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Kritik von Jens Adrian |
Hinzugefügt am 10. Februar 2026
Originaltitel: Wuthering Heights
Laufzeit: 136 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2026
FSK-Freigabe: noch nicht bekannt
Regie: Emerald Fennell
Musik: Anthony Willis
Besetzung: Margot Robbie, Jacob Elordi, Hong Chau, Shazad Latif, Alison Oliver, Martin Clunes, Ewan Mitchell, Charlotte Mellington, Owen Cooper, Vy Nguyen
Kurzinhalt:
Seit Kindertagen verbindet Catherine Earnshaw (Margot Robbie) und Heathcliff (Jacob Elordi) eine enge Freundschaft, sehr zum Missfallen ihrer Gesellschafterin Nelly (Hong Chau). Damals brachte Catherines Vater (Martin Clunes) den mittellosen Jungen mit nach Hause. Als Knecht ist er wie die übrigen Angestellten den Launen von Mr. Earnshaw ausgeliefert, stellte sich aber stets schützend vor Catherine. Inzwischen sind sie erwachsen und auch wenn Heathcliff seine Liebe für Catherine verbirgt, während sie die gegenseitige Anziehung spürt und teilt, als Tochter einer einst wohlhabenden Familie möchte sie jemanden aus ihrem Stand heiraten. Sie sucht die Nähe des zugezogenen Edgar Linton (Shazad Latif), der in einem benachbarten, prunkvollen Anwesen mit seiner Schwester Isabella (Alison Oliver) wohnt. Angekommen in einer Welt unermesslichen Reichtums und Ansehens, erkennt Catherine jedoch, was ihr Herz seit jeher begehrte – Heathcliff. Aber da sind die Gräben zwischen ihr und Heathcliff bereits so tief, dass sich die einst stille Sehnsucht in zerstörerische Eifersucht wandelt …
Kritik:
Selbst wenn Filmemacherin Emerald Fennell nur in groben Zügen der Vorlage von Emily Brontës im Jahr 1847 erschienenem Literaturklassiker folgt, greift sie in Wuthering Heights – Sturmhöhe dennoch die Ambivalenz der Geschichte auf, in der die Figuren zwischen Liebe jenseits der Selbstaufgabe und besitzergreifender Eifersucht bis zur eigenen Zerstörung gefangen sind. Gleichermaßen überlebensgroße Liebesgeschichte wie abschreckendes Mahnmal in Bezug auf Begierde und Rache, ist die Erzählung derart opulent und in der Bildersprache betörend, dass man sich förmlich darin verlieren kann.
Wie dicht Lust und Tod hier beieinander liegen, wird bereits in den ersten Minuten deutlich, wenn man glaubt, ein Geräusch zu hören, das ganz eindeutig zuzuordnen ist, nur um festzustellen, dass es etwas ganz anderes beschreibt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wächst Catherine Earnshaw bei ihrem Vater im Hochland in West Yorkshire auf. Das weitläufige Anwesen ist im Verfallen begriffen, Catherines Mutter verstorben. Ihr Vater verprasst das Geld mit Glücksspiel und Alkohol, während er die Knechte und Haushälterinnen schikaniert. Die junge Nelly Dean soll Catherine Gesellschaft leisten und sieht mit Sorge, wie die sich mit einem Jungen anfreundet, den ihr Vater eines Abends mit nach Hause bringt, um ihm ein Dach über dem Kopf zu geben. Der Junge sei Catherines „Haustier“, so ihr Vater, dem sie den Namen Heathcliff gibt. Sie entwickeln eine enge Verbindung, die aber auch viele Jahre später trotz ihrer unausgesprochenen Gefühle für einander nie über eine geschwisterliche Freundschaft hinausgeht. Bis Catherine, die sich nach Reichtum und Anerkennung in Anbetracht des drohenden Bankrotts ihres Vaters sehnt, die Nähe zu dem wohlhabenden Edgar Linton sucht, der auf der benachbarten Länderei ein luxuriöses Anwesen errichtet hat. Je mehr Zeit sie voneinander getrennt verbringen, umso offensichtlicher ist für Heathcliff und Catherine, wie sehr sich zueinander hingezogen fühlen. Doch bis sie in der Lage sind, dies auszusprechen, sind die erlittenen Verletzungen zu schwerwiegend, als dass es scheint, dass sie noch einen Weg zueinander finden könnten.
