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Genre: Animation / Komödie Originaltitel: Lilo & Stitch Laufzeit: 85 min. (USA) / 84 min. (Deutschland) Produktionsland: USA Produktionsjahr: 2002 FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung Regie: Dean Deblois, Chris Sanders Musik: Alan Silvestri Originalstimmen: Daveigh Chase, Tia Carrere, Ving Rhames, Chris Sanders Kurzinhalt: Lilo und Nani sind nicht das, was man eine ideale Familie nennen könnte. Nach dem Unfalltod ihrer Eltern kümmert sich die erwachsene Nani so gut sie kann um ihre fünfjährige Schwester Lilo. Und das ist auf der Hawaii-Insel, auf der sie leben, gar nicht so einfach, zumal ein Mann vom Jugendamt angekündigt hat, zu beurteilen, ob Lilo weiter bei ihrer Schwester wohnen darf, Nani dringend einen Job braucht und Lilo nicht zuletzt ein zutiefst trauriges Problemkind ist. Doch ihre Situation ändert sich, als Lilo in einem Tierheim Stitch adopiert. Das blaue, zerstörerische Wesen ist ein misslungenes Genexperiment eines außerirdischen Wissenschaftlers und konnte vor dem Galaktischen Rat fliehen. Seine Verfolger, natürlich ebenfalls Außerirdische, sind ihm dicht auf der Spur, darum versteckt er sich bei der Kleinfamilie. Aber je mehr Zeit er mit diesen Menschen verbringt, desto mehr beginnt er zu erkennen, dass sie an sich die einzige Familie sind, die er je hatte. Kritik: Ein misslungenes Genexperiment, als Hauptfigur für einen Disney-Film? Keine Musical-Einlagen während des Films und Elvis-Songs, die durch die Lautsprecher tönen? Nicht zuletzt eine völlig untypische Familie mit einer Schwester, die gleichzeitig Mutter sein muss und alle Hände voll zu tun hat, jeden Monat über die Runden zu kommen. Und dann noch die melancholische Lilo, die es wahrhaftig schwerer hat als alle anderen Disney-Helden zuvor? Es scheint so, als wären die Produzenten bei Disney endlich wachgerüttelt worden und würden von dem Konzept der heute leider utopisch gewordenen perfekten Familie abweichen und dafür auf lebensnahe Figuren und Familienverhältnisse setzen. Was die Regisseure erreicht haben, ist ein toller Familienfilm, der sich für Erwachsene genauso eignet wie für Kinder. Die Älteren dürfen sich an vielen kleinen Anspielungen auf andere Geschichten und Filme erfreuen und in manchen, traurigen Szenen zum Taschentuch greifen. Vor allem spendieren die Macher dem Zuschauer Hauptcharaktere, die so warmherzig, so liebevoll gezeichnet und so hervorragend inszeniert sind, dass man gar nicht anders kann, als sie ins Herz zu schließen. Dabei gibt die Story nicht wirklich viel her: ein Außerirdischer landet auf der Erde und freundet sich mit Menschen an. Wie weit diese Freundschaft geht, sieht man spätestens dann, wenn das Familienglück und das Leben von Lilo und Stitch bedroht sind. Nicht gerade viel Inhalt, aber dafür so toll umgesetzt, dass es nicht weiter auffällt. Mit einem neuen (alten) Zeichentrickstil, bei dem die Hintergründe an Wasserfarbengemälde erinnern und die Charaktere nicht Normlinien entsprechen, sondern knuffig und knuddelig rund geraten sind, schaffen die Zeichner das, was viele Disney-Filme seit Aladdin [1992] und Der König der Löwen [1994] vermissen ließen – von den anderen Zeichentrick-Filmen beispielsweise aus dem Hause Dreamworks (Der Prinz von Ägypten [1998], Der Weg nach El Dorado [2000]) ganz zu schweigen. Die Zeichnungen wirken schon beinahe minimalistisch, als entstammten sie aus einer Comicserie, sind gleichzeitig in manchen Szenen aber so detailreich, als hätten die Zeichner Wochen mit einem Bild zugebracht. "Back to the roots" titelte ein Kritker angesichts von Dreamworks neuestem Film Spirit - Der wilde Mustang [2002]. Ich wusste dabei nicht, ob ich lachen oder weinen soll – zu welchen Wurzeln denn, geht jener Film zurück? Den Bits und Bytes? Spirit ist mehr künstlich und digital als gezeichnet und wer ernsthaft behauptet, dass man den Übergang zwischen computergenerierten Hintergründen (z.B. Wasserfälle) und tatsächlich handgezeichneten Figuren nicht sieht, der sollte dringendst einen Optiker aufsuchen. Mir persönlich machen solche Filme keinen Spaß, denn ich möchte einen Zeichentrickfilm sehen und keinen Computerfilm im Stil von Toy Story [1995] oder Die Monster AG [2001] (diese haben für mich zwar auch ihren Reiz, sind aber meiner Meinung nach nur indirekt mit klassischen Zeichentrickfilmen zu vergleichen). In Lilo & Stitch besannen sich die Macher hingegen wirklich auf alte Tugenden und setzen den Computer sehr, sehr spärlich zur Unterstützung ein; man muss schon mit einer Lupe hinsehen, um hier einen Übergang zu erkennen. Der Film wirkt wie aus einem Guss und das tut dem Auge des Zuschauer sichtlich gut. Herausgekommen ist ein liebevoller Zeichentrickstil fernab von technischer (aber lebloser) Perfektion oder unzähligen digitalen und zugleich