Crime 101 [2026]

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6–9 Minuten
Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 11. Februar 2026
Genre: Thriller / Krimi

Originaltitel: Crime 101
Laufzeit: 141 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Bart Layton
Musik: Blanck Mass
Besetzung: Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Barry Keoghan, Halle Berry, Monica Barbaro, Corey Hawkins, Jennifer Jason Leigh, Nick Nolte, Tate Donovan, Devon Bostick, Crosby Fitzgerald, Payman Maadi, Babak Tafti, Deborah Hedwall, Paul Adelstein, Drew Powell, Matthew Del Negro, John Douglas


Kurzinhalt:

Auch wenn er mit seiner Theorie allein dasteht und selbst sein Partner inzwischen die Geduld mit ihm verliert, ist Detective Lou Lubesnick (Mark Ruffalo) vom Raubdezernat in Los Angeles überzeugt, dass die hochkarätigen Raubüberfälle auf Juweliere, die sich seit geraumer Zeit in und um Los Angeles ereignen, von ein und demselben Täter verübt werden. Der ist sehr gut vorbereitet, geht immer nach demselben Schema vor und wendet keine Gewalt an, von der vorgehaltenen Waffe einmal abgesehen. Gerade erst wurde wieder ein Überfall verübt und immer noch stochert Lou im Dunkeln auf der Suche nach Beweisen oder Hinweisen. Unterdessen plant Juwelendieb Mike Davis (Chris Hemsworth) seinen nächsten Überfall, mit dem er endlich die Summe erreichen will, die er benötigt, um sich zur Ruhe setzen zu können. Zwar muss er davon ausgehen, dass ihm die Polizei auf den Fersen ist, doch er gibt sich große Mühe, unter dem Radar zu bleiben. Dennoch lässt er sich auf die sympathische Maya (Monica Barbaro) ein, die sein Auto an einer roten Ampel angefahren hat. Unterdessen sucht Versicherungsvertreterin Sharon Coombs (Halle Berry) einen Weg, wie ihre Firma die zuletzt gestohlenen, versicherten Diamanten nicht ersetzen muss. Noch bevor sich ihre Wege kreuzen, betritt mit dem rücksichtslosen Ormon (Barry Keoghan) ein junger Dieb die Bühne und Mike ahnt nicht, dass er nicht nur von der Polizei gejagt wird …


Kritik:
Basierend auf Don Winslows gleichnamiger Novelle aus dem Jahr 2020 erzählt Filmemacher Bart Layton in seinem ersten rein fiktiven Spielfilm einen Crime-Thriller über einen Juwelendieb, der nicht nur immens chic in Szene gesetzt ist, sondern sich Zeit für die Figuren und eine überraschend komplexe Story nimmt. Nicht nur heutzutage, da es den Anschein hat, Filme würden immer simpler erzählt und die Figuren darin ständig erklären, was sie tun, um das Geschehen so an ein Publikum anzupassen, das eine vermeintlich kürzere Aufmerksamkeitsspanne mitbringt, ist Crime 101 mehr als nur eine Überraschung. Es ist einer der unterhaltsamsten und gleichzeitig gelungensten Genrefilme seit langem.

Worauf sich die Zuseherinnen und Zuseher dabei einlassen, verdeutlicht der Regisseur gleich in den ersten 15 Minuten, in denen er mehrere Handlungsstränge beginnt, die den Tagesanbruch bei den jeweiligen Figuren zeigen. Da ist die Versicherungsvertreterin Sharon, die trotz Meditation, Yoga und Selbsthilfebüchern auf dem Nachttisch laut einem erschreckend niedrigen Schlafscore ihres Fitnessmessgeräts und dementsprechend unausgeruht aufwacht. Polizist Lou Lubesnick vom Raubdezernat in Los Angeles bekommt gleich nach dem Aufstehen einen Nachrichtenartikel angezeigt, bei dem sein Department dafür kritisiert wird, eine hochkarätige Raubserie nicht aufklären zu können und zwei Kuriere machen sich auf, eine wertvolle Fracht abzuholen. Dann ist da noch der lange Zeit namenlose Mike Davis, der sich vor Sonnenaufgang gründlichst abschrubbt, um Haare und Hauptpartikel zu verlieren, ehe er sich auf den Weg macht, die zwei Kuriere zu überfallen und um mehr als drei Millionen Dollar in Juwelen zu erleichtern.

Der Raub allein ist eine lange Sequenz, in der Mike erst dann ein Wort sagt, als er seinem ersten Opfer gegenübersteht. Weshalb er tut, was er tut, was er vorhat, erschließt sich erst, während man den Raub beobachtet, der aber nicht so verläuft, wie Mike geplant hatte. Innerhalb des Raubdezernats steht Polizist Lou auf verlorenem Posten, da er die Theorie verfolgt, dass von den mehr als 200 Raubüberfällen in und um Los Angeles im vergangenen Jahr die ertragreichsten alle von einem Mann verübt wurden. Es gibt zwar keine wirklichen Spuren, weder DNA noch Zeugen, die sein Gesicht gesehen hätten, aber der Täter – Mike – geht immer nach demselben Muster vor. Die Überfälle sind sehr gut geplant, als besitze der Einzeltäter Insiderwissen, Überwachungsanlagen sind im Vorfeld ausgeschaltet und obwohl der Täter bewaffnet ist, laufen die Überfälle ohne Gewalt ab. Wie lange Lou im Dunkeln tappt, sei an dieser Stelle nicht verraten und ebenso wenig, wie die Story Mike und Sharon zusammenbringt, die zumindest vorübergehend dasselbe Ziel verfolgen, wird Sharon doch von ihren Chefs bei einer Beförderung zur Partnerin der Firma übergangen, nachdem sie seit Jahren hingehalten wurde. Zusätzlich spielt in Crime 101 der von Nick Nolte verkörperte Hehler Money, der die gestohlenen Diamanten zu Geld macht, eine Rolle, und Ormon, ein aufstrebender Krimineller, dessen Coup der zweite ist, der gezeigt wird.

