Dust Bunny [2025]

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5–8 Minuten
Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 16. Januar 2026
Genre: Fantasy / Action / Horror

Originaltitel: Dust Bunny
Laufzeit: 106 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2024
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Bryan Fuller
Musik: Isabella Summers
Besetzung: Mads Mikkelsen, Sophie Sloan, Sigourney Weaver, Sheila Atim, David Dastmalchian, Rebecca Henderson, Caspar Phillipson, Nóra Trokán, Line Kruse, Rea Milla


Kurzinhalt:

Als sie die lauten Geräusche unter ihrem Bett hört, ahnt die achtjährige Aurora (Sophie Sloan) bereits, was ihr bevorsteht. Ihre Eltern versichern ihr zwar, dass unter dem Bett kein Monster lauert, sondern sich nur Staub zu einer Wollmaus zusammengefunden hat, aber Aurora weiß, wozu das Monster fähig ist, für dessen Existenz sie selbst die Verantwortung trägt. Kurz darauf sind ihre Eltern verschwunden und aus Angst vor dem Monster gibt sich Aurora Mühe, den Boden der Wohnung nicht zu betreten, als sie sich aufmacht, den mysteriösen Nachbarn aus dem Apartment 5B (Mads Mikkelsen), direkt gegenüber, um Hilfe zu bitten. Den konnte sie beobachten, wie er spät nachts in Chinatown gegen etwas gekämpft hat, das für Aurora wie ein Drachen aussah. Doch der Nachbar versichert ihr, wie ihre Eltern, dass es keine Monster gäbe. Um Informationen über das Verschwinden von Auroras Eltern zu erhalten, sucht er die Vermittlerin Laverne (Sigourney Weaver) auf, doch die verfolgt eigene Pläne. Zurecht wird er skeptisch, als die Sozialarbeiterin Brenda (Sheila Atim) unvermittelt vor der Tür steht, aber sie alle müssen erkennen, dass Aurora nicht übertrieben hat …


Kritik:
Bryan Fullers Spielfilmregiedebüt Dust Bunny ist, wenn nichts anderes, dann zumindest eine seltsame Erfahrung. Die Erzählung von einem Mädchen, das einen Attentäter engagiert, das Monster unter ihrem Bett zu töten, sprüht über vor Fantasie und ist bis hin zu den Tapeten in den Wohnungen so detailreich gestaltet, dass man beim ersten Ansehen gar nicht alles entdecken kann. Aber trotz der tollen Besetzung trägt die Story kaum, abgesehen davon, dass man nur schwer erahnen kann, was einem die Verantwortlichen mit alledem sagen wollen.

Im Zentrum der Geschichte steht die achtjährige Aurora, die ihre Eltern noch vor dem Monster unter ihrem Bett warnt, ehe sie sich von ihnen verabschiedet. Ihre Mutter meint zwar, dass unter dem Bett lediglich Wollmäuse zu finden wären, doch am nächsten Morgen sind Auroras Eltern verschwunden. Bereits zuvor war das Mädchen auf den mysteriösen Nachbarn im Apartment 5B aufmerksam geworden und ihm sogar eines Nachts gefolgt, als er in die Stadt nach Chinatown gegangen war. Dort konnte sie beobachten, wie er einen Drachen erlegte, nicht ahnend, dass er tatsächlich in einen Hinterhalt bei einem Straßenfest geraten war und es sich bei dem Drachen um Männer in einem Umzugskostüm handelte. Auf sich allein gestellt, entschließt sich Aurora, den Mann, der in ihren Augen Monster tötet, zu engagieren. Der versucht, ihr begreiflich zu machen, dass es keine Monster gibt, aber als sie auf dem Rückweg von einem Besuch bei der Vermittlerin Laverne von Männern verfolgt werden, muss der vermeintliche Monsterjäger feststellen, dass Auroras Aussagen mehr sind, als Ausdruck ihrer blühenden Fantasie.

Die Ungereimtheiten des Films beginnen aber im Grunde bereits viel früher, auch wenn man sie auf Grund der einfallsreichen wie einnehmenden Präsentation zunächst kaum sehen kann. Fuller, der Science Fiction-Fans durch Serien wie Star Trek: Raumschiff Voyager [1995-2001] bekannt sein kann, erzählt seine Geschichte in einer namenlosen Stadt, deren Design viele Einflüsse aufweist. Von dem bunten Lichtermeer, das hier Chinatown im Nebel so mystisch erscheinen lässt, bis hin zu den immens großen und schmuckvollen Einrichtungen, die beinahe 100 Jahre alt sein könnten. Sieht Aurora die Verzierungen und Tapeten an, bewegen sich die Motive, wie auch eigentlich leblose Objekte, wie die Wollmaus unter ihrem Bett, die sich zu Beginn aus Staub zusammensetzt, der vom Wind durch das Fenster getragen wurde und später wie ein Kaninchen aus Staub aussieht. Man fragt sich darum, existiert das Monster also nur in Auroras Fantasie, zumal es immens laute Geräusche verursacht und niemand anders diese zu hören scheint? Der Verdacht liegt anfangs nahe und doch entwickelt sich die Story in eine eher unerwartete Richtung, wenn sich die Menschen in Auroras Wohnung nicht an die Regeln halten, die sie ihnen erklärt. So taucht das Monster nur bei Nacht auf und holt sich diejenigen, die den Boden berühren.

