Road House [1989]

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5–8 Minuten
Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. Januar 2026
Genre: Action / Thriller

Originaltitel: Road House
Laufzeit: 114 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1989
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Rowdy Herrington
Musik: Michael Kamen
Besetzung: Patrick Swayze, Kelly Lynch, Sam Elliott, Ben Gazzara, Kevin Tighe, Red West, Julie Michaels, Kathleen Wilhoite, Jeff Healey, Sunshine Parker, Marshall Teague, Jon Paul Jones, John Doe


Kurzinhalt:

Als Rausschmeißer in Nachtclubs und anderen Etablissements ist James Dalton (Patrick Swayze) eine Legende. Darum heuert ihn Barbesitzer Frank Tilghman (Kevin Tighe) an, um seine Einrichtung auf Vordermann zu bringen. Dort geht jeden Abend in Folge des starken Alkohol- und Drogenkonsums viel von der Einrichtung zu Bruch und die Bar zieht nicht das Publikum an, das Tilghman eigentlich ansprechen möchte. Dalton gelingt es, den Ruf der Bar deutlich zu verbessern, wobei er sich viele Feinde macht. Darunter auch den einflussreichen Brad Wesley (Ben Gazzara). Der hat die gesamte Gemeinde unter seiner Kontrolle, erpresst die Geschäftsleute vor Ort und schreckt auch vor Gewalt nicht zurück. Da sich Dalton jedoch nicht einschüchtern lässt, nimmt Wesley diejenigen Menschen ins Visier, mit denen er Kontakt hält. Darunter den Händler Red Webster (Red West), dessen Nichte Elizabeth (Kelly Lynch) Dalton näherkommt. Mit seinen Gehilfen ist Wesley weit in der Überzahl, selbst wenn Daltons Freund Wade (Sam Elliott) ihm zur Hilfe kommt. Ohne dass sich die Menschen der Gemeinde zur Wehr setzen, werden sie jedoch keinen Frieden finden …


Kritik:
Rowdy Herringtons Road House ist vor allem anderen ein Film seiner Zeit, wenn auch nicht unbedingt der Art, die damals Kinogeschichte geschrieben haben. Die Story um einen Rausschmeißer, der sich in einer kleinen Stadt mit einem skrupellosen Mann anlegt, der dort die Fäden zieht, ist so altbekannt wie oberflächlich. Vor allem braucht sie lange, ehe sie in Fahrt kommt und der Film mit einem Actionfinale aufwartet, für das Fans ihn schätzen. Immerhin ist der Rest eines nie: langweilig.

Dass Road House für das Studio und auch Hauptdarsteller Patrick Swayze eine Enttäuschung war, lag dabei nicht an den mehrfachen Nominierungen für den berühmtesten Schmähpreis der Goldenen Himbeere, die er aber nicht gewann. Vielmehr hatte man gehofft, dass sich Swayze nach dem Welterfolg von Dirty Dancing [1987] wieder als Publikumsmagnet entpuppen würde, doch der finanzielle Erfolg blieb aus. Vielleicht auch deshalb, da das Publikum nach Genrevertretern wie Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis [1987] oder Stirb langsam [1988] schlichtweg mehr erwartete. Road House hingegen wirkt, wie auch die Story, wie eine Produktion, die man früher direkt in Videothekenregalen finden konnte. James Dalton, dessen Vorname kein einziges Mal genannt wird, ist einer der bekanntesten Bouncer, Rausschmeißer, in einem Nachtclub in New York. Er wird von Frank Tilghman abgeworben, der in der Gemeinde Jasper außerhalb von Kansas City die Bar „Double Deuce“ betreibt. Als Dalton dort eintrifft, findet er eine Spelunke vor, in der die Live-Band mit Gittern vor fliegenden Flaschen und Gläsern geschützt werden muss. Drogen werden verkauft, Angestellte unterschlagen Einnahmen. Es gelingt Dalton mit ein paar einfachen Regeln, die Mitarbeitenden in der Bar auf Linie zu bringen und der Betrieb floriert. Wäre es nicht um den einflussreichen Brad Wesley, der mit Mafiamethoden diejenigen erpresst, die Geschäfte in der Stadt betreiben. Als Dalton der Ärztin Elizabeth näherkommt, deren Onkel ebenfalls unter Wesleys Machenschaften leidet, und auch das „Double Deuce“ in Wesleys Fokus gerät, kann Dalton nicht weiter tatenlos zusehen. Doch Wesley hat einen ganzen Trupp bewaffneter Helfer an seiner Seite und Dalton inzwischen durchaus etwas zu verlieren.