Die Tragödie erinnert hinsichtlich ihres destruktiven dritten Akts durchaus an William Shakespeares Romeo und Julia [1594-1596], dessen Werdegang Edgars Schwester Isabella ihm bei ihrem ersten Auftritt beschreibt, wenngleich die geradezu an eine Naturgewalt erinnernde Anziehung zwischen den Hauptfiguren hier deutlich düsterer geprägt ist. Filmemacherin Fennell konzentriert sich bei ihrer Adaption auf die beiden Figuren Catherine und Heathcliff, anstatt die beiden Familien der Earnshaws und der Lintons über mehrere Generationen hinweg zu begleiten. Dennoch vollzieht die Erzählung mehrere zeitliche Sprünge, die teilweise durch eine Collage zum Ausdruck gebracht werden, beispielsweise wenn Catherine bei Edgar in jenem Reichtum angekommen ist, den sie sich so lange ersehnt hat. So einnehmend ihr Lächeln, hört man sie sprechen, klingt sie zu Beginn unvorstellbar eingebildet und naiv gleichermaßen. Sie fühlt sich dazu berechtigt, anerkannt und verehrt zu werden, immerhin lebt ihre Familie seit dem Jahr 1500 auf dem Anwesen. So vertraut sie Nelly an, dass sie sich nie mit Heathcliff einlassen könnte, würde sie sich doch unterhalb ihres Standes vermählen. Es ist ein Klassendenken, das insbesondere deshalb so verletzend erscheint, da sich Heathcliff Zeit seines Lebens bei den Earnshaws stets schützend vor Catherine gestellt hat, so dass ihr Vater ihn statt sie mit Schlägen misshandelte. Selbst wenn Catherine erkennen mag, was ihr Herz im Grunde begehrt, der Schaden ist angerichtet und die Wunden zu tief, als dass sie in dieser rauen Umgebung heilen könnten.
Die Landschaft spiegelt in ihrer Ungestümtheit, der regnerischen Kälte und der unbändigen Kraft des Windes im Hochland, passend das Gefühlsleben der Figuren wider, die hin und hergerissen werden von Gewalten, die größer sind, als sie selbst. Wellenartig wandelt sich die Liebe, die die Charaktere füreinander empfinden, in eine Eifersucht, die sie selbst und die Menschen um sie herum ergreift, und schließlich zu grenzenlosem Hass wächst, welcher sie selbst verschlingt. Wuthering Heights – Sturmhöhe ist daher mehr als eine große Liebesgeschichte, wenn man die Verletzungen erkennt, die mit toxischen Beziehungen einhergehen. Dies beginnt bereits bei der Art und Weise, wie Catherines Vater mit ihr und Heathcliff schon in Kindertagen umgeht, und überträgt sich auf ihren Umgang miteinander im Erwachsenenalter. Nicht einmal Edgars aufrichtige Liebe für Catherine kann dem etwas entgegensetzen. Emerald Fennell fängt dies in Bildern ein, die in vielen Momenten an eine Theaterbühne erinnern, als wollte sie den Tragödiencharakter unterstreichen, nur um dem als Kontrast Aufnahmen einer unberührten, geradezu wilden Landschaft entgegenzusetzen.
Erlangt Catherine den Reichtum, den sie sich so sehr wünscht, erinnern die ausschweifenden Bauten und Kostüme an ein Märchen, in dem Farben und Formen gleichermaßen große Bedeutung beigemessen wird. Wuthering Heights – Sturmhöhe ist überragend ausgestattet und ebenso fantastisch in Szene gesetzt. Angesichts dessen könnte man beinahe übersehen, zu welchen Monstern die Figuren in dieser malerischen Umgebung werden, wenn die Eifersucht sie von innen heraus selbst und einander zerstört. Von der gesamten Besetzung, insbesondere Margot Robbie, Jacob Elordi und Martin Clunes sehenswert und mit vielen Zwischentönen zum Leben erweckt, wächst die vermeintliche Liebesgeschichte weit über diesen einen Aspekt der Erzählung hinaus. Großartig!
Fazit:
Sieht man, dass sich Catherine, als sie in unermesslichem Reichtum eines märchenhaften Lebens angekommen ist, so unglücklich fühlt, dass sie sich doch zur Liebe ihres Lebens sehnt, könnte man die Erzählung als einfache wie naive Liebesgeschichte abtun. Doch Filmemacherin Emerald Fennell erzählt weit mehr als das. Nachdem Catherines Entscheidungen lange von ihren existenziellen Wünschen betreffend ihren gesellschaftlichen Stand und finanzieller Sicherheit geprägt sind, destilliert die Geschichte zuerst heraus, wie sie ihrem tiefsten Gefühl nachgibt, ehe das letzte Drittel in den Fokus rückt, wozu Menschen auf Grund erlittener Verletzungen im Stande sind und wie Macht und Kontrolle nicht nur zerstörerische Beziehungen zersetzen. Die tollen Dialoge erfassen dabei stellenweise das Wesen der Liebe, des Verlangens und der Sehnsucht, sind an anderen Orten jedoch mit einer geradezu schneidenden Kälte dargebracht. Unfähig, dem Einhalt gebieten zu können, sieht man die letztendliche Tragödie sich aufbauen. Geradezu ansteckend gespielt, sind die wuchtigen Bilder schier überwältigend. Die Farbgebung zeichnet die Optik ebenso aus wie die umwerfenden Kostüme und die einnehmende Szenerie, in der die Charaktere zwischen Glück und Verzweiflung, Hoffnung und Akzeptanz des Unausweichlichen schwanken. Wuthering Heights – Sturmhöhe ist eine berauschend umgesetzte Erzählung über Begehren, Begierde, Liebe und wie Eifersucht diejenigen von innen heraus zerfrisst, die sich von ihr einnehmen lassen. Der erzählerischen Komplexität oder dem Realismus der Vorlage in Bezug auf die Darstellung des Lebens jener Zeit mag diese Interpretation nicht gerecht werden, doch war das gar nicht der Anspruch. Überlebensgroß, getragen und und mitunter schwermütig, ist das aber fantastisch gelungen.