Dann wird auch der im englischen Original doppeldeutige Titel deutlich, der sich einerseits auf den Highway 101 bezieht, an dem die Raubüberfälle begangen werden, gleichzeitig aber auch das Einmaleins des Verbrechens selbst beschreibt. So minutiös Mike seinen Raub vorbereitet, so improvisiert wie unfähig erscheint Ormons Überfall, der insgeheim darauf aus ist, seinen Vater zu übertrumpfen, der zuvor mit Money zusammengearbeitet hat. Auch wenn Ormon als Figur selbst kaum entwickelt wird, kleine Informationen wie diese sind es, die die Welt von Crime 101 letztlich größer und in sich stimmiger erscheinen lassen. Begleitet der Film den sozial unbeholfenen Mike, der in privaten Momenten kaum Blickkontakt mit Frauen hält, aber gleichzeitig immens charmant sein kann, wenn er einen neuen Überfall auskundschaftet, wie er sich mit Maya verabredet, die sein Auto angefahren hat, könnte man Regisseur Bart Layton vorhalten, dass er sich mit Nebenhandlungen aufhält, die nicht notwendig sind. Die würden selbst in vielen kürzeren Filmen unzweifelhaft zusammengestrichen, doch gerade diese Charaktermomente sind es, die die Figuren definieren und dafür sorgen, dass man daran interessiert ist, was mit ihnen geschieht. Angefangen von Sharon, die sich in Anbetracht eines zweifelhaften Angebots im ersten Moment vernünftig verhält, dann aber so verletzt und getroffen wird, dass sie tatsächlich schwach wird. Entwirft die Geschichte ein Netz aus Betrug und Lügen, in dem sich die Ganoven gegenseitig aufs Kreuz legen, und alles auf eine große Konfrontation hinausläuft, bei der niemand unbeschadet davon kommen wird, wünscht man sich, Mike würde einfach aussteigen und das Glück genießen, das er gefunden hat.

So einfach macht es sich die Erzählung aber nicht, sondern zieht im letzten Drittel die sprichwörtliche Schlinge um den Hals der Figuren immer enger, die sich selbst in Situationen bringen, aus denen sie nicht aus eigener Kraft entkommen können. Dank der Besetzung, die Chris Hemsworth als Mike immens charmant anführt und doch stets durchblitzen lässt, dass sich dieser auf Grund seiner Erlebnisse zu jenem Leben entschieden hat, ist das durchweg einnehmend und mit überraschend viel Humor erzählt. Mark Ruffalo ist ebenso sehenswert wie Halle Berry in einer Rolle, die mehr Zwischentöne bereithält, als man auf den ersten Blick wahrnimmt. Clever inszeniert und mit einem pulsierenden Soundtrack unterlegt, weiß Crime 101 genau, was er dem Publikum zeigen will und was nicht. Dass die präzise eingestreute Action dabei überraschend handgemacht ist, rundet den Gesamteindruck nur ab. Ein Streaming-affines Publikum mag dies als zu langsam empfinden, tatsächlich ist die Erzählung das genaue Gegenteil, wenn man sich darauf einlässt, zwischen den Zeilen zu lesen.


Fazit:
Der lange Aufbau des ersten Überfalls stimmt passend auf eine Erzählung ein, die eine unerwartet vielschichtige Story entwirft, in der sich die Wege der Figuren teils erst sehr spät kreuzen. Das ist kein Kritikpunkt, ganz im Gegenteil. Sowohl in dieser Hinsicht als auch in Bezug auf die erstklassige Optik erinnert Bart Laytons Film an Michael Manns Heat [1995], dessen Weitläufigkeit er zwar nicht erreicht, ihn aber hinsichtlich des reinen Unterhaltungswerts übertrifft. Immens charmant besetzt, merkt man gerade zum Ende hin, dass einem die Figuren nicht egal sind, was den vielen tollen Momenten geschuldet ist, in denen sie definiert werden, selbst wenn diese Augenblicke nicht unbedingt notwendig wären. Die gelungenen, teils hintersinnigen Dialoge sind ebenso ein Highlight wie die wenigen Actionmomente, die den erstklassigen, ernsten, aber nicht verbissenen Crime-Thriller merklich von Genrevertretern abheben. Toll und bewusst aufgebaut, lädt der Film ein, die Figuren und das Geschehen zu beobachten, anstatt dem Publikum haarklein zu erklären, was geschieht. Das ist so altmodisch, es ist geradezu erfrischend, von den treffenden Anspielungen auf Steve McQueen ganz abgesehen. Ungemein sehenswert, ist Crime 101 clever, chic und komplex – ein Highlight!
 

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