Aber gerade diese zwei einfachen Regeln wirft die Erzählung irgendwann selbst über Bord. Könnte man noch meinen, dass das Monster eine Manifestation von Auroras Traumata ist, eine Möglichkeit für sie, mit schlimmen Erfahrungen umzugehen, ergibt das inhaltlich ebenso wenig Sinn, wenn man bedenkt, dass sich das Monster gute wie böse Menschen schnappt. Die Aussage des Nachbarn aus 5B, dass sich Menschen, die Monster sind, Auroras Eltern geholt haben, da sie in Wirklichkeit nach ihm suchten, was er an einer Patronenkugel festmacht, die er im Schlafzimmer der Eltern findet, läuft ebenfalls ins Leere, wenn es das Monster ja wirklich gibt. Überhaupt erscheint die Welt von Dust Bunny in sich nicht stimmig, was hauptsächlich daran liegt, dass man so wenig über sie erfährt. Man kann von der Beobachtung darauf schließen, dass Auroras Nachbar ein Auftragskiller ist, wirklich deutlich wird das aber ebenso wenig wie Lavernes Tätigkeit oder weshalb andere, böse Menschen hinter Auroras Nachbar her sind. Es ist beinahe, als würde Filmemacher Bryan Fuller im Grunde eine viel größere, komplexere Geschichte erzählen wollen, käme aber nicht dazu. Dabei liegt es an niemand anderem als ihm selbst, dass er die Laufzeit kaum nutzt.

In der erzeugt er zwar eine skurrile und durchaus interessante Stimmung, die maßgeblich von der Besetzung der beiden Hautfiguren lebt. Aber so gut Mads Mikkelsen und Sophie Sloan harmonieren, wobei Aurora als cleveres wie freches und bestimmtes junges Mädchen für die meisten humorvollen Momente sorgt, die Dialoge der beiden drehen sich derart oft darum, dass Aurora behauptet, es gäbe das Monster und ihr neu gefundener Freund dies verneint, dass man das Gefühl bekommt, genau denselben Dialog in den letzten Minuten bereits mehrmals gehört zu haben. Das ist insofern schade, als dass das Design jener Fantasy-Welt durchaus verlockend aussieht und auch das Monster überzeugen kann. Doch so gelungen, wenn auch unnötig dunkel, die Optik ist, Dust Bunny kann dem inhaltlich kaum etwas entgegensetzen. In Ansätzen lässt sich hier erahnen, was möglich gewesen wäre. Doch die Tür in jene Welt stößt die düstere Mär nie auf und wächst über die Prämisse nie hinaus. Schade.


Fazit:
Wie die Altersfreigabe bereits suggeriert, richtet sich Regisseur Bryan Fuller durchaus an ein etwas älteres Publikum, auch wenn im Zentrum ein achtjähriges Mädchen steht, das an Monster unter dem Bett glaubt. Er fängt die Erzählung fantasievoll und in den Perspektiven abwechslungsreich ein, auch wenn die oftmals ähnlichen Farben und die geringe Ausleuchtung dafür sorgen, dass man nicht allzu viel davon erkennt, wozu auch die teils hektischen Schnitte in den Actionszenen beitragen. Wird in den ersten 10 Minuten kaum gesprochen, zählen die Dialoge später durchaus zu den unterhaltsamsten Punkten des Films, dessen Welt zu Beginn zwar interessant erscheint, auch wenn man ihre Zusammenhänge nicht versteht, die aber doch nicht weiter erkundet wird. Fragt man sich anfangs noch, ob Vieles von dem Gezeigten nur in Auroras Fantasie existiert und dies ihre Art und Weise ist, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten (was ein durchaus gelungenes Bild wäre), bricht die Mystery-Story im letzten Drittel die eigenen Regeln, so dass man doch wieder ratlos zurückbleibt, was all das aussagen soll. Dust Bunny lebt vor allem von den beiden zentralen Darbietungen und dem bestechenden Set-Design. Aber so interessant das für Genrefans ist und so sehr es das handwerkliche Potential Fullers unterstreicht, die vielen Wiederholungen erwecken den Eindruck, als stamme die Story eher aus der Episode einer Fernsehserie und ist weniger ein tragfähiges Konzept für einen abendfüllenden Spielfilm.
 

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