Greenland 2 [2026]

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6–8 Minuten
Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 6. Januar 2026
Genre: Action / Drama / Science Fiction

Originaltitel: Greenland 2: Migration
Laufzeit: 98 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2025
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Ric Roman Waugh
Musik: David Buckley
Besetzung: Gerard Butler, Morena Baccarin, Roman Griffin Davis, Amber Rose Revah, William Abadie, Sophie Thompson, Trond Fausa Aurvåg, Nelia Valery Da Costa, Ken Nwosu, Gordon Alexander, Peter Polycarpou, Tommie Earl Jenkins, Rachael Evelyn, Sidsel Siem Koch, Alex Lanipekun, Nathan Wiley


Kurzinhalt:

Fünf Jahre sind vergangen, seit der Komet „Clarke“ auf der Erde eingeschlagen ist. Bruchstücke umschließen die Erde ringförmig und sorgen dafür, dass es immer wieder Einschläge gibt. Das Strahlungsniveau ist unterschiedlich hoch, die Erde immer noch im Wandel begriffen. Erdbeben und Erdspalte sind ebenso eine Bedrohung für die Überlebenden im Thule Luftwaffenstützpunkt Station Grönland, wie die energiereichen Strahlungsstürme, die ein dauerhaftes Überleben außerhalb des Bunkers unmöglich machen. Doch die Vorräte gehen zur Neige und obwohl Außenteams, darunter Ingenieur John Garrity (Gerard Butler), in Wracks in der Umgebung nach Brauchbarem suchen, Nahrung finden sie nicht. Die Wissenschaftlerin Dr. Amina (Amber Rose Revah) ist der Überzeugung, dass ausgerechnet der Einschlagkrater im Süden Frankreichs Schutz bieten könnte. Notgedrungen macht sich John mit seiner Frau Allison (Morena Baccarin) und Sohn Nathan (Roman Griffin Davis) auf, die gefährliche Reise durch Europa auf der Suche nach einem neuen Zufluchtsort anzutreten. Sie finden eine unermessliche Zerstörung vor und Überlebende, die vor keiner Grausamkeit zurückschrecken. Aber in Mackenzie (Sophie Thompson), Obi (Ken Nwosu) oder Denis Laurent (William Abadie) begegnen sie auch Menschen, die Hoffnung spenden, dass die Zukunft mehr bereithalten könnte, als einen ständigen Kampf ums Überleben …


Kritik:
In vielerlei Hinsicht bleibt Filmemacher Ric Roman Waugh seinem Überraschungserfolg Greenland [2020] treu und präsentiert mit Greenland 2 nicht weniger als das nächste Kapitel im Überlebenskampf der Familie Garrity, nachdem die Welt in gewisser Weise untergegangen ist. Doch hat man das Gefühl, als wollte er im Grunde eine viel größere Geschichte erzählen, die hier auf etwas mehr als eineinhalb Stunden spürbar zusammengekürzt ist. Das Ergebnis wird Fans des ersten Teils zufriedenstellen, lässt aber Vieles vermissen.

Fünf Jahre sind seit dem Einschlag des „Clarke“-Kometen in Südeuropa vergangen. Zusammen mit anderen Ausgewählten hat Ingenieur John Garrity die Zeit mit seiner Frau Allison und ihrem gemeinsamen, inzwischen 15 Jahre alten Sohn Nathan in einem Bunker in Grönland verbracht. Dessen Vorräte waren nur auf zwei Jahre ausgelegt und gehen inzwischen spürbar zur Neige. Die Strahlenbelastung außerhalb des Bunkers ist immer noch tödlich, wie auch die elektrisch aufgeladenen Strahlungsstürme, die sich im Nu bilden können. Gleichzeitig wird auch Grönland immer stärker von Erdbeben heimgesucht und Erdspalten fördern Lava zutage. Da die leitende Wissenschaftlerin des Luftwaffenstützpunkts wie andere Experten vermutet, dass der sicherste Ort des Planeten ausgerechnet der Einschlagkrater selbst ist, macht sich die Familie Garrity mit anderen Überlebenden auf, eine neue Zuflucht zu suchen. Aber nicht nur, dass der Kometeneinschlag die Landschaft ins Unerkennbare verändert hat, der Überlebenskampf nimmt kein Ende. Mehr noch, die Menschen sind angesichts einer weggebrochenen Ordnung noch verzweifelter und skrupelloser als zuvor.

Seinerzeit überraschte Greenland mit der ernsten Darstellung des Endzeitszenarios und auch bei Greenland 2 steht ein Happy End nie im Raum. Vielmehr wird der Familie und allen anderen, die so viel in der Katastrophe verloren haben, derjenige Ort, der Schutz und Beständigkeit versprochen hat, ebenfalls genommen. Sie finden sich unversehens in einer lebensfeindlichen Welt wieder, in der die Gefahr gleichermaßen von der Natur ausgeht, wie von der Natur der Menschen. Ein Miteinander, Empathie oder Rücksicht, gibt es nicht mehr, wenn das blanke Überleben auf dem Spiel steht. Filmemacher Waugh erzeugt vom ersten Moment an eine Bedrohung für die Familie, aus deren Sicht die Suche nach einer neuen Heimat geschildert wird, dass seine Darstellung dieser in gewisser Hinsicht postapokalyptischen Welt geradezu hoffnungslos erscheint. Johns Kommentar aus dem Off verrät zu Beginn, dass 75 % oder mehr der Welt zerstört ist. Die Hoffnung, dass man mit einem Wiederaufbau rasch hätte beginnen können, hat sich nicht bestätigt. Stattdessen vermitteln Bilder von Großstädten einen Eindruck unermesslicher Zerstörung. Aus der verstrahlten Asche hat sich bislang keine neue Weltordnung erhoben. Vielmehr streiten unterschiedliche Fraktionen um die Oberhand, Plünderer nehmen sich, was sie finden können, und das Gesetz der Gewalt scheint die einzige Konstante.

