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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 25. November 2025
Originaltitel: Zootopia 2
Laufzeit: 108 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2025
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren
Regie: Jared Bush, Byron Howard
Musik: Michael Giacchino
Stimmen: Ginnifer Goodwin (Josefine Preuß), Jason Bateman (Florian Halm), Ke Huy Quan (Rick Kavanian), Fortune Feimster, Andy Samberg, David Strathairn, Idris Elba, Shakira, Patrick Warburton, Quinta Brunson, Nate Torrence, Bonnie Hunt, Don Lake, Macaulay Culkin, Brenda Song
Kurzinhalt:
Ein großes Fest steht an in Zootopia, denn vor 100 Jahren wurden die Wettermauern in Betrieb genommen, die es ermöglichen, dass die unterschiedlichen Säugetiere in der Metropole in ihrer eigenen Klimazone leben und sie alle gemeinsam den Alltag bestreiten können. Passend dazu soll die Stadt vergrößert werden und Außenbezirke müssen weichen. Da kommt es gänzlich ungelegen, dass Polizistin Juddy Hopps (Ginnifer Goodwin / Josefine Preuß), die trotz des großen Falls, den sie zusammen mit ihrem jetzigen Partner, dem ersten Fuchs bei der Polizei, Nick Wilde (Jason Bateman / Florian Halm), gelöst hat, behauptet, es gäbe Pläne, ein Reptil in die Stadt zu bringen. Denn Reptilien hat man in Zootopia ebenfalls seit einem Jahrhundert nicht gesehen. Ehe sie sich versehen, finden sich Judy und Nick, die als Team mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, auf der Flucht vor der Polizei wieder, da sie der Schlange Gary De’Snake (Ke Huy Quan / Rick Kavanian) bei einem Raub geholfen haben sollen. Während die gesamte Polizei ihnen dicht auf den Fersen ist, kommen Judy und Nick mit der Hilfe der Biberdame Nibbles Maplestick (Fortune Feimster) einer großen Verschwörung auf die Spur. Doch bei den Ermittlungen werden auch der Spannungen im Team immer größer, bis ihre Partnerschaft zu zerbrechen droht …
Kritik:
Die Filmemacher Jared Bush und Byron Howard schließen mit ihrer deutlich später als erwarteten Fortsetzung Zoomania 2 nicht nur inhaltlich an den putzigen Vorgänger an, sondern vollbringen das Kunststück, eine Geschichte zu erzählen, die gleichermaßen temporeich, warmherzig und relevant ist, wie zuvor. In gewisser Hinsicht fühlt sich das beinahe an wie ein lustiger Agententhriller. Mit viel Fantasie und Humor selbst im Hintergrund zum Leben erweckt, ist das beste Unterhaltung für die ganze Familie.
Gerade erst hat Häsin Judy Hopps bewiesen, dass selbst sie als so kleines Säugetier das Zeug zur Polizistin hat, da macht sich in ihr erneut die Unsicherheit breit, sich beweisen zu müssen. Darum will sie mit ihrem Partner Nick Wilde, der früher ein Kleinkrimineller war, aber inzwischen ebenfalls Polizist ist, unbedingt den nächsten Fall lösen. Hinweise lassen darauf schließen, dass sich zum ersten Mal seit 100 Jahren wieder ein Reptil Zugang nach Zootopia verschaffen will, in dem es zwar zahlreiche Klimazonen für die Säugetiere gibt, aber Reptilien nicht vertreten sind. Ehe sie sich versehen, finden sich Judy und Nick als Flüchtige wieder, die der Schlange Gary geholfen haben sollen, einen Umsturz zu planen. Dabei kommt das ungleiche Duo einer viel größeren Verschwörung auf die Spur, die das Schicksal von ganz Zootopia beeinflussen könnte. Je tiefer sie in dem Fall ermitteln, umso stärker treten die Unterschiede zwischen Judy und Nick zutage, so dass sie sich die Frage stellen müssen, ob sie als Team überhaupt eine Zukunft haben.
