Song Sung Blue [2025]

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5–7 Minuten
Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 20. November 2025
Genre: Biografie / Drama

Originaltitel: Song Sung Blue
Laufzeit: 133 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2025
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Craig Brewer
Musik: Scott Bomar
Besetzung: Hugh Jackman, Kate Hudson, Ella Anderson, King Princess, Hudson Hilbert Hensley, Michael Imperioli, Mustafa Shakir, Fisher Stevens, Jim Belushi, Erika Slezak, Sean Allan Krill, Beth Malone


Kurzinhalt:

Bei einem Rummel trifft der Musiker Mike Sardina (Hugh Jackman), der unter dem Künstlernamen „Lightning“ auftritt, auf die Sängerin Claire Stingl (Kate Hudson). Beide spielen keine eigenen Songs, sondern sie schlüpfen in die Kostüme und Rollen anderer Künstlerinnen bzw. Künstler. Und beide haben das Gefühl, als würde in ihnen mehr stecken. Nicht nur, dass sie ein Par werden, zum Missfallen von Claires großer Tochter Rachel (Ella Anderson), die sich mit Mike schwerer tut, als ihr jüngerer Bruder Dayna (Hudson Hilbert Hensley), während Mikes Tochter Angelina (King Princess) zu selten bei ihm ist, sie entschließen sich auch, gemeinsam aufzutreten. Dafür soll aus Claire „Thunder“ werden und sie wollen nicht nur Songs anderer Musiker einspielen. Vielmehr gründen sie eine Tributband, die die Songs von Neil Diamond neu interpretiert. Doch gerade dann, wenn auch dank des Engagements ihrer Manager Dave Watson (Fisher Stevens) und Tom D’Amato (Jim Belushi) der Erfolg ihrer Mühen sich auszuzahlen beginnt, trifft sie ein Schicksalsschlag, an dem die ganze Familie zu zerbrechen droht. Es wird nicht der letzte sein …


Kritik:
Craig Brewers Nacherzählung des Werdegangs der Neil Diamond-Tributband Lightning and Thunder nimmt das Publikum mit auf die Achterbahnfahrt des Duos, das lange auf einen Durchbruch wartete, und dem Schicksalsschläge wieder und wieder zusetzten. Song Sung Blue fühlt sich an wie ein filmisches Denkmal und lebt von seinen zentralen Darbietungen. Doch die Erzählung scheint zu schnell über die dunklen Abschnitte hinwegzugehen und am Ende ein paar Songs zu viel unterbringen zu wollen.

Wann genau sich Mike Sardina und Claire Stingl treffen, verraten die Verantwortlichen nicht und tatsächlich hat es den Eindruck, als würde sich das Geschehen in einem kurzen Zeitraum von nur ein paar Jahren abspielen. Tatsächlich trat ihre Band, insbesondere in Milwaukee, in den 1990er-Jahren bis 2006 auf. Hier treffen sich Claire und Mike, die beide als Imitatoren von anderen Künstlern bei Veranstaltungen oder Märkten auftreten. Beide haben das Gefühl, dass ihnen nicht viel fehlt für einen großen Durchbruch. Talentiert sind sie und fühlen sich vom ersten Moment an zueinander hingezogen. Da sich das Publikum von der Nostalgie mitnehmen lässt, entschließen sie sich, die Songs von Neil Diamond neu zu interpretieren. Mikes Künstlername war Lightning (Blitz) und so wird aus Claire der Thunder (Donner). Mit den Managern Dave und Tom landen sie auch schnell Erfolge und zusammen mit den anderen Musikern, mit denen sie auftreten, schaffen sie es sogar zu einem Auftrag als Vorband zu Pearl Jam. Doch dann trifft die Familie, in die Claire eine Tochter und einen Sohn mitbringt, Mike ebenfalls eine Tochter, ein Schicksalsschlag, der sie zu zerreißen droht.

Welcher das ist, wird Fans der Band nicht überraschen, er sei aber an dieser Stelle nicht verraten. Es soll genügen zu sagen, dass sich zwar ein weiterer Schatten über die Familie legt, der sich langsam und immer wieder ankündigt, was der Familie aber zuerst widerfährt, kommt so plötzlich, dass man den Schock beinahe nachempfinden kann. Bis dahin hat man diese zwei Figuren dabei beobachtet, wie sie nicht nur einander gefunden haben, sondern beide ihrem beruflichen Traum zum Greifen nahegekommen sind. Mike ist an dem Punkt in seiner Laufbahn angekommen, dass er nicht länger als andere Musiker auftreten will, sondern als er selbst. Tagsüber verdient er sich einen Lebensunterhalt als Automechaniker, aber sein Traum ist es, das Publikum zu unterhalten. Claire versorgt ihre Familie als Teilzeitfriseurin, aber auch sie zieht es zur Musik. Ineinander sehen sie das Potential, gemeinsam zu der Größe aufzusteigen, die ihnen einzeln verwehrt blieb. Sieht man ihre Leidenschaft für die Musik, wie sie bei ihren Auftritten aufblühen, freut man sich mit ihnen, wenn sich der Erfolg schließlich einstellt und ihr großer Durchbruch zum Greifen nahe scheint.

