian Grill verleiht einigen Szenen die gebotene Lockerheit, doch gerade Falkners/Knaipps betroffenes Innehalten in Schlüsselmomenten verdeutlicht, dass es trotzdem um Menschen geht, deren Schicksal dem Autor am Herzen liegt.
Die Dreharbeiten fanden in der Marktgemeinde Haag am Hausruck in Oberösterreich statt. Die Besetzung umfasst einige der dort ansässigen Schauspieler und der über die Landesgrenzen hinweg bekannte Ferry Öllinger hat einen Gastauftritt.
Genau hier liegt vielleicht der größte Kritikpunkt. Während zum Beispiel die Landkrimi-Reihe [seit 2012] oder der österreichische Tatort [seit 1970] die regionalen Gegebenheiten oder Dialekte bewusst einsetzt, um eine höhere Authentizität zu erschaffen, gibt es bei Falkner kaum etwas davon, weder im Hinblick auf die Landschaft, noch durch die Sprache. Dies geht sogar so weit, dass als Anrede immer wieder „Sir“ oder „Ma’am“ verwendet werden, was irgendwie fehl am Platz erscheint.
Nun könnte man argumentieren, dass sich dies aus dem gewählten Ansatz als Columbo-Hommage ergibt. Trotzdem hätte eine gesunde Portion oberösterreichischen Lokalkolorits dem Film einen besonderen Dreh verliehen, und die Macher dürfen diesbezüglich beim nächsten Mal gerne mutiger sein.
Die Bewertung muss fairerweise unter Berücksichtigung der Voraussetzungen und nach den Maßstäben erfolgen, unter denen der Film entstanden ist.
Trotz geringer Produktionsmittel kann sich der geneigte Zuschauer nach Columbo-Manier unterhalten lassen, ohne dass dabei Langeweile aufkommt – und das ist aller Ehren wert.
Mittlerweile konnte Jungwirth die Fortsetzung Falkner und die Linie im Sand [2025] realisieren, die im September 2025 veröffentlicht wurde. Ein dritter Teil befindet sich ebenfalls schon in Vorbereitung.
Es ist dem Filmemacher und seinem Team zu wünschen, dass die Werke mehr Beachtung erfahren – und vielleicht größere Projekte ermöglichen.
Fazit:
Falkner und die Liebe eines Lebens ist ein Fan-Film im besten Sinne und als solcher auf angenehme Art altmodisch – wie es auch die Vorlage war.
Mit augenscheinlich sehr wenig Geld haben Oliver Jungwirth und sein Team eine gelungene Würdigung von Peter Falks Columbo auf die Beine gestellt, die es sogar in regionale Kinos geschafft hat.
Neben einer erstaunlich ausgereiften Geschichte überzeugen insbesondere Michael Kuttnig und Alexander Knaipp in ihren Rollen, so dass man sich auf ein Wiedersehen mit Inspektor Falkner durchaus freut – vielleicht mit einem etwas höheren Budget und ein wenig mehr Bezug zum oberösterreichischen Schauplatz.