kalten und sterilen Bildern. Der Humor in Lilo & Stitch ist angenehm kindgerecht gehalten, ohne auf Fäkalhumor oder die ach-so-lustigen Rülpswitze (siehe Shrek) zurückgreifen zu müssen. Leider wurde der Film in Deutschland um eine Minute gekürzt, was angesichts der restlichen Szenen und der Handlung sicher nicht notwendig gewesen wäre. Die Szenen wurden so entfernt, dass man davon wirklich nichts mitbekommt, ärgerlich ist es dennoch. Als ob Millionen von 0- bis 5 Jährige in einen Zeichentrickfilm gehen würden – aber, das ist bei Disney inzwischen wohl schon Tradition, auch andere Filme aus diesem Hause liefen in Deutschland nur in einer "entschärften" Fassung, zum Beispiel Tarzan [1999]. Erstaunlich gut ist die deutsche Synchronisation gelungen, die sich eigentlich keine größeren Schnitzer erlaubt. Auch die Stimmen von Lilo und Stitch sind sehr gut besetzt, obgleich letzterer fast keinen Dialog hat. Absolut hervorragend ist die musikalische Untermalung: sowohl Alan Silvestris dezenter und einfühlsamer Score, als auch die hawaiianischen, rhythmischen Klänge sind absolut hinreißend und versetzen einen, zusammen mit den atmosphären Zeichnungen sofort auf eine solche ruhige Ferieninsel. Nicht zuletzt dank den Elvis Presley-Songs hat der Film Herz, Seele und einen eindrucksvollen Rhythmus. Die Charaktere sind sehr schön und interessant angelegt, zum einen der knuffige, aber buchstäblich stachelige Stitch, der sich vom gefräßigen, zerstörerischen Haustier zum besten Freund Lilos wandelt. Durch ihn sieht der Zuschauer ihre Welt, ihre Sorgen und ihre Probleme. Gleichzeitig drückt Stitch allein durch seine schwarzen Augen, seine sehr beweglichen Ohren und seine Haltung dermaßen viele Emotionen aus, dass man gar nicht weiß, auf was man achten soll. Nani ist ebenfalls ein sehr vielschichtiger Charakter: einerseits muss sie auf ihre Schwester achtgeben und wird immer mehr zur Mutter, eine Rolle, in die sie nur schwer hineinwächst. Andererseits hat sie Sorgen, eine Arbeit zu finden und zuletzt hat sie aufgrund ihrer Mutterrolle keine Zeit für ein eigenes Leben. Auch der Arbeiter vom Jugendamt, Cobra Bobo hat trotz seines hühnenhaften Auftretens eine sehr sympathische Ausstrahlung. Eine angenehme Überraschung war hier, dass der Charakter, der im Original von Ving Rhames (Pulp Fiction [1994], Mission Impossible [1996]) gesprochen wird, auch die deutsche, gewohnte Synchronstimme dieses Darstellers hatte. Etwas aufgesetzt aber nicht weniger witzig wirken die beiden Außerirdischen Pleakley und Jumba, die Stitch fangen sollen. Jumba ist dabei der Wissenschaftler, der Stitch überhaupt erschaffen hat. Das Drehbuch holt aus der nicht wirklich umfangreichen Geschichte das Maximum heraus und bietet dem Zuschauer 85 Minuten beste Unterhaltung mit vielen Gags und Anspielungen. Kinder werden ihre Freude haben, und Erwachsene dürfen sich an manchen anderen Witzen erfreuen, und sollten sich auch nicht schämen, wenn einem angesichts der traurigen Person von Lilo in manchen Szenen die Tränen kommen. Erfreulicherweise ist der Film aber auch in diesen Szenen weder extrem rührselig geraten, noch hoffnungslos verkitscht. Etwas kurz kam mir das Finale vor, das actionbetont, aber schon nach wenigen Minuten vorbei ist. Vor allem lassen sich die Macher viel Freiraum für Fortsetzungen, die bereits fest geplant sind. 2003 soll eine Videoproduktion die Regale und Kassen von Disney füllen, zur selben Zeit ist eine Zeichentrickserie geplant. Lilo & Stitch ist mit Abstand das herzigste, süßeste und unterhaltsamste Werk Disneys seit langem und es schlägt die Konkurrenten in allen Punkten. Als Kinderfilm deutlich besser geeignet als beispielsweise Die Monster AG (ein sehr guter Film, aber meiner Meinung nach aufgrund der rasanten Geschichte nicht für alle Kinder geeignet) und um Längen besser als der billig-humorige Shrek. Ein Fest für groß und klein mit Knuffigkeitsfaktor 100 und dem knuddeligsten misslungenen Genexperiment, das die Welt je gesehen hat. Fazit: An die Disney-Klassiker Das Dschungelbuch [1967] oder Die Schöne und das Biest [1991] kommt Lilo & Stitch zwar nicht heran, aber ich würde den Film dennoch als modernen Klassiker bezeichnen. Es wäre schön, wenn sich mehr Disney-Filme auf diese Wurzeln des klassischen Zeichentrickfilms besinnen würden. Mit dem kommenden Treasure Planet [2002] sieht es allerdings wieder so aus, als würde der Zuschauer mehr Digitales als Handgezeichnetes serviert bekommen. Eine eindeutige Empfehlung, trotz der geringfügigen (aber nicht weniger überflüssigen oder ärgerlichen) Kürzung. Dank des unbändigen Charmes dieses Films ist er definitiv ein Erfolg. Wertung: ![]() (5 von 6 Punkten) JA Treffpunkt: Kritik wird unterstützt von der TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound! |
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