Bis dahin gerät Song Sung Blue geradezu leichtfüßig. Zwar wird angesprochen, dass Mike alkoholsüchtig ist, wenn auch seit 20 Jahren trocken, und dass Claire unter Depressionen leidet, doch ihre dunklen Phasen zeigt Regisseur Craig Brewer zu dem Zeitpunkt nicht. Entsprechend hart ist der Schnitt, als das Leben der Familie auf den Kopf gestellt wird, die zusammengewachsen ist, auch wenn der Beginn für Mike mit Claires Kindern nicht einfach war. Erst nach der Hälfte wandelt sich die Erzählung zu einem Drama, das aber die schwierigen Momente im Zusammenleben der Familie angesichts der neuen Situation nur anreißt. Es gibt hier starke Momente und ein kurzes, intensives Streitgespräch zwischen Mike und Claire, bei dem Kate Hudson und Hugh Jackman glänzen, doch der Augenblick ist so schnell vorbei, wie er gekommen ist. Beinahe, als wollten die Verantwortlichen nicht in diese belastenden, privaten Momente vordringen. Stattdessen widmet sich das Drehbuch einem Comeback der Tributband, das mit vielen ausgespielten Songs zum Leben erweckt wird.

Es ist, als könnte sich Filmemacher Craig Brewer nicht recht entscheiden, welche Aspekte des Werdegangs seiner Protagonisten er in den Mittelpunkt rücken möchte. Das Ergebnis ist ungemein charmant, auch dank der starken Besetzung, aber man hat nur selten das Gefühl, als würde sich Song Sung Blue den Figuren über das Maß hinaus nähern, mit dem sie eingangs vorgestellt werden. Für Fans der Musik ist das nichtsdestoweniger schon deshalb sehenswert, da die Auftritte mit einer beinahe ansteckenden Lebendigkeit umgesetzt sind. Gleichzeitig ist die Geschichte von Mike und Claire so tragisch, dass sie vor allem zum Ende hin unvermittelt berührt. Aber dennoch bleibt das Gefühl, als wäre dies nicht die packendste Umsetzung ihrer Geschichte. Wer sich auf Grund der Beteiligten darauf einlässt, wird das aber nicht stören.


Fazit:
Es sei eine wahre Liebesgeschichte, verrät eine Einblendung zu Beginn. Dabei kann man die Chemie zwischen Mike und Claire bereits ab ihrer ersten Begegnung förmlich mit Händen greifen. Zu sehen, wie sie ihren Traum verwirklichen können, allen Unkenrufen und Zweifeln zum Trotz, ist so inspirierend wie einfach schön. Umso schwerer treffen einen die Schicksalsschläge, die vollkommen aus dem Nichts auftauchen und es scheint eine unvorstellbare Ungerechtigkeit, dass ihnen so kurz vor dem Ziel der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Die zwei tragenden Figuren sind dabei stark zum Leben erweckt und in den herzzerreißenden Momenten zeigen Kate Hudson und Hugh Jackman preiswürdige Darbietungen, insbesondere in leisen Augenblicken wie wenn Mike die Dame in der Klinik fragt, ob er das Richtige tut. Solche Momente treffen unmittelbar ins Mark, doch sind sie selten und so schnell vorbei, als wollten die Verantwortlichen aus Respekt nicht auf diesen vermeintlichen Zeichen der Schwäche ihrer Protagonisten verweilen. Dafür präsentieren sie im letzten Drittel mehr Songs als notwendig in voller Länge, gewissermaßen, um ihr filmisches Denkmal abzurunden. Song Sung Blue lebt von seiner Besetzung und versprüht in jedem Moment ein Gefühl der Anerkennung für die porträtierten Personen, deren Schicksale durchaus bewegen. Selbst dann, wenn das biografische Drama nur selten eine solch emotionale Wucht entfaltet, wie die Erzählung es eigentlich sollte.
 

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