Man mag es kaum glauben, dass beinahe 10 Jahre vergangen sind, seit man die farbenfrohe Welt von Zoomania [2016] zuletzt auf der großen Leinwand zu sehen bekam. Die Fortsetzung um die Titel gebende, von anthropomorphen Tieren bevölkerte Metropole, fängt das Flair des ersten Teils auf Anhieb ein und setzt beinahe unmittelbar im Anschluss an. Auch wenn Judy an sich ihr Ziel erreicht hat, immer noch ist sie übereifrig und möchte allen beweisen, dass sie und Nick ein gutes Team sind. Der ist indes hin- und hergerissen zwischen seinem Wunsch, als Fuchs ein Einzelgänger zu sein, und seinem Bestreben, zu einem Rudel zu gehören. Darum folgt er auch Judy in dieses Abenteuer, bei dem sie sich urplötzlich auf der Flucht vor dem Gesetz wiederfinden. Aber wenn es darum geht, etwas zu riskieren, sich selbst für das große Ganze einzubringen, zögert Nick. Diese Unterschiede zwischen den beiden für sich genommen bereits immens sympathischen Figuren treten immer stärker in den Vordergrund und führen zu einem Moment, in dem das Team doch tatsächlich getrennt wird.
Bis es soweit ist, präsentiert Zoomania 2 aber eine Geschichte, die tief in die Welt der Metropole eintaucht und auch neue Bereiche außerhalb der Stadtmauern zeigt. Die Mauern, die innerhalb von Zootopia verlaufen, sorgen dafür, dass es in den jeweiligen Arealen das angepasste Klima für die darin lebenden Säugetiere gibt und folgt die rasante Geschichte den putzigen Helden auf ihrer Suche nach der Wahrheit durch diese unterschiedlichen Zonen, erinnert das beinahe an einen James Bond-Film. Immerhin gibt es zahlreiche exotische Orte zu sehen und einflussreiche Bösewichte, die das Schicksal von Zootopia insgesamt bedrohen. Die Geschichte ist dabei komplexer, als es vielleicht ein ganz junges Publikum vollends verstehen mag, aber sie gerät trotz einiger berührender Momente nie so ernst oder traurig, dass sich die Jüngsten fürchten müssten. Vielmehr zünden die Verantwortlichen ein Gagfeuerwerk, bei dem man in vielen Momenten anhalten müsste, um die zahlreichen Anspielungen und lustigen Aktionen im Hintergrund zu erkennen. Wer im ungünstigen Moment blinzelt, verpasst beispielsweise einen Verweis auf Ratatouille [2007], während die Hommage an Stephen Kings Shining [1980] unübersehbar, aber einem älteren Publikum vorbehalten ist.
So leicht zugänglich er ist, der Humor richtet sich an alle Altersklassen, die eine temporeiche Erzählung erwartet, bei der man sich gleichzeitig in der bunten Welt verlieren möchte. Beliebte Figuren wie Faultier Flash aus dem ersten Teil haben zwar einen Gastauftritt, ins Zentrum rücken die Regisseure aber neben Judy und Nick viele neue Charaktere wie eben Schlange Gary, Biberdame Nibbles oder den jungen Luchs Pawbert, der nicht den Erwartungen seiner einflussreichen Familie entspricht. Sie alle verkörpern eine Geschichte über Toleranz, die sich klar gegen Fremdenfeindlichkeit ausspricht und die einem von der ersten bis zur letzten Minute ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Die kurze Szene nach dem Abspann kündigt eine weitere Tierart an, die bislang ebenfalls nicht in Zootopia vertreten ist und man kann nur hoffen, dass sich die Verantwortlichen nicht wieder so lange Zeit lassen, ehe sie ein drittes Abenteuer mit diesen herzerwärmenden Figuren auf die große Leinwand bringen.
Fazit:
Dass in den letzten Minuten Vieles zu einem Abschluss gebracht und die „heile“ Welt von Zootopia gewissermaßen wiederhergestellt wird, ist kein wirklicher Kritikpunkt und unterstreicht, dass sich das Abenteuer vornehmlich an ein junges Publikum richtet. Dank des teils hintersinnigen Humors und einiger Anspielungen, die sich nur einem älteren Publikum erschließen werden, kommt aber auch dieses in den Genuss einer toll animierten und mit fantasievollen Bildern versehenen Komödie, die trotz der Stimmung des ersten Teils irrsinnig viele neue Ideen bereithält. Sämtliche Gags mitzunehmen, ist beim ersten Ansehen kaum möglich, auch dank des hohen Erzähltempos, das vor allem die erste Stunde wie im Flug vergehen lässt. Für erfahrene Zuschauerinnen und Zuschauer ist die große Wendung lange absehbar und auch ganz am Ende hätten die Figuren ein größeres Finale verdient, aber das ändert nichts daran: Zoomania 2 ist ein großes Abenteuer für die ganze Familie, dessen Aussagen, wie dass Vielfalt eine Gesellschaft nur stärker macht, so wichtig sind, wie eh und je. Knuffig, putzig und mit viel Herz, dass die Stimmung von der Leinwand überspringt. Toll!