Die Geschichte des raubeinigen Einzelgängers, der sich widerwillig gegen einen tyrannischen Bully auflehnt, ist sicherlich keine neue Idee. Vor allem US-amerikanische Unterhaltungsserien der 1980er-Jahre haben das Konzept immer wieder aufgegriffen. In gewisser Hinsicht erinnert Road House diesbezüglich an einen Western mit Dalton als dem Fremden, der in die tyrannisierte Stadt kommt und sich mit dem Tyrannen anlegt. Das geschieht aber tatsächlich erst in der letzten halben Stunde, die sich anfühlt, als stamme sie aus einem anderen Film. Die ersten zwei Drittel der Erzählung sind hinsichtlich der gesprochenen Einzeiler oder der ausgedehnten Szenen, die Daltons gestählten Körper bei seinen meditativen Kampfsportübungen zeigen, beinahe gewollt amüsant. Auch wenn es in der Bar immer wieder zu Schlägereien kommt, der gezeigte Gewaltgrad hält sich doch in Grenzen. Das ändert sich beim Finale, in dem Filmemacher Herrington die Action in den Vordergrund stellt und Dalton mit einer Kampfhandlung zeigt, für die der Film Kultstatus erreichen sollte, weil sie so überzogen wie hanebüchen ist. Dabei sind die Stunts insgesamt durchaus beeindruckend und vor allem der große Kampf zwischen Dalton und Wesleys Schergen Jimmy, gespielt von Patrick Swayze und Marshall Teague, ist ein Highlight, sieht man den beiden Schauspielern doch an, wie anstrengend der tagelange Dreh gewesen sein muss.

In den letzten Minuten gewinnt Road House wieder die Leichtigkeit zurück, die die erste Stunde gewissermaßen auszeichnet. Unbestritten, Teil hiervon sind frauenfeindliche und homophobe Momente, die inhaltlich nicht gutzuheißen sind, aber eben im zeitlichen Kontext gesehen werden sollten. Nicht nur dank Musiker Jeff Healey, der hier in einer Nebenrolle auftritt, ist all das mit einem eingängigen Soundtrack untermalt, der ebenso zur Stimmung beiträgt, wie zahlreiche Nebenfiguren, die kaum vertieft werden, aber für Auflockerung sorgen. Daltons Freund, der von Sam Elliott gespielte Wade, ist eine solche Figur, die zum Charme der Erzählung beiträgt, ohne inhaltlich viel beizusteuern. Das mag auch daran liegen, dass die erste Schnittfassung von Regisseur Rowdy Herrington weit über dreieinhalb Stunden betragen haben soll und es viele Szenen, von denen manche sogar in der Filmvorschau zu sehen sind, nicht in den endgültigen Film geschafft haben. Das ist insofern erstaunlich, da trotz der Laufzeit von beinahe zwei Stunden nicht allzu viel geschieht, was nicht heißen soll, dass Langeweile aufkommen würde. Mit seiner grundsätzlich ernsten Ausstrahlung, unterbrochen von einem gelegentlich verschmitzten Lächeln und einem Blick, der verrät, dass Dalton etwas aus seiner Vergangenheit belastet, trägt Swayze den Actionthriller mühelos und sorgt immer wieder für amüsante Momente, auch wenn Manches hiervon nicht so beabsichtigt sein mag.

Road House ist weit davon entfernt, so schlecht zu sein, dass man ihn schon deshalb gesehen haben sollte. Gleichzeitig ist es aber bei weitem kein guter Actionthriller im eigentlichen Sinn. Die einfache, testosterongeladene Story ist insbesondere durch eine Nostalgiebrille ein Kind der 1980er-Jahre, die wiederum aber durch vielschichtigere und eindrucksvolle zeitlosere Filme definiert wurden. Für sich genommen gelingt Regisseur Herrington ein Unterhaltungsfilm für ein erwachsenes Publikum. Ohne Anspruch, aber auch ohne Ballast. Das ist für diejenigen in der entsprechenden Stimmung mitunter genau das Richtige.


Fazit:
Angefangen von der oberflächlichen Story über die plakativen wie platten Schurken gibt es kaum einen Aspekt, der Rowdy Herringtons Film von anderen, mäßigen Genrevertretern jener Zeit abhebt. Immerhin gewinnt man zumindest in der ersten Hälfte den Eindruck, die betont lockeren Sprüche sollen dem Gezeigten bewusst eine humorvolle Note verleihen und die Geschichte nimmt sich selbst nicht zu ernst. Die folgt einem altbekannten Schema, ist aber handwerklich tadellos und mit einem gelungenen Soundtrack untermalt zum Leben erweckt. Die vielen Kampfszenen bleiben an sich nicht wirklich in Erinnerung – bis das Finale beginnt. Dann erwartet das Publikum ein eindrucksvoller Faustkampf, gefolgt von einem explosiven Stunt mit einem Auto, der echt aussieht, weil er eben echt ist. Dieses haptische Gefühl der Action zeichnet Road House auch heute noch aus. Das macht den Inhalt nicht tiefgehender, aber als reiner Unterhaltungsfilm ist das dank einiger einprägsamer Momente nie langweilig und das ist letztendlich nicht zu unterschätzen.
 

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