All das wissen die Bewohner des Bunkers aus Funksprüchen, die sie von überall auf der Welt aufgefangen haben und genau dorthin müssen sie aufbrechen, als ihre Zuflucht unbewohnbar wird. Greenland 2 begleitet die Familie dabei, wie sie sich zum europäischen Festland aufmacht, und schildert ihren nicht enden wollenden Kampf ums Überleben. Die begrenzten Ressourcen und Möglichkeiten sorgen dafür, dass sich die Menschen einmal mehr gegeneinander wenden. Es ist etwas, das die Garritys beobachten, wohin sie auch kommen und man ahnt bereits, dass sie den Kampf irgendwann verlieren werden. Aber auch genau dieses Schema wiederholt Regisseur Ric Roman Waugh immer wieder während der etwas mehr als eineinhalb Stunden Laufzeit. Er zeigt, wie die Familie an einem Ort ankommt, wo eine lebensbedrohliche Situation entsteht, ehe sie weiterzieht, wo erneut eine lebensbedrohende Situation entsteht. Zeit, die Gegebenheiten vor Ort auszuloten, nehmen sich die Verantwortlichen dabei nicht.

Sei es, wenn nur angerissen wird, in welch verheerendem Zustand London ist, wo die Familie kurz unterkommt, die anwesenden Personen aber kaum vorgestellt werden. Oder in Frankreich, wo die geschilderte Umgebung so klein ausgewählt ist und so wenige Details erzählt werden, dass man nicht einmal von einem Mikrokosmos sprechen kann. Man hätte ebenfalls zeigen können, wie es die Menschen überhaupt geschafft haben, in den vergangenen Jahren außerhalb eines Bunkers zu überleben, oder ob sich kleine Gruppen zusammengeschlossen haben, um sich gegen Räuber zur Wehr setzen zu können. Ganz zu schweigen davon, dass Nathans Diabetes keine wirkliche Rolle mehr zu spielen scheint, obwohl doch gerade jetzt die Frage im Raum steht, wie er mit seiner Erkrankung in dieser Welt überleben kann. Doch angesichts des langen Wegs, den die Protagonisten hier zurück zu legen haben, bleibt für all das keine Zeit. Dafür wartet Greenland 2 mit viel Action und im Verlauf mit immer eindrucksvolleren Landschaftsaufnahmen auf, die teilweise in Island entstanden sind, aber nicht von dieser Welt zu stammen scheinen. Dass die Trickeffekte immer noch allzu offensichtlich sind und nur selten vollends überzeugen können, ist zwar schade, sieht man jedoch, wie die Gruppe der Überlebenden, die mit den Garritys reist, immer kleiner wird, bleibt die Erzählung temporeich genug, so dass dies nicht allzu sehr ins Gewicht fällt.

Wer Greenland seinerzeit für die ernste Darstellung der Katastrophe zu schätzen wusste, der beängstigenderweise die spaßige Hollywood-Verklärung fehlte, die Filme wie Armageddon – Das jüngste Gericht [1998] eine gewisse Leichtigkeit verliehen, findet bei Greenland 2 eine Fortsetzung, die auf eben diese Herangehensweise setzt. Dabei hat es auch den Eindruck, als hätten sich die Verantwortlichen überlegt, wie diese stellenweise kaum wiedererkennbare Welt nach der Apokalypse aussehen könnte. Sie haben nur kaum Zeit, diese Vision auch vorzustellen.


Fazit:
Es scheint geradezu erschreckend realistisch, wenn hier nach einer globalen Katastrophe die Überlebenden allein für das Versprechen auf Ressourcen erneut gegeneinander in den Krieg ziehen, anstatt zusammen zu arbeiten. Wie bereits im ersten Teil stellt Filmemacher Ric Roman Waugh keine Vision vor, die das Publikum mit einem guten Gefühl entlässt. Er zeichnet ein düsteres und vermutlich in vielen Belangen nicht einmal abwegiges Bild einer Welt nach der Katastrophe, bei der am Ende die Hoffnung lediglich durchzuschimmern vermag. Sie ist dabei mit so vielen Opfern erkauft, dass es schwerfällt, nach vorn zu blicken. Doch kratzen die Verantwortlichen nur an der Oberfläche ihrer eigenen Vision. Was wie ein Road Trip anmutet, fühlt sich tatsächlich so an, als würde die Geschichte von einer bedrohlichen Situation zur nächsten springen, ohne in die Gegebenheiten jener Welt wirklich einzutauchen. Beinahe, als wäre die Geschichte auf eine mehrteilige Mini-Serie ausgelegt und hier auf eineinhalb Stunden zusammengestaucht worden. Es würde zumindest die zahlreichen Logiklöcher innerhalb der Story erklären. Das macht allerdings den actionreichen Greenland 2 insbesondere für Fans des ersten Films nicht weniger empfehlenswert, die das bekommen, was sie erwarten. Und so absehbar der grundsätzliche Verlauf ist, viele Momente sind durchaus beunruhigend, wenn auch nur selten packend.
 

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