Charlie der Superhund [2025]

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5–8 Minuten
Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 26. Januar 2026
Genre: Animation / Komödie

Originaltitel: Charlie the Wonderdog
Laufzeit: 92 min.
Produktionsland: Kanada
Produktionsjahr: 2025 / 2026
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Shea Wageman
Musik: Petteri Juhani Sainio
Stimmen: Owen Wilson (Sascha Rotermund), Dawson Littman (Tom Kanty), Ruairi MacDonald (Christian Gaul), Tabitha St. Germain (Ilka Teichmüller), Zac Bennett-McPhee (Stefan Krause), Elishia Perosa (Ranja Bonalana), Sebastian Billingsley-Rodriguez (Moritz Ost), Rhona Rees (Marion Musiol), Nicole Bouma (Daniela Reidis), Caitlynne Medrek (Magdalena Montasser), Emily Delahunty (Rosa Blankenburg), Jenn Rogan (Nana Spier), David Dixon (Sascha Krüger), Lindsay Gibson (Frauke Poolman)


Kurzinhalt:

Teenager Danny (Dawson Littman / Tom Kanty) traut seinen Augen und Ohren nicht, als sein eigentlich inzwischen spürbar betagter Hund Charlie (Owen Wilson / Sascha Rotermund) eines Tages vor ihm steht, als wäre er wieder blutjung – und er kann sogar sprechen! Charlie erzählt ihm, dass er im Weltall gewesen sei und wie beide feststellen, hat Charlie nun Superkräfte. Er ist unermesslich stark und kann fliegen. Während Danny fürchtet, dass zu viel Aufmerksamkeit gefährlich sein könnte, verspürt Charlie den inneren Drang, anderen zu helfen und so wird aus ihm ein Superheld, der weltweit bekannt wird. Sogar die amerikanische Präsidentin Rose (Tabitha St. Germain / Ilka Teichmüller) wird auf Charlie aufmerksam und verpflichtet ihn als Aushängeschild für Hundefutter, das sie verkaufen will. Genau das zieht den Zorn von Dannys Nachbarkatze Puddy (Ruairi MacDonald / Christian Gaul) auf sich, die ebenfalls von Aliens entführt worden war und nun mit übernatürlichen Kräften ausgestattet ist. Puddy macht es sich zur Aufgabe, Katzen an die Spitze der Nahrungskette zu stellen und ihnen die Menschen Untertan zu machen. Aber damit ihr Plan funktioniert, muss Puddy zuerst Charlie zu Fall bringen und ersinnt hierfür einen finsteren Plan …


Kritik:
Der kanadische Animationsfilm Charlie der Superhund bietet auf der einen Seite alles, um ein ganz junges Publikum mühelos während der kurzweiligen Laufzeit zu unterhalten. Auf der anderen Seite werden sich ältere Zuseherinnen und Zuseher aber vermutlich fragen, warum sich Filmemacher Shea Wageman, der auch am Drehbuch mitschrieb, für diese Story entschieden hat. Die wirkt an manchen Stellen beinahe traurig und um Aussagen bemüht, die nachwirken, dann aber wieder albern und überzogen, so dass die Geschichte über den Unterhaltungswert kaum hinauswächst.

Mit dem gleichnamigen Segment einer australischen Comedysendung aus den 1990er-Jahren hat Charlie der Superhund dabei nichts gemein. Im Zentrum stehen vielmehr der Junge Danny und sein Hund Charlie. Sie erleben gemeinsam große Abenteuer, die aber in ihrer beider Fantasie stattfinden. Als Danny größer wird, erkennt er, dass Charlie spürbar älter geworden ist. Es fehlt ihm an Kraft und Ausdauer. Nicht einmal die Treppe zur Haustüre kann er mehr hochlaufen, so dass Danny fürchtet, Charlie könnte eines Abends nicht mehr da sein, wenn er von der Schule nach Hause kommt. Doch dann wird Charlie zusammen mit dem Nachbarskater Puddy von Aliens entführt. Der außerirdische Prinz ist auf der Suche nach einem Haustier, aber die beiden sind nicht das, was er sich vorgestellt hat. Als sie wieder auf die Erde gebracht werden, sind sie verändert. Charlie ist wieder jung und agil, er kann sprechen und hat Superkräfte. Puddy ist ebenfalls intelligent geworden und viel, viel größer als zuvor, aber während Charlie seine Fähigkeiten einsetzt, um den Menschen zu helfen, ist Puddy darauf aus, sie zu unterwerfen. Bei alledem bemerkt Danny, dass Charlie kaum mehr Zeit für ihn hat.

Charlie erhält seine Fähigkeiten also durch Außerirdische, selbst wenn nie ganz deutlich wird, weshalb oder wie lange diese Kräfte anhalten werden. Diese Besucher von einer anderen Welt spielen auch eine größere Rolle in der Geschichte, als man vermuten würde. Bis Puddy den Plan fasst, die Weltherrschaft an sich zu reißen und Katzen in der Nahrungskette an die Spitzenposition zu setzen, ist die Hälfte des Films bereits vorbei. Die erste Hälfte beschäftigt sich mit Charlies Heldentaten, der nicht nur superstark ist, sondern auch fliegen kann, dank seines Supergehörs Hilfeschreie von überall versteht und sogar mühelos ein abstürzendes Flugzeug retten kann. Danny bittet ihn noch, vorsichtig zu sein, aber es liegt Charlie im Blut, hilfsbereit zu sein und so begibt er sich ins Rampenlicht, weshalb auch die Präsidentin der Vereinigten Staaten auf ihn aufmerksam wird.

Die wird als blondhaarige, einfältige wie aufbrausende Staatsführerin mit immens kurzer Aufmerksamkeitsspanne gezeigt, die nur um ihren eigenen Vorteil bemüht ist. Ein Schelm, wer hier keinen aktuellen Bezug sieht. Dabei wirkt die Figur nicht nur vollkommen überzogen, sondern ist für Puddys eigentlichen Plan, wie er dafür sorgen will, dass Menschen und Katzen die Plätze tauschen, gar nicht notwendig. Der setzt dabei auf viel kindgerechten Slapstick-Humor und gerät nie zu düster, als dass sich ein junges Publikum fürchten müsste. Fällt Charlie in Ungnade, ist das ebenso absehbar, wie Danny von Puddys finsteren Absichten erfährt. Danny ist es auch, der bei Charlie der Superhund kaum zur Geltung kommt. Zwar darf er Charlie im richtigen Momenten wieder aufhelfen, sich nicht unterkriegen zu lassen, aber Dannys Bedenken, dass Charlie irgendwann nicht mehr da sein wird, oder nachdem er seine Superkräfte erhält, dass nicht mehr Danny das Wichtigste in Charlies Leben ist und er einen Freund verliert, werden gar nicht mehr aufgegriffen.

Dem Zielpublikum wird das zwar nicht auffallen, es mag aber bemerken, dass Charlie der Superhund im Vergleich zu anderen Animationsfilmen bedeutend lebloser aussieht. Die farbenfrohen Bilder und die durchaus putzigen Figuren täuschen nur auf den ersten Blick darüber hinweg, dass die bewegte Kamera doch nur eine statische Welt einfängt. Die Hintergründe sind ebenso leblos wie karg und dass in der Wüste ein einziges Tierchen zu sehen ist, ist bezeichnend. Weder bewegt sich Charlies Fell merklich, noch das Gras, über das er läuft, von den Blättern der Bäume oder den Wolken ganz zu schweigen. Die Animation sieht immer noch detailreicher aus, als zahlreiche Trickserien, im Vergleich zu vielen anderen Kinoproduktionen ist Shea Wagemans Film aber ein merklicher Rückschritt, zumal ihm eine eindeutige Handschrift merklich fehlt.

Nimmt man diese handwerkliche Umsetzung zusammen mit einer Geschichte, die sich erst spät entscheidet, welche Aspekte sie in den Mittelpunkt rücken möchte, wird Charlie der Superhund nie dem Potential gerecht, das in der Story steckt. Doch das bedeutet nicht, dass sich Kinder dabei nicht amüsieren könnten. Mit genügend kindertauglichem Humor ist die Story nie langweilig und dank Aliens, einer fiesen goßen Katze und einem fliegenden Hund wird hier genug geboten. Weshalb die kanadische Produktion in den Vereinigten Staaten spielen muss, verstehe dabei aber ebenso, wer will, wie weshalb die drei neuen Songs von Bryan Adams allesamt im Abspann versteckt sein müssen.


Fazit:
Dass Shea Wagemans Animationsfilm angesichts des sterilen Looks nicht mit großen Studiofilmen von Disney oder Pixar mithalten kann, kann man ihm nicht zum Vorwurf machen. Das sichtbar kleinere Budget, über das man darüber hinaus nur spekulieren kann, würde ein solch ambitioniertes Projekt schlicht unmöglich machen. Schade ist allerdings, dass die Ambitionen des seit 10 Jahren in Entwicklung befindlichen Animationsfilms in Bezug auf die Story ebenfalls merklich kleiner sind. Die Erzählung schneidet viele Themen an, aber auf dem Weg dorthin bleibt Vieles auf der Strecke. Nicht einmal der außerirdische Prinz wird für sein Verhalten mit seinen Haustieren getadelt. Die Anspielungen auf die US-Politik sind ebenso halbgar, wie die Charakterentwicklungen. Sieht man Charlie der Superhund aber als familientauglichen Animationsfilm, der sich bewusst an ein sehr junges Publikum richtet, kann sich dieses durchaus in den warmen Farben und der amüsanten Erzählung verlieren. Die schöne Botschaft um Selbstvertrauen sowie was Heldinnen und Helden wirklich ausmacht, rundet das Erlebnis für Kinder schließlich ab. Da hätte es auch das eine Schimpfwort des Prinzen nicht gebraucht.
 

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